Im Kanton Basel-Landschaft tönt es im Kleinen derzeit so, wie es in der Eidgenossenschaft im Grossen tönt: Wir profitieren zu wenig. Im Baselland geht es um den Univertrag mit dem Kanton Basel-Stadt. Die Diagnose lautet: Die Uni kostet nur Geld. Der Landrat in Liestal hat deshalb vorgestern der Regierung ein Postulat überwiesen, das dazu führen wird, dass der Landkanton den Univertrag mit der Stadt kündigt.

Abwehrreflex gegen Basel und Brüssel

Ganz ähnlich tönt es auf eidgenössischer Ebene: Da klopft die Schweiz ihre Verträge mit der EU schon länger einzeln ab und untersucht, ob sie auch genug profitiert. Jüngstes Prüfthema ist das Schengen/Dublin-Abkommen. Dabei geht es um den gemeinsamen europäischen Binnenraum und um europaweit einheitliche Kriterien für die Prüfung eines Asylgesuchs. Die europäischen Staaten gehen derzeit wie die Raben aufeinander los, weil sie sich nicht darauf einigen können, wie die Flüchtlinge sinnvoll auf die Länder verteilt werden. Die EU will die Schengen-Staaten verpflichten, Flüchtlinge aufzunehmen, auch die Schweiz. Schon der blosse Gedanke daran löst hierzulande heftige Abwehrreflexe aus.

Auf den ersten Blick haben Univertrag und Flüchtlingsverteilung nichts miteinander zu tun. Doch unter der Oberfläche geht es um ähnliche Handlungsmuster:

Im Vordergrund steht der Profit des Einzelnen.

Die beteiligten Partner werden
als Gegner betrachtet.

Das Problem wird aus der
Einzelperspektive angegangen.

Das eigentliche, tiefer liegende
Problem wird ignoriert.

Nehmen wir den Univertrag. Die Gelder, die der Kanton Basel-Landschaft an die mit Basel gemeinsam getragene Universität zahlt, sind für die Landschäftler Kosten, für die sie einen Gegenwert sehen wollen. Doch die Uni ist kein Joghurt, das man sich nach Bezahlung in den Kühlschrank stellen kann. Das Geld, das der Staat an die Universität bezahlt, ist vielmehr eine Investition in den Standort.

Die Diskussion rund um den Univertrag war eine Stadt-Land-Diskussion. Doch die Universität dient der ganzen Region und die Gegner sitzen nicht in Basel, sondern in Zürich und im Arc Lémanique oder gar in Boston und Schanghai. Die Genferseeregion hat die Region Basel in den letzten Jahren überflügelt. Und warum? Weil die Romands sich gegen die Deutschschweizer zusammenschliessen und in Bern geeint auftreten. Die beiden Basel müssen sich endlich von ihrer Bauchnabelperspektive lösen und das Gesamtbild sehen. Die Gelder, welche die Kantone an die Uni zahlen, sind nicht Kosten, sondern Investitionen in den Standort (beider) Basel.

Auch in Europa behandeln sich die Länder derzeit wie Gegner und nicht wie Partner. Dänemark schliesst die Grenze zu Deutschland, Österreich stellt den Zugverkehr mit Ungarn ein. Jedes Land schaut nur für sich selbst. Es ist, wie wenn es in einem Dorf brennen würde. Statt dass sich alle zusammentun, um den Brand zu löschen, schaut jeder nur zu seinem Haus und so breitet sich der Brand im Dorf aus. Denn die Rede ist immer nur von den Flüchtlingen. Über die Ursache für die Flüchtlingsbewegungen, den schrecklichen Krieg in Syrien, redet kaum jemand.

Wir müssen die Einzelperspektive verlassen und die zentrale Frage anders stellen. «Holt das Baselbiet genug aus dem Univertrag heraus?» ist die falsche Frage. Die Frage muss lauten: «Investieren Basel-Stadt und Baselland genug in den Bildungsplatz beider Basel?» Ähnlich im Verhältnis mit der EU: «Holt die Schweiz genügend aus den EU-Beziehungen heraus?» ist die falsche Frage. Richtig wäre: «Investiert die Schweiz genügend in die EU-Beziehung?» Einen Lichtblick bildet die Zivilbevölkerung. Immer mehr Menschen helfen mit Spenden und indem sie sich persönlich einsetzen. Jenseits allen Profitdenkens.