Sara und Sam sind beide in der 5. Klasse, aber Sara ist exakt ein Jahr älter als Sam. Sie beide sagen: «Wir merken davon nichts, das Alter ist bei uns kaum je ein Thema.» Auf die Viertklässler angesprochen – zu denen Sam von seinem Alter her eher gehört, sagen sie hingegen, dass diese schon noch jünger seien, «Blödsinn machen in den Pausen und von Sachen reden, die mich nicht interessieren», präzisiert Sara. Und Sam könnte sich nicht vorstellen, erst in der vierten Klasse zu sein. «Ich habe zwei ältere Brüder, bin auch im Fussball und jetzt im Handball mit älteren Mitspielern in der Mannschaft, das ist irgendwie einfach immer so.» In der Schule habe er deswegen keine Nachteile, im Handball sei es schon so, dass die Älteren grösser seien und einen «härteren Schuss» hätten. «Im Kindergarten und bis zur dritten Klasse wusste ich gar nicht, dass ich der Jüngste bin», sagt Sam.
Dass ihr relativer Altersvorsprung für Sara ein Vorteil sein könnte auf dem Weg zu ihrem Berufswunsch Kindergärtnerin, darüber hat sie sich noch nie Gedanken gemacht. Statistisch gesehen ist es so: Schülerinnen und Schüler mit Geburtstag im ersten Halbjahr nach dem Stichtag sind an Gymnasien übervertreten.

Dass die Klassenälteren tendenziell einen gewissen Vorteil haben, besonders beim Start, das bestätigt Markus Balsiger, Klassenlehrer der beiden im Hirzbrunnen-Schulhaus. Dass sich dieser Vorteil statistisch noch am Gymnasium nachvollziehen lässt, das erstaunt ihn hingegen. «Es ist schon so, dass die Jüngsten im Klassenverband in der Wahrnehmung halt immer die Jüngsten bleiben, auch wenn die Entwicklung natürlich extrem vom Einzelnen abhängt.»

Primarlehrer würden heute sehr viel mehr Wert legen auf Heterogenität innerhalb einer Klasse und das Alter sei nur ein Teil davon. «Wenn man vergleicht, wie der Unterricht vor 30 Jahren war, dann hat sich schon sehr viel getan. Heute sind die individuellen Lernmöglichkeiten viel grösser, wovon sicherlich auch die jüngeren, tendenziell weniger weit entwickelten Kinder profitieren.»

«Ein souveräner Start hilft»

Balsiger unterrichtet die Klasse von Sara und Sam während der ganzen sechs Jahre Primarschule; kennt die einzelnen Kinder also auch als Erstklässler und kann ihre unterschiedliche Entwicklung deshalb gut beurteilen. Auch ihre Geburtstage und Jahrgänge kennt er – im Gegensatz etwa zu Fachlehrern, die einfach eine «fünfte Klasse» vor sich sehen und häufig keine Ahnung haben, welche Schüler die Älteren und welche die Jüngeren sind.

«Ich habe auch noch einen persönlichen Bezug zum Thema, weil wir bei unserem Sohn vor der Entscheidung standen, ob wir ihn früher einschulen. Darauf haben wir verzichtet und er hat die Schule souverän gemeistert.» Ein guter Start in die Schule sei sicherlich förderlich – und gerade da hätten ältere Kinder tendenziell einen Vorteil. «Es kann allerdings auch sein, dass gewisse Kinder so weit sind, dass sie sich dann in der Schule langweilen. Das ist dann sicher auch nicht gut.»

Sara und Sam langweilen sich nicht in der Schule: Sie hat besonders gerne Mathematik, er Französisch, seine Muttersprache. Und auch im Turnen könne er locker mithalten. «Einer der Kleinsten in der Klasse ist im Hochsprung sogar am höchsten gekommen», erzählen sie. Und zeigen damit exemplarisch, dass der Graben zwischen dem Einzelfall und dem statistischen Durchschnitt grösser nicht sein könnte.