Gesundheit
Pubertierende Pfundskerle: Fast ein Viertel der Basler Schüler ist übergewichtig

In der 9. Klasse sind rund 25 Prozent der Basler Kinder übergewichtig – die meisten davon sind Ausländer.

Leif Simonsen
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Zu viele Pfunde: Besonders die Sekundarschüler sind betroffen.

Zu viele Pfunde: Besonders die Sekundarschüler sind betroffen.

Getty Images/iStockphoto

Die Zahl der dicken Basler Kinder nimmt ab. Dieses erfreuliche Fazit zieht der Basler Regierungsrat im jüngsten Bericht zu den Gesundheitskosten in Basel-Stadt. Vor zehn Jahren sei noch jedes fünfte Kind adipös gewesen, heute ist es nur noch etwa jedes sechste.

Erfolge sind vor allem auf Primarschulniveau und im Kindergarten zu verzeichnen. Im Chindsgi ist die Quote der Übergewichtigen in den vergangenen zehn Jahren von rund 15 auf 10 Prozent gesunken.

Das Problem der Übergewichtigkeit findet sich in der Oberstufe, wo rund 25 Prozent aller Kinder zu viele Pfunde mit sich herumschleppen. Am stärksten betroffen sind die Ausländer. Seit zehn Jahren liegt die Zahl der adipösen ausländischen 9.-Klässler bei rund 40 Prozent.

Markus Ledergeber, Leiter des Basler Gesundheitsdienstes, erklärt den Zusammenhang: Übergewicht hänge in erster Linie mit der sozialen Herkunft und nicht mit der Nationalität zusammen. So seien Kinder von Eltern ohne Lehrabschluss rund dreimal häufiger übergewichtig als Kinder von Eltern mit höherem Schulabschluss. Die Unterschiede nach sozialer Herkunft seien sowohl bei ausländischen als auch bei schweizerischen Kindern zu finden.

Dass die Schere erst bei der Oberstufe aufgeht, hat auch mit den veränderten pädagogischen Ansprüchen auf dieser Schulstufe zu tun. Die Schulen legen auf der Unterstufe vermehrt ein Augenmerk auf die Znüni-Verpflegung. Statt Schoggi gibt es auf der Primarstufe und im Kindergarten hauptsächlich Früchte.

Auf der Oberstufe sehen sich die Lehrer aber nicht mehr in der Rolle der Erzieher. Gaby Hintermann, Präsidentin der kantonalen Schulkonferenz und Klassenlehrerin an der Sek Theobald Baerwart, sagt: «Wir Lehrer sind nicht für alles zuständig – auch nicht dafür, wie viel Sport die Kinder treiben und wie sie sich ernähren.» Süssigkeiten seien an ihrer Sek erlaubt. Die Hausordnung sehe an ihrer Schule nur vor, dass keine Energy Drinks konsumiert werden. Das liege aber nicht nur daran, dass die Kinder dadurch dick würden, sondern auch daran, «dass diese Drinks laut Herstellerangaben für Kinder nicht empfohlen sind und wir im Unterricht keine hypernervösen Schüler wollen.»

Dicke Kinder leiden häufig

Übergewicht ist ein Problem mit weitreichenden volkswirtschaftlichen Folgen. Im Bericht der Basler Regierung zu den Gesundheitskosten wird auf eine Studie verwiesen, welche die schweizweiten Kosten adipositasbedingter Krankheiten auf rund acht Milliarden Franken jährlich schätzt. Ledergerber betont, dass dicke Kinder nicht nur gesundheitlichen Risiken wie Bluthochdruck oder orthopädischen Problemen ausgesetzt seien, sondern oft auch unter vermindertem Selbstwertgefühl litten.

Dieses Phänomen beobachtet auch Hintermann, wenngleich der Umgang damit sehr individuell sei. Äusserliche Auffälligkeiten könnten das Selbstwertgefühl strapazieren, Übergewicht biete eine Angriffsfläche. «Ich beobachte, dass sich viele Jugendliche sehr viele Gedanken über ihr Äusseres machen und oft auch unzufrieden sind», sagt sie. Übergewicht sei oft ein Auslöser, aber auch Normalgewichtige hätten diese Probleme.

Ledergerber sagt, das Thema Übergewicht stünde seit längerem auf der Agenda. Insbesondere auf Primarschul- und Kindergartenniveau seien Erfolge zu verzeichnen. Auf der Oberstufe sei eine «klare Tendenz» nicht ersichtlich. Das Basler Erziehungsdepartement (ED) setzt unter anderem auf Sensibilisierung. «Nimmt ein Kind zum Beispiel jeden Tag Unmengen von Schläggzüüg mit in den Kindergarten, dann werden die Eltern auf das Thema angesprochen», sagt ED-Sprecher Simon Thiriet. Es gebe aber keine festgeschriebenen Regeln. «Die Lehrer lassen den gesunden Menschenverstand walten», sagt er.