Harald Friedl glaubt nicht an einen Zufall. Der Präsident der Basler Grünen zählt zu den vehementesten Gegnern des Ozeaniums, über das die Stimmbevölkerung am 19. Mai abstimmt. Und er hat den Verdacht, der Basler Zolli halte bewusst Informationen zu seinem 100-Millionen-Projekt zurück, um dessen Chancen an der Urne nicht zu schmälern.

Konkret geht es um die beeindruckenden Ausmasse des fünfstöckigen Gebäudes, das gemäss Regierungsvorlage rund 28 Meter über die Heuwaage hinausragen soll. Davon gebe es kaum publizierte Bilder, merkt Friedl an. Das aber lasse keine zureichende Orientierung des Souveräns über das «wahre Ausmass des Kolosses» zu.

Schon seit Wochen und Monaten kämpfen Grüne und Umweltverbände gemeinsam gegen das Ozeanium an. Dieses soll ab 2024 dem Publikum anhand von Themenaquarien einen Einblick in die Welt der Ozeane bieten und es für Umweltfragen sensibilisieren. Es gebe aber keine unabhängigen Studien, die beweisen würden, dass Aquariumbesucher für den Schutz der Meere sensibilisierter seien, merken die Gegner an.

Hinzu komme das Tierleid, das verursacht werde. Auch seien solche Aquarien unheimliche Energiefresser. Und: Die meisten Grossaquarien weltweit hätten einen grossen Besucherrückgang zu verzeichnen, «der zu einem grossen Finanzrisiko für Basel werden könnte».

Baukörper kaum einzuordnen

Nun spekuliert Friedl auf ein weiteres Gegenargument: schiere Grösse, vor welcher das Basler Stimmvolk zurückschrecken könnte. Von der Basler Regierung will der Grüne deshalb wissen, warum die Konturen des Ozeaniums vor oder während des Abstimmungskampfes nicht ausgesteckt wurden wie bei der Volksabstimmung zum geplanten Neubau des Stadtcasinos im Jahr 2006. Selbst Visualisierungen des Baukörpers seien kaum zu finden – im Gegensatz zum derzeit ebenfalls diskutierten Neubau für das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv.

Vom Ozeanium gebe es nur eine einzige Visualisierung, welche aber nicht den städtebaulichen Kontext zeige. Auf der Internetseite der Befürworter seien lediglich Innenansichten des Gebäudes zu sehen. «Die Bevölkerung muss aber wissen, worüber sie abstimmt», betont Friedl. «Das gehört zur freien Meinungsbildung.»

Beim Zolli zeigt man sich von der Kritik wenig beeindruckt. Auf der Internetseite zum Projekt gebe es durchaus Visualisierungen zum Projekt. «Einen Grund, sie zu verstecken, gibt es nicht – das Ozeanium ist ein städtebaulich und architektonisch überzeugendes Gebäude», wirbt Zolli-Sprecherin Tanja Dietrich. Zudem: Mit einer Höhe von 28 Metern sei es nicht höher als die umliegenden Bürogebäude. Das liege unter anderem daran, weil zwei Drittel des Grossaquariums unter dem Boden geplant seien.

«Immer transparent informiert»

Visualisierungen seien aber nicht nur im Internet zu finden. In einer öffentlichen Ausstellung würden auch zwei Gebäudemodelle präsentiert. Querschnittspläne würden ausserdem an Informationsveranstaltungen präsentiert. «Zusammenfassend kann man sagen, dass der Zoo jederzeit transparent über das Gebäude und alle weiteren Aspekte des Projekts informiert hat», zeigt sich Mediensprecherin Dietrich überzeugt.

Wenig überzeugt zeigt sich nach wie vor Projektgegner Friedl. Ihm reicht das nicht. Der Grünen-Präsident beharrt mit gutem Grund auf eine Offenlegung der geplanten Grössenverhältnisse, gerade im Vergleich zum städtebaulichen Umfeld.

Immerhin hat sich die Basler Stimmbevölkerung wiederholt skeptisch gegenüber Grossprojekten gezeigt, beispielsweise im Jahr 2006 beim Stadtcasino-Neubau von Stararchitektin Zaha Hadid. Oder 2003 beim Multiplexkino auf der Heuwaage – dem geplanten Standort des Ozeaniums. «Die Grösse des Projekts kann im Abstimmungskampf durchaus eine Rolle spielen», ist sich Friedl sicher. «Als Gegner habe ich deshalb ein Interesse daran, dass die Bevölkerung die Ausmasse kennt. Das gebe ich gerne zu.»