Nota Bene

Puff im Proberaum – Aber wenigstens haben sie verhütet

Der Proberaum bildet für viele Musiker ein Rückzugsort. (Symbolbild)

Der Proberaum bildet für viele Musiker ein Rückzugsort. (Symbolbild)

Kürzlich hat mich ein Kollege gefragt: «Wann verkaufst du eigentlich deine Instrumente?» Als wäre das nicht genug, vermerkte ein weiterer Bekannter ungefragt: «Das mit der Band kannst du jetzt vergessen.» Ja, ich werde bald zum zweiten Mal Vater. Aber deswegen gleich alles aufgeben? Sicher nicht. Im Gegenteil. Gerade wenn zuhause wieder das Geschrei losgeht und mich die schlaflosen Nächte quälen, brauche ich einen Rückzugsort. In meinem Fall ist das der Proberaum. Dort zählt nur die Musik – und nichts anderes.

Mit 16 stand ich das erste Mal auf der Bühne. Am Strampolin 1998 im Sommercasino. Die Enttäuschung war gross, als wir den Wettbewerb verloren. Im jugendlichen Grössenwahn sahen wir uns nämlich als Gewinner. Nach diesem ersten Abschiffer spielten wir aber an jedem Gymifest der Region und an jeder Hundsverlochete unsere Finger wund. Irgendwann war Schluss. Ich machte mit anderen Leuten weiter. Bis heute. Vor drei Jahren stellten mein Bandpartner und ich nach viel Schweiss und Stutz endlich ein Album online. Das Resultat: ein paar Konzerte, eine kleine Promotour und unser Song «Across The Water», der es sogar ins Radio schaffte. Zugegeben, das Lied wird heute vor allem nachts gespielt. Manchmal auch am Nachmittag. Aber dafür ist es immer noch im Programm.

Wir machen weiter. Jetzt erst recht. Nach dem Abgang unserer Bandraumnachbarn haben wir neu eingerichtet. Fertig Chaos: Eine richtig gemütliche Stube ist es geworden. Weil der Raum für uns allein doch zu gross ist, sind neue Untermieter eingezogen. Warum ich das erzähle? Es gibt da so eine Geschichte, die ich loswerden muss: Kürzlich komme ich in den Proberaum und mir fällt auf, dass das Sofa etwas zerwühlt ist. Ich streiche den Stoff glatt und zwischen den Kissen entdecke ich eine aufgerissene Kondompackung. Wäh! Jetzt haben wir wohl wieder ein Puff im Proberaum. Aber wenigstens haben sie verhütet.

Natürlich will es keiner gewesen sein, als ich im Gruppenchat nach dem Schuldigen suche. «Ich bin seriös», schreibt der eine. Der andere: «Was?! Nicht gut!» Wie dem auch sei. Ich mache kein Drama draus und denke: Da hat jemand wohl auch nach einem Rückzugsort gesucht. Einfach aus einem anderen Grund wie ich.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1