Wie so oft stand Aussage gegen Aussage, und die Geschichte war bereits über drei Jahre alt: Im Oktober 2011 erlitt ein Gast in der Disco Nordstern an der Voltastrasse bei einer Schlägerei eine Fraktur der Kieferhöhlenwand, eine Jochbeinfraktur sowie eine Prellung des Augapfels. Auch drei Zähne waren angeschlagen, dies zog eine Wurzelbehandlung nach sich.

Ein heute 27-jähriger Mann musste sich deswegen am Donnerstag vor dem Basler Strafgericht verantworten: Er arbeitete damals als Security-Mitarbeiter im Nordstern. An den Abend konnte er sich nicht mehr im Detail erinnern, bestritt aber die Vorwürfe klar. «Warum soll ich ihn einfach so schlagen?», meinte er kopfschüttelnd zu der Anklage.

Ein Kumpel des Opfers sagte allerdings, gegen vier Uhr morgens seien sie zum Gehen aufgefordert worden, und als das angetrunkene Opfer sich daraufhin seelenruhig eine Zigarette angezündet habe, sei der Türsteher sauer geworden. Beim Hinausbegleiten habe er ihm dann eine Faust verpasst, woraufhin das Opfer mit dem Kopf auf dem Boden aufgeschlagen und kurz bewusstlos geblieben sei.

Reflex oder Körperverletzung

Der Verteidiger betonte, sein Mandant habe möglicherweise reflexartig zugeschlagen, als der Betrunkene von hinten her gegen ihn gestolpert sei. Das Dreiergericht wollte davon aber nichts wissen: Es verurteilte den 27-jährigen wegen Körperverletzung. «Es mag sein, dass sie von ihm genervt waren. Aber sie haben sich völlig unprofessionell verhalten und sich auch nicht um das Opfer gekümmert», sagte Gerichtspräsidentin Liselotte Henz. Seinem Opfer muss er eine Genugtuung von 500 Franken bezahlen. Dazu kam noch eine weitere Verurteilung wegen einer Körperverletzung sowie Nötigung: Einem Bekannten hatte er per SMS gedroht, er komme mit «e paar fründlichi ombres» vorbei, wenn er den Kontakt zu seiner damaligen Freundin nicht abbreche.

Der Bekannte erschien schliesslich verängstigt zu einer «Aussprache», dort ist er vom körperlich klar überlegenen 27-Jährigen auch geschlagen worden. Diesen Vorfall hatte der Angeklagte zugegeben. Das Gericht verurteilte den Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von insgesamt 14 Monaten. «Sie sind eine relativ leicht reizbare Person, die sich in kritischen Situationen nicht im Griff hat. Aus nichtigem Anlass wird sinnlos Gewalt angewendet», sagte Henz dazu. Der Angeklagte ist arbeitslos und wohnt bei seinen Eltern. Strafrechtlich ist er bislang wegen Strassenverkehrsdelikten aufgefallen, im Sommer 2012 kassierte er deshalb in Basel eine unbedingte Geldstrafe von 2400 Franken. Als 16-jähriger kam er allerdings bereits wegen Gewaltdelikten mit dem Jugendstrafrecht in Konflikt. Da er türkischer Staatsbürger ist, wackelt nun auch seine C-Bewilligung. Das Urteil kann er noch weiter ziehen.