Basel
Protestaktion gegen die «Blocherisierung» der Basler Zeitung

Rund 80 Personen aus links-gewerkschaftlichen Kreisen haben am Donnerstagmittag vor der Redaktion der Basler Zeitung am Aeschenplatz gegen die angebliche «Blocherisierung» der Zeitung protestiert. Der kurze Anlass verlief friedlich.

Hans-Martin Jermann
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Demonstration vor der «Basler Zeitung»

Demonstration vor der «Basler Zeitung»

AZ

Die von den Basler Jungsozialisten, der Gewerkschaft Unia sowie der Mediengewerkschaft Comedia durchgeführte Aktion mit Transparenten und Ansprachen via Megafon verlief friedlich. Vorsorglich war der Eingang zur Redaktion und zur «Starbucks»-Filiale, die im selben Haus integriert ist, vorübergehend geschlossen. Zudem markierten Polizisten Präsenz. Einige Mitglieder der Redaktion sowie zahlreiche Medien verfolgten die Demo.

«Das ist nicht unsere Zeitung»

Man kämpfe für ein demokratiepolitisches, nicht für ein parteipolitisches Anliegen, sagte Juso-Präsidentin Sarah Wyss. «Die Basler Zeitung soll eine neutrale Zeitung sein – kein zweites SVP-Blatt und auch kein linkes Organ», sagte sie gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung. Wenn Medien nicht mehr unabhängig von Partikularinteressen funktionieren, sei die Demokratie gefährdet, nahm eine Sprecherin von Comedia den Ball auf. Die Eigentümer Tito Tettamanti und Martin Wagner forderte sie auf, den Berater-Auftrag an Christoph Blochers Robinvest AG zurückzuziehen.

Die Angst vor einer Blocherisierung der Medienlandschaft gehe um, konstatierte Rita Schiavi. Kämpferisch fügte die Regionalsekretärin der Gewerkschaft Unia an: «Wir Basler werden uns dagegen wehren.» Und: «Bestellt die BaZ ab. Das ist nicht mehr unsere Zeitung.»

Mehrere Sprecher bekundeten ihre Solidarität mit der Redaktion, die mit grossem Mehr ebenfalls die Absetzung von Blocher als Berater fordert. Juso-Präsidentin Wyss traut den Beteuerungen von Verleger Martin Wagner zur Rolle des SVP-Strategen nicht: «Ich glaube nicht, dass Blocher keinerlei publizistischen Einfluss auf die BaZ nimmt», sagte sie gegenüber der Basellandschaftlichen Zeitung.

20 neue Unterschriften pro Minute

Während auf der Strasse bloss eine Minderheit gegen die BaZ protestiert, nimmt der Widerstand im Internet Züge einer Volksbewegung an: Bis Donnerstagmittag haben mehr als 14000 Personen die Protest-Deklaration «Basel braucht eine SVP-unabhängige Tageszeitung» unterzeichnet. Die entsprechende Webseite www.rettet-basel.ch verzeichnet unglaubliche 20 Neueinträge – pro Minute! Längst Kult sind am Rheinknie die von «Slow up»-Organisator Wendel Hilti gestalteten Ansteckknöpfe «Blocher Zeitung – nein danke!». Ein Teil des Verkaufserlöses soll unabhängigen Medien der Region zugute kommen.