Am Europäischen Tag des Denkmals bot sich am Samstag die seltene Gelegenheit, die Prunkstücke zu besichtigen, die sich in den Innenräumen des Ritterhofs an der Rittergasse 20 verbergen. Im Gebäude, das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde, befinden sich mehrere prunkvolle, noch im Originalzustande erhaltene Kachelöfen. Der schönste von ihnen steht im ersten Stock in einem Raum, der ehemals als Visitenstube genutzt wurde. Der edel proportionierte, weisse Walzenofen mit Urnenaufsatz ist mit Ornamenten und Vergoldungen dekoriert. Zugeordnet wird das wunderschöne klassizistische Objekt dem Basler Hafnermeister Alexander Mende und den Jahren um 1780.

Schönes Esszimmer

Zwei Räume daneben befindet sich ein weiteres schönes Exemplar. «Dieser unbemalte weisse Turmofen stammt vom bekannten Berner Hafner Hans Rudolf Frisching», erklärte der Kunsthistoriker Erwin Baumgartner, der die Führung leitete. Der Berner Hafner hat in Basel weitere Kachelöfen geschaffen - so zum Beispiel für das Wildtsche Haus am Petersplatz sowie für das Blaue und Weisse Haus am Rheinsprung. «Die Öfen wurden damals nicht im Raum selber, sondern von den Gängen aus befeuert», erläuterte Baumgartner.

Sehr beeindruckt waren die Besucherinnen und Besucher auch vom früheren Esszimmer des Ritterhofs. Die Tapeten sind aus Leinwand und immer noch in ihrem ursprünglichen Zustand aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Das sei sehr selten.

in Basel, erklärte Baumgartner. Angefertigt im Stil von Louis XVI. sind auf den bemalten Tapeten Darstellungen als Sinnbilder für Musik, Jagd und Handel zu bewundern. Die Bitte von Baumgartner, die Tapeten nicht zu berühren, zeigt, wie wertvoll sie sind.

Lange Geschichte

Die Besucher erfuhren auch einiges über die Geschichte des Ritterhofs selbst. Er steht an der Rittergasse, dem ältesten archäologisch nachweisbaren Basler Strassenzug, der im 1. Jahrhundert vor Christus mit Augusta Raurica verbunden war und durch die keltische Befestigungsmauer, den Murus Gallicus (beim Rittergasse-Schulhaus), auf den Münsterhügel führte. Erstmals erwähnt wurde die heute als Ritterhof bekannte Liegenschaft im Jahr 1333.

Das grosse Erdbeben von 1356 hatte den Gebäudekomplex stark beschädigt. 1405 erwarb der Domprobst Peter Liebinger die wieder aufgebauten Gebäude und vermietete sie. Mit den Einnahmen stiftete er einen der Heimsuchung Mariä und dem Heiligen Christophorus geweihten Altar im Münster. Die Kapläne, die den Altar betreuten, wohnten fortan im Gebäude, bis es 1532 in bürgerlichen Besitz überging. Für den bis heute erhaltenen Bau ist die Phase ab 1743 entscheidend, als der Zimmermann und spätere Ratsherr Remigius Frey-Nübling die Liegenschaft kaufte und von Grund auf neu erbaute. Noch vor der Fertigstellung hatte Frey den nunmehr «Ritterhof» genannten Neubau an den Seidenbankfabrikanten Franz De Bary-Weiss erkauft. Dieser richtete hier seinen Firmensitz ein.

Firmensitz mit 28 Arbeitsplätzen

Ein anderer Bändelherr baute den nördlichen Hofflügel 1834 in ein Fabrikationsgebäude um. Wenig später übernahm Carl Burckhardt-Vischer den Ritterhof und liess ihn erneut umbauen. Auf diese Veränderungen geht das heutige Erscheinungsbild der Strassenfassade zurück. 1942 hatte die Schweizerische Reederei die Liegenschaft gekauft, bevor sich in den Achtzigerjahren die Firma Eurofima hier niederliess. Bis heute betreibt das Unternehmen im denkmalgeschützten Gebäude seinen Firmensitz mit 28 Arbeitsplätzen.