Es war eine simple Schlägerei aus Eifersucht: In der Cleopatra-Bar in der Brantgasse traktierte im vergangenen April eine 21-jährige Prostituierte das Gesicht der 23-jährigen Bardame mit ihren Fäusten, stiess deren Kopf gegen die Kante des Tresens und lockte sie danach freundlich zur Toilette, angeblich um ihr beim Abwaschen des Blutes zu helfen, um sie dort dann nach erneuten Schlägen einzuschliessen und mit ihrem Geld und Mobiltelefon abzuhauen. Die 23-jährige Barfrau trug Gesichtsverletzungen davon und musste ambulant im Spital behandelt werden, die 21-jährige Schlägerin sitzt seither in Untersuchungshaft.

Die Schläge waren unbestritten, zumal die Überwachungskamera des Lokals die Rauferei detailliert gefilmt hatte. Die Prostituierte beharrte aber vor Gericht darauf, dass die 23-Jährige mit ihrem Mann ein Verhältnis gehabt habe und nicht ehrlich gewesen sei, als sie die Bardame deswegen zur Rede stellen wollte. Diese hingegen bestritt, den Mann überhaupt zu kennen.

Mutter zweier Töchter

Die Angeklagte hat zwei Töchter im Alter von einem und drei Jahren – die jüngere Tochter wird von der Mutter in Ungarn aufgezogen, die Ältere lebt in einem Heim. Sie erhalte vom ungarischen Staat lediglich eine Unterstützung für das kleine Kind von 12'000 Forint (rund 50 Franken) im Monat. In der Schweiz lebe sie bei ihrem «Freund», er schicke ihr jeweils Geld, wenn er welches habe, damit sie hierher kommen könne. «Ich habe in Ungarn ohne Schulabschluss keine Möglichkeit zu arbeiten. Die Prostitution ist meine einzige Möglichkeit um Geld zu verdienen», betonte sie. Auch aus ihrem regelmässigen Drogenkonsum machte sie kein Geheimnis. «Ich nehme Kokain, weil ich mit so vielen verschiedenen Männern schlafe», erklärte sie, nur so könne sie diesen Beruf ausüben.

Die Verteidigerin hatte ein psychiatrisches Gutachten verlangt, was das Gericht allerdings ablehnte. Der Gefängnisarzt hat ihr das Beruhigungsmittel Benzodiazepin verschrieben. Die Frau wurde bereits im Jahr 2012 wegen Menschenhandel und Förderung der Prostitution zu einer bedingten Strafe von zehn Monaten verurteilt.

Genugtuung für die Barfrau

Am Mittwoch sprach Einzelrichterin Susanne Nese wegen der Körperverletzung sowie des Diebstahls in der Bar eine Strafe von neun Monaten unbedingt aus. Der Barfrau muss sie eine Genugtuung von 1000 Franken wegen der Schläge bezahlen.

Dazu kam noch eine Busse von 400 Franken wegen Drogenkonsum, und weil sie in der Hammerstrasse auf Freiersuche ging – das ist ausserhalb der erlaubten Rotlichtzone. Deswegen hatte sie in der Vergangenheit schon mehrmals Bussen erhalten. Laut Polizeiprotokoll hatte sie einem Freier erklärt, sie verlangte für 20 Minuten zwischen 70 und 100 Franken.

Enttäuscht liess sich die Frau erklären, dass sie zwar die Busse, nicht aber die Genugtuungssumme und die hohen Verfahrenskosten absitzen kann. Das Urteil kann sie noch weiterziehen. Susanne Nese betonte, das Gericht habe ein gewisses Verständnis für ihre prekäre Lage, dennoch müsse sie sich an die Regeln halten. «Sie zeigen sich unbeeindruckt von allen bisherigen Verfahren und scheinen geradezu penetrant unbelehrbar zu sein», so Nese.