Sicherheit
Protest ums Asylheim an der Hegenheimerstrasse verstummt

Seit Anfang Monat ziehen Asylsuchende ins umstrittene Asylhaus an der Hegenheimerstrasse. Die Anwohner im Kannenfeld-Quartier bemerken nicht viel von ihren neuen Nachbarn. Die Eröffnung war einiges ruhiger als befürchtet.

Andreas Maurer
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Blick vom achten Stock des Felix-Platter-Spitals aufs ehemalige Personalhaus: Anfang Monat sind Asylsuchende eingezogen.Andreas Maurer

Blick vom achten Stock des Felix-Platter-Spitals aufs ehemalige Personalhaus: Anfang Monat sind Asylsuchende eingezogen.Andreas Maurer

Ein gross gewachsener Afrikaner steigt mit einer zusammengerollten Matratze unter dem Arm aus einem Auto. Er zieht ins neue Asylheim an der Hegenheimerstrasse ein. Auf dem Weg zum Eingang wechselt er gerne ein paar freundliche Worte und bittet sein Gegenüber, Deutsch zu sprechen, damit er die Sprache lernt. Doch Zeit für ein längeres Gespräch habe er nicht, er müsse dringend auf die Botschaft, sagt er und verschwindet.

Eine ältere Frau mit Kopftuch späht aus einem Fenster. Weitere Bewohner lassen sich nicht blicken. Die meisten verbringen viel Zeit in ihren Zimmern. Seit Anfang Monat ziehen Asylsuchende ein. Derzeit sind knapp die Hälfte der 50 Plätze der Unterkunft belegt – es werden laufend mehr.

Der Zivildienstler langweilt sich

Bisher ist es zu keinem einzigen Zwischenfall gekommen. Der Zivildienstler an der Eingangspforte langweilt sich ein wenig: «Es ist nicht viel los.» Er freue sich auf den Nachmittag: Dann gibt er einem Kongolesen einen Deutsch-Kurs. Die einzigen bisherigen Probleme verursacht die Technik: Da die Brandmelder zu nah bei den Kochherden installiert wurden, häufen sich Fehlalarme. Und auch die Internetverbindung funktioniert noch nicht reibungslos.

Doch die befürchteten Sicherheitsprobleme bleiben aus. Dabei wurde vor dem neuen Flüchtlingsheim gegenüber des Felix-Platter-Spitals mit finstersten Szenarien gewarnt. Selbst CVP und FDP stimmten beim Regierungsentscheid vor einem Jahr ins Protestgeheul der SVP ein. Die Befürchtungen von Roger Stalder, SVP-Schulrat und Mitglied des protestierenden Anwohnerkomitees, wurden allerdings nicht bestätigt: «Bis jetzt ist es sehr ruhig. Im Quartier sieht man die neuen Bewohner nur vereinzelt.» Bleibe die Situation so wie jetzt, könne er gut damit leben, sagt er.

SVP-Anwohner ist zufrieden

«Es ist aber auch wegen unseres Drucks so ruhig. Man hat auf uns gehört und legt mehr Wert auf die Sicherheit», freut sich Stalder. Damit meint er, dass die Basler Sozialhilfe die Unterkunft mindestens während der ersten drei Monate nachts von Sicherheitsleuten bewachen lässt, obwohl sie dies eigentlich für überflüssig hält.

«Wir von der SVP sind ja immer fürs Kostensparen, deshalb kann man auf die Bewachung verzichten, wenn man mit der Zeit merkt, dass es sie tatsächlich nicht braucht», meint Stalder. Trotz des positiven Starts hält er an seiner Kritik grundsätzlich fest: «Die Quartiere sollten nicht die Verantwortung für die missglückte Asylpolitik des Bundes übernehmen.»

Der Spitaldirektor war skeptisch

Die Erfahrung in Basel zeigt, dass die Asylunterkünfte den Quartieren kaum Probleme bescheren, obwohl der Proteststurm jeweils vorprogrammiert ist. Ebenso typisch ist jedoch, dass dieser in der Regel rasch wieder verstummt. Skeptisch war auch Guido Speck, Direktor des Felix-Platter-Spitals. Die direkte Nähe zu seinem Spital sei nicht ideal, sagte er vor einem Jahr. Und heute: «Die neuen Nachbarn sind im wahrsten Sinne des Wortes geräuschlos eingezogen. Hie und da sieht man beim Vorbeigehen einen Kopf am Fenster.»

Die Sozialarbeiter der neuen Asylunterkunft haben den Auftrag, der Skepsis im Quartier mit Offenheit zu begegnen. Selbst ohne Anmeldung geben sie dem Journalisten eine kurze Hausführung. Die Gänge sind leer bis auf die Schuhe, die säuberlich sortiert vor den Türen stehen. Diese sind wie in einem normalen Wohnhaus mit Namensschildern angeschrieben.

Keine «Abenteuermigranten»

Vor dem Einzug seien viele Asylsuchende sehr skeptisch, sagt ein Betreuer. Eine Gemeinsamkeit zu ihren Kritikern: Die Skepsis verfliege jeweils rasch. Die Ruhe und das viele Grün des Quartiers würden die meisten Bewohner von ihrem neuen Heim überzeugen. An der Hegenheimerstrasse werden keine «Abenteuermigranten» untergebracht, sondern «Vulnerable»: verletzliche Menschen wie zum Beispiel Traumatisierte.

Die Auseinandersetzung im Quartier bringt ein älteres Ehepaar auf den Punkt, das sich freut, auf ihrem Balkon an der Ensisheimerstrasse schräg gegenüber der Asylunterkunft zu ihren neuen Nachbarn befragt zu werden. «Wir sind alle dagegen, aber auf uns hört ja keiner», schimpft der Mann. Seine Frau winkt ab: «Ach komm, Willi. Wir haben sie bis jetzt ja noch gar nicht wahrgenommen. Es ist überhaupt kein Problem.»