Strafgericht Basel
Prügelei am Bahnhof SBB hat Nachspiel vor Gericht

Ein Streit auf den Sitzbänkli am Centralbahnplatz vor zweieinhalb Jahren artete zu einer wüsten Prügelei aus. Der Hauptangeklagte, der bereits eine gewalttätige Vorgeschichte besitzt, tauchte bei der Verhandlung am Mittwoch jedoch nicht auf.

Patrick Rudin
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Ort des Geschehens: Vor dem Bahnhofsgebäude gerieten sich die Randständigen in die Haare

Ort des Geschehens: Vor dem Bahnhofsgebäude gerieten sich die Randständigen in die Haare

Keystone

An einem lauen Abend im August 2013 war es vor dem Basler Bahnhof SBB nicht nur laut, sondern die Stimmung kippte irgendwann ins Gewalttätige: Einer aus der dort «ansässigen» Gruppe erhielt mehrere Schläge ins Gesicht und stürzte schliesslich bewusstlos zu Boden.

Der genaue Grund für die Auseinandersetzung blieb am Mittwoch vor dem Basler Strafgericht vorerst unklar, doch zumindest eine Flasche Amaretto war offenbar Teil des Streites. Im Blut der Beteiligten war der Likör allerdings nur mittelstark beteiligt, die Blutalkoholwerte lagen zwischen 1,3 und 1,6 Promille. Die Sanität versorgte den verletzten Mann, er erlitt diverse Gesichts- und Zahnverletzungen.

Drohungen und Gewalt

Der Hauptangreifer soll ein heute 23-jähriger Mann gewesen sein, der ebenfalls zum Milieu gehört. Vor Gericht erschien der Angeklagte heute nicht, dennoch hörten sich die drei Richter am Morgen die Zeugenaussagen von Polizisten an: Kurz nach der Schlägerei konnten sie den Mann am anderen Ende des Centralbahnplatzes stellen und wollten ihn wegen seines renitenten Verhaltens gleich auf die Polizeiwache verfrachten. Damit handelten sie sich Todesdrohungen sowie wüste Beschimpfungen ein, während der Fahrt verpassten sie dem Mann eine Spuckschutzhaube. Auf der Wache kam bei der Durchsuchung immerhin ein Messer zum Vorschein. In der Zelle eingesperrt schlug er schliesslich pausenlos gegen die Türe, woraufhin er mit Hand- und Fussfesseln fixiert wurde.

Daraufhin erlitt er einen Anfall und wurde ins Universitätsspital verfrachtet -- laut dem Polizeiprotokoll gingen die Drohungen dort indes nahtlos weiter.

Opfer verzichtet auf Genugtuung

Das Opfer vom Bahnhofsplatz wurde am Mittwoch vor Gericht gefragt, ob es gegen den 23-jährigen Zivilforderungen geltend mache. «Naja, wir sind hier ja nicht in Amerika. Es geht mir im Prinzip nur um die Gerechtigkeit», meinte er etwas unsicher. Gerichtspräsident René Ernst fragte ihn daraufhin, ob er denn konkret Schadenersatz oder Genugtuung fordere. «Naja, ich habe noch einige Steuerschulden», meinte der Mann daraufhin. Ernst verwies ihn daraufhin an die Opferhilfe.

Weil der Angeklagte nicht zur Verhandlung erschienen ist, muss nochmals ein neuer Termin mit Vorladung angesetzt werden. Die Strafprozessordnung verlangt dies zwingend. Erscheint der Mann auch beim zweiten Mal nicht, kann er in Abwesenheit verurteilt werden.

Nebst der Körperverletzung im August 2013 am Bahnhof ist der Mann auch wegen Gewalt gegen Beamte angeklagt, im April 2014 soll er bei einer Polizeikontrolle ähnlich ausgerastet sein. Doch es geht auch um häusliche Gewalt, im Januar 2015 soll er seine damalige Lebenspartnerin nach einem Streit angegriffen und verletzt haben.

Der Gewaltausbruch bescherte ihm einen Tag in Untersuchungshaft. Der nächste Verhandlungsversuch vor Strafgericht findet voraussichtlich im Mai statt.