Strafgericht Basel-Stadt
Prügler attackiert vor "Nordstern" Betrunkenen – nun muss er hinter Gitter

Ein notorischer Prügler muss zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Dazu kommt eine widerrufene frühere Bewährungsstrafe. Er hatte zuletzt vor der Disco Nordstern in Basel einen Betrunkenen attackiert.

Patrick Rudin
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Er hatte zuletzt vor der Disco Nordstern einen Betrunkenen attackiert. (Symbolbild)

Er hatte zuletzt vor der Disco Nordstern einen Betrunkenen attackiert. (Symbolbild)

Keystone

Eigentlich ist der 28-Jährige ein unauffälliger Mobiltelefonverkäufer, und am Montag vor dem Strafgericht sprach er ruhig, wirkte beinahe scheu und schüttelte höchstens langsam den Kopf, wenn ihm etwas nicht passte. Doch insbesondere eine heftige Prügelei vor einer Disco brachte nun das Fass zum Überlaufen: Er muss nicht nur für mehrere Jahre ins Gefängnis, sondern verliert wohl auch seine Aufenthaltsbewilligung.

Der Mann hatte im Oktober 2012 vor der Disco Nordstern einen Betrunkenen auf den Boden gedrückt und mehrmals mit Fäusten ins Gesicht geschlagen. Laut einem Security-Angestellten habe er hinterher den bewusstlos am Boden liegenden Mann auch noch getreten. Das Institut für Rechtsmedizin diagnostizierte beim Opfer einen Bruch der Augenhöhlenwand, eine Augapfelprellung sowie eine Rissquetschwunde über einem Auge. Der 28-jährige Angeklagte meinte dazu am Montag vor Gericht, der Betrunkene habe ihn geschlagen, er habe sich bloss gewehrt. Das Opfer trat vor Gericht nicht auf: Es blieb unklar, ob der Mann sich nicht mehr für das Verfahren interessierte oder ob er Angst vor einer Konfrontation hatte.

Mehrfacher Täter

Das Dreiergericht wertete die Version des Angeklagten als Schutzbehauptung und fällte einen Schuldspruch wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Dazu kam eine Verurteilung wegen Sachbeschädigung, nachdem er in der Wohnung seiner Ex-Freundin randaliert hatte, sowie wegen versuchter Nötigung und unrechtmässiger Aneignung, weil er der Schwester seiner Ex-Freundin einen Wohnungsschlüssel abgenommen hatte.

Dieser letzte Punkt führte lediglich aus rechtlichen Gründen nicht zu einer Verurteilung wegen Raubes. Einen Schuldspruch gab es auch noch wegen Gewalt gegen Beamte, nachdem er bei einer Kontrolle im Sommer 2014 in Bern ausgeflippt war. Der 28-Jährige konnte sich an die Ereignisse nicht mehr genau erinnern, die Geschichte mit dem Schlüssel sei gar frei erfunden. Vollumfänglich zugegeben hatte er lediglich, dass er gelegentlich Marihuana konsumiert. Er habe aber weder ein Drogen- noch ein Gewaltproblem, sagte er am Montag.

Geboren ist der Mann in Tansania, er besitzt die Staatsbürgerschaft von Burundi, seit seinem siebten Lebensjahr lebt er in der Schweiz, spricht Dialekt und arbeitete als Verkäufer. Doch seine Vorstrafenlisten ist beeindruckend: Raub, Betrug, Hehlerei, Sachbeschädigung, Gewalt gegen Beamte, falsche Anschuldigung sowie diverse Strassenverkehrsdelikte.

Im April 2013 erhielt er vom Basler Strafgericht eine unbedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die ihn offenbar nicht beeindruckte. Am Montag setzte das Gericht die Strafe auf zwei Jahre und drei Monate fest, ausserdem widerrief es eine frühere, bedingt ausgesprochene Strafe von 14 Monaten: Insgesamt muss der Mann nun drei Jahre und fünf Monate absitzen. Die Gefahr ist gross, dass er damit auch seine C-Bewilligung verspielt hat, nach zwei Dritteln der Strafverbüssung vorzeitig entlassen und sogleich nach Burundi abgeschoben wird.

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