Konkurs

Programm per sofort eingestellt – Café Singer ist am Ende

Der Club an prominenter Lage ist verwaist.

Der Club an prominenter Lage ist verwaist.

Die Gastrolokale im Singerhaus schliessen per sofort ihre Tore. Die Ausstände dürften bei bis zu 500 000 Franken liegen – es ist das Ende eines Missverständnisses.

Diese Geschichte wirft ein Licht auf das Geschäftstreiben im Basler Nachtleben: Der Club des Café Singer im Untergeschoss hat das Programm per sofort eingestellt. Die Bar im Obergeschoss ist geschlossen. Am Freitag hat Olivier Müller, Präsident der Marktplatz AG, die Bilanz beim Konkursrichter deponiert. Die Betreiberin der Gastrolokale im Singerhaus beim Basler Marktplatz ist überschuldet und illiquid. Mietzinszahlungen stehen aus. Dazu kommen ungedeckte Darlehen aktueller und ehemaliger Aktionäre.

Über 200 000 Franken verliert Müller, der nach eigenen Angaben knapp die Hälfte der Aktien hält. Mit rund 70 000 Franken steht die Firma beim Luzerner PR- und Gastrounternehmer Michel Achermann in der Kreide, der knapp ein Drittel der Aktien hält.

Einen ungedeckten Schuldschein hält auch der ehemalige Singerhaus-Promotor und «Acqua»-Betreiber Simon Lutz in den Händen. Gesamthaft dürften die Ausstände zwischen 300 000 und 500 000 Franken liegen. Alles bekannte Namen, die mit dem Café Singer eine Erfolgsgeschichte im Basler Clubwesen hatten schreiben wollen.

Die Grössen der Nachtclub-Szene

Die Ausgangslage war günstig. Mit Michel Achermann engagierte sich Ende 2015 ein erfolgreicher Clubunternehmer beim Basler Traditionshaus, der sich selbst im kompetitiven Zürcher Markt durchsetzen konnte. Der Kinosaal im Untergeschoss wurde in ein schwarzes Tanzlokal für laute Beats umtapeziert.

Das ursprüngliche Teehaus und spätere Rotlicht-No-Go-Ort im ersten Stock sollte zu einer zentralen Bar für die Basler Ausgehjugend werden. Mit Simon Lutz («Atlantis», «Acqua», «Kuppel», «Garage») und Agron Isaku («Nordstern») standen dem Projekt zudem zwei Grössen des heimischen Nachtlebens als Paten und Geldgeber zur Seite. Eigentlich konnte nichts schiefgehen.

Doch Isaku und Lutz hatten noch andere Baustellen. Sie mussten sich darauf konzentrieren, das aufwendig sanierte und aufgeppte «Schiff» im Basler Rheinhafen als Clublokal flottzumachen. Achermann war indes kaum präsent und der eingesetzte Geschäftsführer Giuseppe Miele brachte die hohen Kosten mit den überschaubaren Einnahmen nicht in Einklang. Die Versprechungen standen in keinem Verhältnis zur gelieferten Leistung. Es drohte die Havarie am Marktplatz.

Im vergangenen Sommer tauchte Olivier Müller als Rettungsanker auf. Der Treuhänder (Cauber) und Veranstalter («Konzertkuppel», «Gameboys») sah sich als neuen Kultur-Gastro-Unternehmer in der Clubszene. Kurz zuvor hatte er schon die verwaiste «Jägerstube» übernommen und als «Heimat» wieder eröffnet. Da er versprach, über flüssige Mittel zu verfügen, war er auch am Marktplatz willkommen. Müller wirbelte und weibelte, ersetzte bald den Geschäftsführer. Ein geordneter Betrieb wollte sich dennoch nicht einstellen.

Unschöne Überraschung

Sind die Angaben von Müller korrekt, sei er bei der Marktplatz AG eingestiegen, als sich dort offene Rechnungen von überschaubaren 60 000 Franken angehäuft hatten. Doch kaum übernommen, seien weitere Rechnungen sowie zweite und dritte Mahnungen ins Haus geflattert. Eine zweite Zwischenbilanz habe gezeigt, dass der eigentliche Kreditorenstand vielmehr bei 280 000 Franken gelegen habe.

Erdrückend kam dazu, dass auch bei den Gastrobewilligungen unklare Verhältnisse herrschten. Zum einen machte selbst die Polizei ein Durcheinander, als sie aufgrund einer vermeintlich fehlenden Bewilligung eines Abends Club wie Bar schlossen. Dabei lag bloss keine Bewilligung für das ehemalige China-Restaurant im gleichen Haus vor, das jedoch seit geraumer Zeit geschlossen ist.

Zum anderen hatte aber auch der Club nicht für alle Öffnungszeiten die nötige Zulassung. Über ein halbes Jahr habe es gedauert, bis auch der Donnerstag offiziell für einen Partybetrieb freigegeben worden sei, sagt Müller. Die permanente Geldknappheit hat die Partner entzweit.

Schon früh gescheitert ist eine geplante Zusammenarbeit von Müller und Lutz beim Neubau und der Neukonzeption der Kuppel mit einem zusätzlichen Gastrobetrieb. Lutz wiederum wollte von der Marktplatz AG sein Darlehen von 20 000 Franken auf dem Rechtsweg zurückerstreiten und leitete eine Betreibung ein.

Der Druck auf Müller hat in den vergangenen Wochen stetig zugenommen. Die «Tageswoche» berichtete von Veranstaltern, die aufgrund offener Rechnungen den Club nicht mehr buchten. Eine Betreibung über 8000 Franken veranlasste das Basler Zivilgericht diese Woche, den von Müller finanziell alimentierten Verein «Wunschkind Kultur» in Konkurs zu setzen.

Unbezahlt sei ein Konzertmitschnitt anlässlich der Plattentaufe der Basler Band «Amorph», sagt der Filmer Nico Schmied. «Der Ausstand wurde innert 10 Tagen beglichen», sagt hingegen Müller. Er geht davon aus, dass der Konkurs seines Vereins widerrufen wird.

Michael Achermann versuchte sich derweil zuletzt schadlos zu halten und den Club samt Mietvertrag zu verkaufen. Im Gespräch war der ehemalige «Fame»-Geschäftsführer und «Rhypark»-Betreiber Olivier Keller. Diesem Ausstieg hat sich Müller verweigert. Er hat die Bilanz beim Konkursamt deponiert.

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