Carjacking
Psychiatriepatient fährt Amok und tötet eine Velofahrerin

Ein Psychiatriepatient hat am Dienstag in Basel ein Blutbad angerichtet. Er floh aus der geschlossenen Klinik, stahl ein Auto und überfuhr auf der Mittleren Brücke insgesamt sieben Menschen. Eine Velofahrerin kam ums Leben.

Andreas Maurer und Leif Simonsen
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Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
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Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.
Blumen wurden zum Gedenken an die Opfer der Amokfahrt.
Die Mittlere Brücke war die ganze Nacht gesperrt.
Auf der Mittleren Brücke und Schifflände ereignete sich ein schwerer Unfall. Hier an der Schifflände.
Der Schock sitzt tief nach der Amokfahrt auf der Mittleren Brücke.

Auf der Mittleren Brücke zeugen die polizeilichen Markierungen noch von der schockierenden Tat.

Moritz Kaufmann

Alles war angerichtet für einen schönen Abend in der Basler Innenstadt. 15 Grad zeigte das Thermometer, die ersten FCB-Fans pilgerten in Richtung Barfüsserplatz, um das Spiel der Spiele auf Grossleinwand zu sehen. Doch wer um halb sieben die Mittlere Brücke kreuzte, war plötzlich in Todesgefahr.

Das Auto als Waffe

«Mit einem Affenzahn», wie ein Polizist gegenüber der bz schilderte, «ist der Mann von der Schifflände um die Ecke gebogen und hat offenbar auf alles gezielt». Die Waffe war in diesem Fall ein Auto, das ein Insasse der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) gemäss ersten Erkenntnissen gewaltsam in Besitz genommen hatte. Der Basler Polizeisprecher Klaus Mannhart rekonstruierte die Amokfahrt gegenüber der bz: Um 18.33 habe der Mann - nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um einen 27-jährigen Mazedonier - die Heckklappe eines VW-Passats aufgerissen.

Dieses ihm fremde Auto wartete in einer Kolonne beim Voltaplatz. Der als psychisch verwirrt geltende Mann prügelte laut Mannhart auf den Fahrer ein, überwältigte ihn und zerrte ihn aus dem Auto.

Der Angreifer setzte sich ans Steuer und raste über den Petersgraben zur Mittleren Brücke. Im Petersgraben fuhr der Amokfahrer einen Skater und einen Velofahrer an. Auf der Mittleren Brücke fuhr er vier weitere Velofahrer an. Offenbar machte der Mann gezielt Jagd auf die schwächsten Verkehrsteilnehmer. Beim Zusammenstoss auf der Mittleren Brücke starb eine Frau. Mindestens zwei der Überlebten sind schwer verletzt.

Bei der getöteten Person handelt es sich um eine 46-jährige Frau, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt am späten Dienstagabend mitteilte. Ein 39-jähriger Mann sowie eine 43-jährige Frau wurden schwer verletzt. Weiter wurden drei Männer im Alter von 16, 44 und 49 Jahren sowie zwei Frauen im Alter von 24 und 29 Jahren verletzt.

«Beim Möbel Pfister wurde der Mann von einem Passanten überwältigt und von der Polizei geschnappt», berichtet Mannhart. Derzeit werden die näheren Umstände des tragischen Vorfalls auf Hochtouren näher untersucht.

Einmalige Tat für die Schweiz

Die Federführung hat die Basler Staatsanwaltschaft. Genaueres über den Täter konnte die Polizei am Abend nicht melden. Ob der Mann aus der geschlossenen Abteilung der UPK geflohen sei, konnte Mannhart nicht sagen. Fest steht aber: «Ein Zusammenhang zum Fussballspiel besteht nicht.»
Während Mannhart von der erschütternden Tat berichtet, zittert seine Stimme. «So etwas habe ich in meinen 13 Jahren noch nie erlebt», sagt der Polizeisprecher. Er spricht von Carjacking. Dieser Begriff steht für die Entführung eines Autos, bei der der Autofahrer gewaltsam überwältigt wird. «Das hat es in der Schweiz meines Wissens noch nie gegeben», sagt Mannhart. Carjacking ist vor allem in Südafrika verbreitet.

Um die mit gelben Plastikbändern gesperrte Mittlere Brücke stehen sprachlose Passanten. Wie aus einer fernen Welt dringen die Matchgeräusche vom Barfi. Die Tat lässt alles unwirklich erscheinen.