Strafgericht

Prozess um die Ausschreitungen von 2016: Polizei rechtfertigt Vorgehen

16 brave Männer vor Gericht: Hooligans, Mitläufer oder nur Fans? (Symbolbild)

16 brave Männer vor Gericht: Hooligans, Mitläufer oder nur Fans? (Symbolbild)

Im Strafprozess um die Ausschreitungen vom April 2016 im Joggeli nahmen am Dienstag die 16 Verteidiger die Polizei in die Zange: Über fünf Stunden lang befragten die Anwälte sowohl Polizisten wie auch Polizeileitung zu Befehlsstrukturen, Polizeitaktik und dem genauen Ablauf an jenem Tag. Die Plädoyers werden zwar erst Ende Woche gehalten, doch schon jetzt ist klar, dass die Verteidiger davon ausgehen, dass die Polizei damals die Fans mit einem unnötigen Einsatz des Ordnungsdienstes in Kampfmontur provozierte.

Damals waren drei Fahrzeuge mit je zehn Polizisten des Ordnungsdienstes nach Spielende angefordert worden, weil eine Vermischung von Basler und Zürcher Fans mit den entsprechenden Auseinandersetzungen oben beim SBB-Perron drohte. Die einzelnen Fahrzeuge fassen jeweils maximal zehn Personen. Welcher der drei Transporter wann und wo die Mannschaft ausgeladen hatte, blieb auch am Dienstag unklar. Offenbar lief aber zumindest eine Gruppe von Polizisten direkt über die Eventplattform zu den Gleisen hoch, weil es für sie der kürzeste Weg war. Für die Fans eine gewaltige Provokation, für die Einsatzleiter der Polizei allerdings nichts Aussergewöhnliches.

Die Befragung eines Fahrers sowie einer Polizistin war gestern nach 90 Minuten abgeschlossen. Doch danach nahm Major Peter Kötter auf dem Zeugenstuhl Platz, seit fünf Jahren Leiter der Abteilung Spezialformationen, zuvor leitete er fast zehn Jahre lang die Basler Sicherheitspolizei. Er untersteht damit direkt dem Polizeikommandanten und war an jenem Fussballspiel vor vier Jahren der Gesamteinsatzleiter.

Gesamteinsatzleiter mit Fragen gelöchert

Zwar wurde rasch klar, dass er während des Einsatzes hauptsächlich im Spiegelhof sass und den Gesamtüberblick behalten musste, doch das hinderte die Verteidiger nicht daran, ihn während über zwei Stunden mit Fragen zu löchern. Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger bremste die Anwälte mehrmals und mahnte, man solle sich auf relevante Fragen zum Fall beschränken. Kötter betonte, er sei darüber erstaunt gewesen, dass seine Polizisten von den Fans auf der Eventplattform plötzlich attackiert worden sind. «Wir haben damit gerechnet, dass die Zürcher Fans beim Einsteigen in den Extrazug Probleme machen und vielleicht auf die Plattform runter wollen. Aber dass der Ordnungsdienst beim Hochgehen derart angegriffen wird, hat mich völlig überrascht. Wenn ich gewusst hätte, was unsere Leute dort erwartete, hätte ich sie nicht hochgeschickt», so Kötter.

Eine im Ordnungsdienst eingesetzte Polizistin hatte zuvor gesagt, sie sei davon überrascht worden, wie viele Fans bereits bei offenem Tor aus dem Stadion strömten. Kötter relativierte dies: Die Tore seien auch während des Spiels nie vollständig geschlossen, Tore könne man übersteigen, eine grosse Menge könne die Tore auch aufdrücken. «Der Einsatz war sehr dynamisch. Wenn ich vom Spiegelhof aus gesehen hätte, wer wann was macht, wer wann verletzt wird, dann müsste ich über hellseherische Fähigkeiten verfügen», so der Major.

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