Sachbeschädigungen

Psychisch kranker Judenhasser muss in geschlossene Klinik

Der psychisch kranke Mann beleidigte jüdische Mitglieder vor der Synagoge in Basel. (Archivbild)

Der psychisch kranke Mann beleidigte jüdische Mitglieder vor der Synagoge in Basel. (Archivbild)

Ein schizophrener Mann hat jüdische Einrichtungen in Basel beschädigt. Zudem hat er mehrere Gemeindemitglieder bedroht.

«Sie sind nicht rechtsradikal. Das Ganze ist Teil Ihrer Krankheit.» Zu diesem Schluss kam gestern Gerichtspräsident Dominik Kiener in der Begründung des Urteils. Sechs Monate Freiheitsstrafe erhielt ein 38-jähriger Deutscher, welcher vor einem Jahr mit Sachbeschädigungen und Drohungen für Angst in der jüdischen Gemeinde gesorgt hat. Die Strafe wird aufgeschoben und eine stationäre Massnahme angeordnet. Der Mann muss in die Psychiatrie. Aufgrund seiner massiv eingeschränkten Schuldfähigkeit hatte das Gericht das Strafmass bereits um drei Viertel gesenkt. Angesichts der Vorfälle wäre eine Strafe von fast zwei Jahren angemessen gewesen.

Ein Gutachter hatte bei dem Mann eine ausgeprägte schizophrene Störung mit lang anhaltenden Wahnvorstellungen diagnostiziert. Dazu kam ein ausgewachsenes Drogenproblem. In der Folge hörte der Mann Stimmen in seinem Kopf und steigerte sich immer mehr in antisemitische Weltverschwörungstheorien hinein. Nachdem ihn die Polizei ein erstes Mal verhaftet hatte, schlug er in einem psychotischen Schub seine Wohnung in Kleinhüningen kurz und klein. Den Ermittlern gegenüber gab er an, dass der Mossad, der israelische Geheimdienst, in seine Wohnung eingedrungen war.

Scheiben eingeworfen und den Hitlergruss gezeigt

Für öffentliches Aufsehen sorgten vergangenen Spätherbst eine Reihe von Attacken auf die jüdische Genossenschaftsmetzgerei in der Friedrichstrasse. So waren Scheiben eingeworfen und die hebräischen Buchstaben heruntergerissen worden. Die Sachbeschädigungen fielen in eine Zeit, in der die Sicherheitsfrage der Juden in Basel ein grosses Politikum war. Die Israelitische Gemeinde hatte erst kurz zuvor ihr Dispositiv rund um die Synagoge an der Eulerstrasse massiv verstärkt.

Auch bei der Synagoge war der Mann, der selber einen jüdischen Vater hat, aktiv. So urinierte er gegen eine Seitentüre und warf eine Glasflasche auf das Gotteshaus. Auch stellte er im Viertel mehreren jüdischen Gemeindemitgliedern nach, ging diese tätlich an, beleidigte sie mit antisemitischen Schimpfwörtern und zeigte den Hitlergruss. Im krassesten Fall bedrohte er auf offener Strasse einen Mann mit einem Bierhumpen.

Massnahme trotz eher geringen Delikten

Für das Gericht sei insbesondere die Frage schwierig zu beurteilen gewesen, ob der Mann aufgrund der Vorfälle in eine Klinik eingewiesen werden könne, zumal Tätlichkeiten, Beleidigungen und Sachbeschädigungen eher zu den weniger gravierenden Delikten zählen. «Es gab aber schwerwiegende Drohungen und Hinweise, dass die Situation eskaliert», sagte Gerichtspräsident Kiener. Dazu kommt, dass eine jahrelange ambulante Therapie offensichtlich erfolglos geblieben ist. «Es ist noch nicht zur Katastrophe gekommen, aber es ist nah dran. Wer sagt uns, dass Sie nicht mal mit einem Messer in die Synagoge gegangen wären?» Und dann hätte man zu Recht fragen können, ob die Justiz zu spät reagiert hat.

Meistgesehen

Artboard 1