Gerichtverhandlung

Prozess um angeblichen Kunstbetrug platzt: Der 72-jährige Angeklagte erschien nicht

Der angeklagte Kunstfälscher erschien nicht zur Gerichtsverhandlung. (Symbolbild)

Der angeklagte Kunstfälscher erschien nicht zur Gerichtsverhandlung. (Symbolbild)

Ein heute 72-jähriger Basler hat Drucke, Kunstkataloge und Lithographien gefälscht. Aber nicht irgendwelche – er fälschte die grossen Namen, wie Chagall, Picasso oder Dali. Zur Gerichtsverhandlung erschien er aber nicht.

Es ist ein Ritual, welches vor Strafgericht regelmässig gepflegt wird: Der Angeklagte erscheint nicht, und die Gerichtspräsidentin fragt den Verteidiger, ob er in letzter Zeit Kontakt mit seinem Klienten hatte und die Adresse noch stimmt. So geschah es auch am Montagmorgen im Basler Strafgericht, und Verteidiger Marco Albrecht konnte auch nicht so recht erklären, wo sein Mandant steckt.

Picassos für 95 Franken, Warhols für 75 Franken

Dem Gericht blieb nichts anderes übrig, als die Verhandlung zu vertagen: Die Strafprozessordnung verlangt in solchen Fällen zwingend, dass erneut zu einer Verhandlung vorgeladen wird. Erst wenn ein Angeklagter auch beim zweiten Mal nicht erscheint, darf in seiner Abwesenheit verhandelt werden.

Enttäuscht waren vor allem die Privatkläger: Geschädigte Kunden des heute 72-jährigen Angeklagten, die von ihm einen signierten Print von Andy Warhol für 75 Franken oder eine handsignierte Picasso-Lithographie für 95 Franken ersteigert haben. Einen «echten» Dali gab es schon für 35 Franken. Auch Chagall, Matisse und Miro tauchen immer wieder auf und sorgten für gute Preise.

Laut Staatsanwaltschaft waren die Bilder aber meistens aus Kunstbänden herausgetrennt und wurden vom Angeklagten selber signiert. Ob das für eine Verurteilung wegen Betruges reicht? Die Verteidigung dürfte argumentieren, dass kein Käufer für solche Beträge ernsthaft Picasso-Originale erwarten kann. Sie hat sicherheitshalber auch den deutlich milderen Tatbestand der gewerbsmässigen Warenfälschung angeklagt. Insgesamt sind rund 300 Käufer betroffen, es wurden Drucke im Gesamtwert von rund 400'000 Franken verkauft.

Nach der Anklageerhebung haben sich auch noch die Erben von Marc Chagall gemeldet, sie sehen die Urheber- und Persönlichkeitsrechte des Künstlers verletzt und fordern vom Angeklagten eine Genugtuung von
10'000 Franken.

Eloquent in den richtigen Kreisen bewegt

Die Geschichte des 72-Jährigen dreht sich auch um das eloquente Bewegen in den richtigen Kreisen, so übernahm er günstig den Mantel von Aktiengesellschaften, um sich als Berater und Repräsentant von Kunstmarkt-Transaktionen zu inszenieren. Soweit ersichtlich, wurde inzwischen über sämtliche Firmen Konkurs eröffnet. Kunst mag ewig sein, doch Geld ist vermutlich keines mehr vorhanden. Die zweite Hauptverhandlung dürfte voraussichtlich kommenden Februar stattfinden.

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