Datenschutz

Privatsphäre in Gefahr: In Mittelschulen dürfen künftig eigene Computer benutzt werden

Auch die Jugendlichen sind von der Regelung betroffen.

Auch die Jugendlichen sind von der Regelung betroffen.

Lehrpersonen und Schüler dürfen in Mittelschulen künftig eigene Computer benutzen. Das birgt einige Risiken.

Die Digitalisierung bereitet der Lehrerschaft Kopfzerbrechen. An der Delegiertenversammlung der Freiwilligen Schulsynode von dieser Woche war der Informatikausbau an Basler Schulen das Hauptthema. Der Lehrerverband reagiert damit auf einen Entscheid des Grossen Rats vom März. Das Kantonsparlament will, dass Lehrpersonen und Schüler auf der Sekundarstufe II künftig mit ihren privaten Geräten arbeiten dürfen. «Bring your own device (BYOD)» heisst das Prinzip, das schon landesweit für Kritik sorgte. Auch im Basler Parlament wurde die Vorlage kontrovers diskutiert.

Tatsächlich bringt das System Datenschutzrisiken mit sich. So hält der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte fest: «Wir erachten die BYOD-Nutzung aus Datenschutzsicht als heikel, vor allem was die Datensicherheit und die Abgrenzung zwischen privaten und geschäftlichen Daten betrifft.» Wolle der Arbeitgeber Zugriff zu gewissen Geschäftsdaten, könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch ein Zugriff auf private Daten des Arbeitnehmers stattfinde. Dies entspräche aber einer Persönlichkeitsverletzung.

Kritik von links und rechts

Bereits 2012 äusserten sich Juristen in der Fachzeitschrift «digma» misstrauisch: «Mit BYOD wird der Zugriffsbereich auf die im Unternehmen bearbeiteten Daten erweitert. Dies erhöht das Risiko in vielerlei Hinsicht», schreiben die Autoren Mark Reuttler und Samuel Klaus. «Die Gefahr eines unautorisierten Abrufs mittels ungenügend gesicherten Privatgeräten wird erhöht.»

Einer der Kritiker im Grossen Rat war SVP-Grossrat Alexander Gröflin. Auch der gelernte Informatiker und ehemalige Lehrer befürchtet eine Vermischung von privaten und beruflichen Daten: «Wenn ein Gerät eines Lehrers nicht richtig funktioniert und er es zur IT bringen muss, dann kann es sein, dass das IT-Personal Zugriff auf private Daten erhält. Ich empfinde diesen Umstand als heikel.» Es sei wichtig, dass sich Lehrpersonen dieser Tatsache bewusst würden.

Auch im linken Lager stösst das Vorhaben auf Skepsis. SP-Grossrätin und Lehrerin Sibylle Benz erklärt: «Ich finde BYOD grundsätzlich nicht den richtigen Ansatz, um Schülerinnen und Schüler mit dem webbasierten Lernen und Arbeiten vertraut zu machen. Die Gefahren bezüglich Datensicherheit, aber auch meine Bedenken bezüglich der sozial ungleichen Verteilung der Ressourcen für Gerätekauf und Ausstattung sind viel zu gross.» Sie habe der Regierungsvorlage nur zugestimmt, weil sie sonst laufende Arbeiten innerhalb der Schulen möglicherweise zurückwerfen würde, so Benz.

Der Kanton kennt die Risiken

Für das Erziehungsdepartement (ED) sind die Sorgen nicht neu. Sprecher Simon Thiriet schreibt auf Anfrage: «Die Problemstellung ist bekannt und im Rahmen der Einführung wird der Wahrung der Persönlichkeitsrechte von Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern grosse Aufmerksamkeit geschenkt.» Das ED steht im Austausch mit dem kantonalen Datenschutzbeauftragten Beat Rudin. «Es braucht eine detaillierte Risikoanalyse», so Rudin. «Mit Schutzmassnahmen können die Risiken verkleinert werden. Das ist bei Schulen machbar.»

Bei den Lehrpersonen bleibt das Unbehagen gegenüber BYOD vorhanden. «Es kann passieren, dass Daten ohne Absicht vermischt werden. Das ist klar», sagt Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode. Der Lehrerverband habe deswegen schon im Vorfeld der Abstimmung im Grossen Rat entsprechende Forderungen beim ED eingereicht. «Wir wollen, dass hier wie in allen anderen juristischen Bereichen der Arbeitgeber ausser bei einer Grobfahrlässigkeit der Lehrperson haftet», so Héritier. Das ED habe dieser Bedingung zugestimmt. Der Kanton muss nun ein entsprechendes Konzept erarbeiten.

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