Das will Willi Rehmann, der Präsident der Nordwestschweizer Sektion der Kundenorganisation Pro Bahn Schweiz, nicht auf sich sitzen lassen. Zeitgleich mit dem diesjährigen Fahrplanwechsel hat der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) die gedruckte Ausgabe des beliebten «Regio Fahrplans» eingestellt.

Fahrgäste, die sich beispielsweise im BVB-Kundenzentrum am Basler Barfüsserplatz danach erkundigt hatten, wurden mit dem Hinweis auf die gesunkene Nachfrage entweder auf die elektronischen Fahrpläne im Internet oder auf Smartphone-Apps verwiesen. Auf ausdrücklichen Wunsch hin könne man sich an den Verkaufsstellen auch einzelne Haltestellenfahrpläne kostenlos ausdrucken lassen, erklärt Adrian Brodbeck, der Geschäftsführer des TNW.

Tramfahrerin Silvia Christen zeigt für die Umstellung wenig Verständnis: Längst nicht alle öV-Kunden würden ein Handy oder Tablet besitzen. Ausserdem stimmten die elektronischen Abfahrtszeiten oftmals nicht. Christen bevorzugt darum ebenso die gedruckte Ausgabe wie Pro-Bahn-Mitglied Marcus Stoerckle jun., der findet, dass wenigstens «ein kostenpflichtiger gedruckter Fahrplan besser als gar keiner» wäre. Das in seiner letztjährigen Ausgabe im Umfang von 600 Seiten gedruckte Taschenbuch wurde seit seiner Einführung Ende der 1980er-Jahre gratis an die TNW-Kundschaft abgegeben.

Genau wegen solcher Rückmeldungen protestiert Pro-Bahn-Sektionspräsident Willi Rehmann gegen «diesen Abbau» und fordert den Tarifverbund auf, den gedruckten Regio-Fahrplan wieder einzuführen. Als Beispiel für eine geglückte Rückbesinnung dient ihm der erfolgreiche Widerstand gegen die Einstellung des traditionellen Schweizer SBB-Kursbuches, der insbesondere von Hans Meiner, dem ehemaligen Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees in Luzern, vorangetrieben wurde. Dank seiner monatelangen Lobbyarbeit ist das soeben erschienene Kursbuch 2018 für 19 Franken an zahlreichen Bahnhofschaltern erhältlich.

Nur noch 10'000 Stück abgesetzt

Geht es nach TNW-Geschäftsführer Adrian Brodbeck, ist jedoch eine Rücknahme des Einstellungsentscheids beim Regio-Fahrplan ausgeschlossen. So habe die Nachfrage nach gedruckten Fahrplan-Produkten in den letzten Jahren markant abgenommen: «Bis Ende Oktober wurden im TNW gerade noch 10'000 Stück des Regio-Fahrplans 2017 abgesetzt, 50 Prozent weniger als noch 2015.» Im Gegensatz dazu wurden 2016 bei den BVB mehr als 50 Millionen Fahrplan-Abfragen online und tagesaktuell getätigt. Ein kurzfristig beschlossener Nach-Druck käme wegen der aufwendigen Datenaufbereitung durch die am TNW beteiligten öV-Unternehmen ohnehin nicht infrage. Das mit dem Verzicht verbundene Einsparpotenzial dürfte laut Brodbeck «zusammen mit den Druckkosten in einem tiefen sechsstelligen Frankenbereich liegen».

Ganz auf einen gedruckten Fahrplan in Taschenformat muss aber zumindest die Kundschaft der Liestaler Autobus AG nicht verzichten. «Die Fahrplanbüchlein der Autobus AG liegen nach wie vor in allen unseren Bussen und auf den Verwaltungen der von uns bedienten Gemeinden auf», bestätigt Geschäftsführer Roman Stingelin.