Strafgericht
Profiboxer verurteilt: Er verprügelte in Basel einen Bargast und zwei Polizisten

Zuerst verprügelte ein Profiboxer vor der Basler «Bunga Bunga Bar» einen anderen Gast, später in der Ausnüchterungszelle zwei Polizisten. Deshalb muss der Boxer für ein Jahr ins Gefängnis und zahlt 6000 Franken Genugtuung für die Beamten.

Patrick Rudin
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Die Bilanz der Schlägerei in der Ausnüchterungszelle: Gesichtsverletzungen und gebrochene Finger bei den Polizisten, ein Beamter war vier Wochen, der andere eine Woche arbeitsunfähig. (Symbolbild)

Die Bilanz der Schlägerei in der Ausnüchterungszelle: Gesichtsverletzungen und gebrochene Finger bei den Polizisten, ein Beamter war vier Wochen, der andere eine Woche arbeitsunfähig. (Symbolbild)

Zur Verfügung gestellt

Es war spät in der Nacht, als im April 2013 in der «Bunga Bunga Bar» in der Offenburgerstrasse ein Streit ausbrach: Ob es um eine Frau oder um einen angeblichen Diebstahl ging, ist nicht ganz klar, jedenfalls gerieten ein heute 32-jähriger Profiboxer und ein anderer Gast aneinander.

Es blieb vorerst harmlos, doch später folgte der Boxer dem anderen Gast aus der Bar und donnerte ihm seine Faust ins Gesicht. Die Polizei steckte den Boxer zur Ausnüchterung auf der Kannenfeld-Wache in eine Zelle, mit einem Alkoholspiegel von 1,25 Promille war er allerdings nicht sturzbetrunken. «Sein Verhalten schwankte zwischen aggressiv und weinerlich», sagte ein Polizist am Mittwoch vor Gericht.

Wollte sich der Mann umbringen?

Um halb vier Uhr morgens sahen die Polizisten, wie der Mann seine Bettdecke zusammenrollte und offenbar einen Strick basteln wollte, es folgten lange Diskussionen und Rangeleien in der Zelle, schliesslich nahmen die Polizisten die Bettdecke mit.

«Ich kann mich auch mit meinem Hemd umbringen», rief der Mann den Polizisten hinterher, woraufhin sie wieder in die Zelle gingen und sein Hemd forderten. Es kam, wie es kommen musste: Seines Hemdes entledigt, betonte der Gefangene, er könne sich auch mit seiner Hose erhängen.

Die Polizisten forderten auch die Hose, doch nun eskalierte der Streit: Während der Rangelei schlug der Boxer beiden Polizisten mehrmals ins Gesicht. «Das ging so schnell, ich habe keinen der Schläge gesehen», meinte ein Polizist dazu vor Gericht. Zu viert konnten sie dem Mann schliesslich Handschellen anlegen und die Zelle verlassen.

6000 Fr. Genugtuung für Polizisten

Die Bilanz der Schlägerei: Mehrere Gesichtsverletzungen und gebrochene Finger, ein Polizist war vier Wochen, der andere eine Woche arbeitsunfähig. Am Mittwoch erschien der Angeklagte nicht vor Gericht, so wurde er in Abwesenheit verurteilt.

Einzelrichter René Ernst verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten wegen mehrfacher Körperverletzung sowie Gewalt gegen Beamte. Wie Ernst sagte, war der Mann nicht nur einschlägig vorbestraft, sondern sass wegen ähnlicher Prügeleien auch schon mehrmals im Gefängnis.

«Es ist aufgrund aller Zeugenaussagen klar, dass er an jenem Abend massivst und grundlos zugeschlagen hat. Offenbar kannte er keine Hemmungen mehr», sagte Ernst.

Das Gericht hatte auch auf die vom Verteidiger betonte Reue des Angeklagten eine Antwort: Beiden Polizisten muss er eine Genugtuung von je 3000 Franken bezahlen, dazu kommen 4000 Franken an Anwalts- und Verfahrenskosten. Der Verurteilte kann das Urteil weiterziehen. Ob der Mann noch aktiv boxt, ist unklar, seinen letzten Kampf bestritt er erfolgreich im Sommer 2013.

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