Basel

Privatbank Notenstein ist in Basel am Start und will «Top-Anbieter» werden

Die Leitungscrew in Basel: Andreas Knörzer, Asset Management, Goran Radin, Niederlassungsleiter, Aris Prepoudis, Institutionelle. Roland Schmid

Die Leitungscrew in Basel: Andreas Knörzer, Asset Management, Goran Radin, Niederlassungsleiter, Aris Prepoudis, Institutionelle. Roland Schmid

Vor zwei Jahren wurden wegen des Steuerstreits mit den USA die St. Galler Bank Wegelin aufgesplittet. Seit kurzem hat die Notenstein auch eine Filiale am Bankenplatz in Basel mit 45 Angestellten der Bank Sarasin.

Der Enthusiasmus und die Freude war den vier Bankern anzusehen. «Wir haben wirklich ein hohes Tempo vorgelegt», sagt Adrian Künzi, CEO der Privatbank Notenstein, am Rande eines Kundenempfangs in den neuen Räumlichkeiten der Basler Filiale an der Freien Strasse.

Die 2012 gegründete Bank war ein Kind der Not. Als vor zwei Jahren die St. Galler Bank Wegelin wegen ihres US-Geschäftes knapp vor dem Aus stand, galt es, den Schaden zu begrenzen. Und so wurde Wegelin in eine «Bad Bank» und eine «good Bank» aufgesplittet. Notenstein war die «good Bank», in die alle Nicht-US-Kunden transferiert - und rund 700 Mitarbeitende.

Das Rettungsboot

Das Problem: Dieses neue Rettungsboot musste schwimmfähig sein, und zwar sofort. Praktisch gleichzeitig wurde die Notenstein an die Raiffeisen-Gruppe verkauft. Unter ihrem Dach ist sie für das «Private Banking» (wohlhabende Kunden) und «Institutionelle» (Pensionskassen, Stiftungen) zuständig, zwei Geschäftszweige, in denen die Raiffeisen bislang kaum aktiv war.

«Innerhalb von 18 Tagen stand diese Bank. Die Bewilligungen waren da, die Verträge, die EDV, der Auftritt als neuen Marke. Das war Phase eins. Danach ging es darum zu stabilisieren, Mitarbeitende und Kunden zu überzeugen, bei uns zu bleiben.

Der Coup

Doch dann geschah in Basel etwas Unerwartetes. Die Bank Sarasin wurde vom brasilianischen Bankhaus Safra übernommen. Das kam nicht bei allen «Sarasinler» gut an. So hatten sich Mitarbeiter fast aller Stufen verabschiedet, zum Beispiel fast das ganze Team für nachhaltige Anlagen. Es ist ein grosser Glücksfall, dass 45 Sarasin-Angestellte praktisch nahtlos zur Notenstein wechseln konnten - geografisch gesehen ein paar hundert Meter nördlich.

Nicht nur das: Diese plötzliche Fachkompetenz hat Notenstein auch bewogen, hier in Basel wirklich Fuss zu fassen, das Geschäft mit Pensionskassen («Institutionelle Anleger») auszubauen und nachhaltige Anlagepolitik als Kernkompetenz zu entwickeln.

Denn viele der Sarasin-Abgänger waren im Bereich Nachhaltigkeit tätig. Der Ausbau in Basel hängt also eng damit zusammen, dass praktisch alle Mitarbeitenden in Basel oder der Region wohnen. Ausserdem sei der Finanzplatz nach Zürich und Genf die Nummer drei in der Schweiz.

Früher spielten wegen der Grenzlage Basels Steuerfluchtgelder eine Rolle. Das ist definitiv vorüber. Wie eine Statistik der Basler Banken zeigt, wurden zwischen 2009 und 2012 gegen 15 Milliarden Franken nach Deutschland zurückverschoben. Ungeachtet dessen sei die Grenzlage wegen den deutschen «Institutionellen» wichtig, weil man sehr rasch in Frankfurt sei. Bereits habe man ein grosses deutsches Mandat gewinnen können, sagte Aris Prepoudis. Die verwalteten Vermögen sollen in den kommenden Jahren verdoppelt werden. Eine Expansion in grossem Stil Richtung Europa sei jedoch nicht geplant.

Der Bereich Nachhaltigkeit werde gepflegt, sagt Andreas Knörzer, Leiter des Asset Managements von Notenstein. «Wir wollen hier Top-Anbieter werden.» Zehn neue Nachhaltigkeitsfonds seien geplant.

Die Bank entwickelt sich gut, sagte Künzi. Zwar verlor Notenstein im ersten Jahr eine Milliarde Kundengelder. Doch nach einem Jahr war die Scharte ausgewetzt, Notenstein verwaltet bereits wieder 22 Milliarden. Und sie steuert 35 Millionen Franken oder fünf Prozent zum Raiffeisengewinn bei. Auch hier wird eine Verdoppelung ins Auge gefasst.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1