Universität

Primo Schär zu den Folgen der gescheiterten Spitalfusion: «Das Nein macht es komplizierter»

Primo Schär, Dekan der Medizinischen Fakultät der Uni Basel.

Primo Schär ist Dekan der Medizinischen Fakultät, er äussert sich gegenüber der bz zu den Folgen der gescheiterten Spitalfusion.

Warum ist Ihrer Meinung nach die Fusion der Spitäler am Wochenende in Basel abgelehnt worden?

Primo Schär: Der Hauptgrund war wohl die Komplexität des Vorhabens. Die Befürworter konnten nicht genügend klar vermitteln, was die Vorteile und die Chancen ihrer Pläne sind. Dann überwiegen halt bei vielen die gefühlten Risiken.

Wie gross ist der Schaden für die Universität Basel nach dem gestrigen Nein?

Unmittelbar ist er nicht wahrnehmbar. Aber wir haben eine Chance verpasst. Klar ist auch: Die Universität und die Medizinische Fakultät müssen sich bewegen, um im internationalen Wettbewerb mitzuhalten. Die Fusion wäre eine Möglichkeit gewesen, um organisch wachsen zu können. Heute und morgen werden wir nicht viel merken. Aber wenn wir uns nicht bewegen, dann in zehn oder fünfzehn Jahren.

Das Nein bedeutet also nicht automatisch, dass man sich ein Problem eingehandelt hat?

Wenn wir nichts machen, dann schon. Die entscheidende Frage ist, wie wir attraktiv bleiben können. Wir wollen die besten Leute, um eine hochqualifizierte Medizin auf dem neusten Standard anbieten zu können. Denen müssen wir etwas bieten können. Da spielen die Grösse und die Möglichkeiten des Spitals eine Rolle. Deshalb müssen wir nun versuchen, uns auf eine andere Art diese Vorteile zu verschaffen.

Was wäre aus Sicht der Universität wichtig für die weitere Zukunft der regionalen Spitallandschaft?

Wir waren überzeugt von der Fusion. Es gibt aber auch viele Bereiche, in denen mit punktueller Zusammenarbeit Synergien genutzt werden können. In den letzten Jahren wurden wichtige Prozesse eingeleitet in der Zusammenarbeit der Spitäler. Nun muss man im Einzelnen evaluieren, was davon auch ohne Fusion realisiert werden kann. Das bringt mehr als zwei Einzelkämpfer. Das Nein macht es insgesamt natürlich viel komplizierter und langwieriger. Aber es nicht ausgeschlossen, dass man Zusammenarbeiten realisieren kann in den Bereichen, in denen es produktiv und sinnvoll ist.

Sie haben vor einem halben Jahr gesagt, die Fusion komme letztlich auch den Patienten zugute. Bedeutet das, dass nun das Nein zum Schaden der Patienten ist?

Wenn wir jetzt nicht reagieren, dann verändert sich mittelfristig die Qualität, die wir anbieten können. Aber wir werden dafür arbeiten, dass dies nicht der Fall sein wird.

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