Mordprozess

Prostituierte mit 37 Messerstichen getötet: Mörder kriegt nur 17 Jahre

(Symbolbild)

Der Täter hatte im Mai 2015 eine Prostituierte mit 37 Messerstichen getötet.

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Es bleibt bei einem Schuldspruch wegen Mordes: Das Appellationsgericht verkürzte eine Freiheitsstrafe für einen 46-jährigen Mann aus Angola auf 17 Jahre.

Es gab bloss eine kleine Korrektur: Das Basler Appellationsgericht bestätigte am Dienstag den Schuldspruch wegen Mordes gegen einen heute 46-jährigen aus Angola stammenden Portugiesen. Er hatte im Mai 2015 eine 43-jährige aus Kamerun stammende Prostituierte in seiner Wohnung im Basler Hegenheimerquartier mit 37 Messerstichen getötet. Das Basler Strafgericht hatte ihn deswegen im September 2016 zu einer Freiheitsstrafe von 18 Jahren verurteilt, das Appellationsgericht reduzierte die Strafe nun auf 17 Jahre. Dies vor allem, weil er eine gewisse Empathie für die beiden Kinder der getöteten Frau gezeigt hatte.

Kaum vorzeitige Entlassung

Der Mann hatte stets von einem plötzlichen Überfall eines Unbekannten gesprochen, die Prostituierte habe ihm dann eine Decke über den Kopf geworfen. Er selber habe sich bloss in Panik verteidigt. Diese Notwehr-Geschichte kauften ihm allerdings die Richter nicht ab. Vertreter der Opferfamilie hatten bislang vergeblich gefordert, den Mann zu begutachten: Je nach psychischem Störungsbild wäre damit auch eine sichernde Massnahme statt einer blossen Freiheitsstrafe möglich gewesen. Auch sein Verteidiger hatte dies beantragt, um die Schuldfähigkeit zu prüfen. Die Richter lehnten dies ab.

Damit könnte der Mann im Herbst 2026 nach zwei Dritteln der Gesamtstrafe vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und dann nach Portugal ausgewiesen werden. Allerdings scheint er kein einfacher Gefangener zu sein: Gerichtspräsidentin Liselotte Henz erwähnte am Rande der Verhandlung, dass er wegen mehrerer massiver Disziplinarprobleme in die Sicherheitsabteilung verlegt werden musste. Geht das so weiter, wird er wohl die vollen 17 Jahre absitzen müssen.

Vor dem Appellationsgericht gab sich der Mann sichtlich aufgebracht und gab in beeindruckender Lautstärke dramatisch und mit überschlagender Stimme seine eigene Bestürzung über seine Tat kund: «Ich war nie gewalttätig. Es gibt ein Sprichwort: Der gefährlichste Mann ist der ruhige Mann», klärte er das Gericht via Dolmetscher auf.

Vier Frauen und acht Kinder

Seine Familienverhältnisse sind nicht so einfach zu durchschauen: Nach aktuellem Stand hat er mit vier verschiedenen Frauen acht Kinder in die Welt gesetzt, diese leben in Angola, den Niederlanden und Deutschland. «Mein Vater hatte zwölf Frauen», erklärte er. Wichtig sei ihm einzig, dass seine Kinder eine gute Schulbildung geniessen könnten.

Nach dem Mord im Mai 2015 säuberte er den Tatort, entnahm die SIM-Karte aus dem Telefon des Opfers und flüchtete via Paris nach Marokko. Er sei damals in Panik gewesen, beteuerte er. Einen Monat später stellte er sich den Behörden, angeblich aus Gewissensgründen. Die einzige Alternative wäre allerdings gewesen, während der Verjährungsfrist von 30 Jahren unterzutauchen.

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