Basel-Stadt
Psychisch kranker Breite-Mörder vor Gericht: Er gibt seine Taten zu

Ab heute steht in Basel der 23-jährige Mann vor Gericht, der letzten November in der Breite zwei Frauen getötet hat. Ein eigentliches Strafurteil ist nicht vorgesehen, die Staatsanwaltschaft beantragt die Einweisung in eine geschlossene Klinik.

Patrick Rudin
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Die Staatsanwaltschaft fordert für den Breite-Mörder einen Aufenthalt in einer geschlossenen Klinik. (Archiv)

Die Staatsanwaltschaft fordert für den Breite-Mörder einen Aufenthalt in einer geschlossenen Klinik. (Archiv)

Keystone

Für die Hinterbliebenen der Opfer wird es am Montag im Gerichtssaal wohl wenig Antworten geben: Zwei Frauen wurden brutal umgebracht, und der Grund dafür sind wahrscheinlich Wahnvorstellungen, vielleicht auch Drogen, vermutlich beides zusammen. Laut der Staatsanwaltschaft ist der 23-jährige Mann in Bezug auf die Taten geständig.

So gibt er zu, am Nasenweg eine 46-jährige Frau mit 18 Messerstichen in Oberkörper, Hals und Kopf umgebracht zu haben. Die einzige Verbindung zwischen Täter und Opfer war ein Waschküchenstreit mit dem Vater des 23-Jährigen. Eine Nachbarin sah Teile des Blutbades durch den Türspion und alarmierte die Polizei.

Danach versteckte sich der Mann in einem Haus an der Wildensteinerstrasse, wechselte die Kleider und schnitt sich die Haare. Im Treppenhaus hatten ein Baby und dessen Mutter dann unglaubliches Glück: Der 23-jährige murmelte unverständliches Zeug, liess die beiden aber ansonsten in Ruhe. Ein 88-jähriger Mieter in dem Haus wurde dann vom Täter schwer verletzt. Eine 76-jährige Nachbarin eilte ihrem Nachbarn zu Hilfe, wurde auch angegriffen und starb später an den Messerstichen.

Der 23-jährige Mann rannte schliesslich in die Wohnung seiner Mutter an der Farnsburgerstrasse und versteckte sich unter seinem Bett, bis ihn die Polizei verhaftete. Im Gefängnis griff er drei Tage später einen Arzt an. Der Täter wurde daraufhin zwischen Psychiatrie und Waaghof hin- und herverlegt.

Die Strafprozessordnung sieht für psychisch schwer kranke Täter ein spezielles Verfahren vor, das auch beim heutigen Prozess zur Anwendung kommt: Mangels Schuldfähigkeit gibt es keinen Schuldspruch. Stattdessen ordnet das Gericht nach der Sichtung der Beweise und der Befragung des Angeklagten eine sogenannte stationäre Massnahme an. Diese Unterbringung in einer geschlossenen Klinik ist zwar auf fünf Jahre beschränkt, sie kann aber per Gerichtsbeschluss immer wieder verlängert werden. Auch deshalb kritisieren viele Verteidiger diese Massnahme als «kleine Verwahrung».

Dem 23-Jährigen blüht damit genau das, wogegen er sich jahrelang gewehrt hatte: Eine psychiatrische Behandlung mit Medikamenten in einer Klinik. Laut den Ermittlern willigte der damals 17-Jährige im Januar 2010 erst nach langem Hin und Her in eine sogenannte Frühpsychose-Abklärung in den Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) ein. Wegen seines Marihuana-Konsums ist er schon Jahre vorher aus der Schule geflogen. «Hebephrene Schizophrenie» lautete schliesslich die Diagnose. Der Betroffene und seine Familie zweifelten daran und wollten sich gegen die «Psychiatrisierung» wehren.

Nur sein Hanf hatte er im Griff

Auch aus einem Jobtraining schied er schliesslich aus, sass zuhause und kümmerte sich um seine Marihuana-Pflanzen auf dem Balkon. In den letzten Monaten vor der Tat gab es Versuche mit Beruhigungsmitteln wie Diazepam oder Zolpidem, zuvor nahm er auch Ritalin. Sein Bruder sagte den Ermittlern allerdings, der 23-Jährige habe von einem Dealer auch härtere Drogen wie etwa Crack angeboten bekommen.

Man meldete ihn bei der Invalidenversicherung an, und mit nachträglich ausbezahlten Ergänzungsleistungen kaufte er sich im Sommer 2014 stärkeres Marihuana bei Dealern – seine Mutter nahm ihm den Stoff allerdings wieder weg. Es blieb ihm noch das selbstgezüchtete Gras mit relativ tiefem THC-Gehalt, ansonsten zog er sich gesellschaftlich völlig zurück.

Drei Tage vor der Bluttat brachte ihn die Polizei nach Hause, weil er sich an der Birs mit drei Jugendlichen angelegt hatte. Die Mutter wollte ihn daraufhin einweisen lassen. Dagegen wehrte er sich, der Notfallpsychiater musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Seit Mai 2015 befindet er sich nun vorzeitig in der Massnahme. Das Gericht wird den Entscheid über die weitere Behandlung am Dienstag fällen.