Drei Tage hat die Kurdin Elif gehungert, um auf das «Unrechtsregime» des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan aufmerksam zu machen. Doch Mitleid will die PKK-Anhängerin selbst am dritten Tag nicht. «Den Kurden, die in der Türkei inhaftiert sind, geht es viel schlechter als uns.» 16 Oppositionelle, überwiegend Kurden, versammelten sich am Mittwoch auf dem Claraplatz versammelt, um für ein Nein zur Verfassungsreform zu demonstrieren, über die am Sonntag in der Türkei abgestimmt wird.

Ein Ja hätte zur Folge, dass die Macht Erdogans stark ausgebaut wird. Für die Kurden, die sich bereits jetzt unterdrückt fühlen, ein Horrorszenario. Vielleicht verlieh dieser Gedanke den Demonstranten die Kraft, über drei Tage auf ihr Essen zu verzichten. «Nur eine ältere Frau musste am zweiten Tag ihren Hungerstreik abbrechen», sagt Elif. «Ansonsten hielten alle durch.»

Mittels Lautsprecher machen die Kurden, die in T-Shirts mit dem Öcalan-Konterfei demonstrieren, auf die Zustände in der Türkei aufmerksam. «Kurden werden willkürlich ins Gefängnis gesteckt und misshandelt», hallt es über den Claraplatz. Ihnen würden viele Sympathien entgegengebracht, sagt Elif. «Wir haben interessante Gespräche geführt. Einige wollten uns sogar Geld spenden.» Am Freitagabend um 19 Uhr ist der Hungerstreik schliesslich zu Ende. Elifs Fazit? «Auch wenn wir die Abstimmung nicht entscheidend beeinflussen können: Unsere Aufgabe ist es, auf die Unterdrückung der Kurden in der Türkei aufmerksam zu machen.»