Stephan Fricker, CEO der Merian Iselin Klinik, zeigt in seinem Interview in der Schweiz am Wochenende vom 5. 5. 2018 gar keine «Bisshemmung» gegenüber den Regierungen von Basel-Stadt und Baselland. Nein, er droht sogar den verantwortlichen Regierungsräten mit Abwahl, falls der Widerstand der Privatspitäler gegen das Universitätsspital Nordwest erfolgreich ist. Seine Aussagen aber drücken nur etwas aus: Den Wettbewerb der Privatspitäler um die lukrativen Patientinnen und insbesondere den Kampf der Merian Iselin Klinik um die gewinnbringenden orthopädischen Patienten. Dafür nimmt er einen «Scherbenhaufen» in Kauf, der, wie er selber sagt, die Steuerzahler in Stadt und Land und und die Prämienzahlerinnen teuer zu stehen kommen wird.

Die gemeinsame Gesundheitsregion und das Universitätsspital Nordwest sind zurzeit das fortschrittlichste Grossprojekt im Gesundheitsbereich der Region Basel und vielleicht der ganzen Schweiz. Stephan Fricker und die Privatspitäler gefährden diesen grossen Wurf aus purem Eigeninteresse. Nur ein Zusammengehen des Universitätsspitals und des Kantonsspitals Baselland garantiert längerfristig eine qualitativ hochstehende universitäre medizinische Versorgung und eine Dämpfung der Gesundheitskosten. Der Wettbewerb unter den Spitälern hat bisher nur zu einem Ausbau des Angebots und zu mehr Kosten geführt. Es ist deshalb sehr zu begrüssen, dass durch das ehrgeizige Projekt der Regierungen in Stadt und Land Betten abgebaut werden und medizinische Behandlungen optimiert werden und ambulant durchgeführt werden, wo es möglich und sinnvoll ist.

Die Aufgabe der Privatspitäler ist unbestritten. Sie ist wichtig und wird von der öffentlichen Hand seit Jahren subventioniert. Sie können aber die wichtige Rolle des universitären medizinischen Zentrums nicht ersetzen.

Die Gegenvorschläge von Stephan Fricker zum Universitätsspital Nordwest (das Claraspital übernimmt die universitäre Bauchchirurgie, das Bethesda die universitäre Frauenheilkunde und die Merian-Iselin Klinik und die Hirslanden die universitäre Orthopädie ) sind zwar plakativ und tönen gut, sie sind aber nicht umsetzbar. Unter anderem, weil die Merian Iselin Klinik keine Orthopädie auf universitärem Niveau mit der dazugehörenden Aus- und Weiterbildung bieten kann. Wir glauben auch nicht, dass die Privatspitäler bereit wären, die hochkomplexen, teuren und nicht gewinnbringenden Patientinnen und Patienten des Universitätsspitals zu übernehmen.

Die geplante Tagesklinik auf dem Bruderholz trägt dem Trend zur ambulanten Medizin Rechnung. Ausgewählte planbare, ambulante Eingriffe im Bereich Orthopädie, Augenmedizin, plastische Chirurgie usw. sollen zukünftig auf dem Bruderholz erfolgen. Akut stationäre Betten werden dagegen auf dem Bruderholz abgebaut. Der Platz und die Anfahrt- und Parkiermöglichkeiten auf dem Bruderholz sind sonst nirgends so vorhanden, und der Anschluss an den öV soll verbessert werden. Das geplante hochschulmedizinische Kompetenzzentrum für Operationen am ganzen Bewegungsapparat und die stationäre Rehabilitation nach orthopädischen Eingriffen ermöglichen eine wohnortsnahe Nachbetreuung durch die operierenden Ärzte gemeinsam mit Rehabilitationsmedizinern.

Stephan Fricker schlägt Kooperationen statt einer Fusion vor. Als Unternehmer weiss er, dass die unnötige Konkurrenz zwischen dem Kantonsspital Baselland und dem Universitätsspital Basel damit nicht grundlegend behoben würde. Nur ein vollständiger Zusammenschluss kann die Synergien bringen, die vorgesehen sind. Und nur das schont die öffentlichen Finanzen wirksam.

Die Einsparungen von über 70 Millionen Franken pro Jahr reichen Stephan Fricker nicht aus. Doch das Gebaren der Privatspitäler hat bisher nur zu Mehrkosten im Gesundheitswesen geführt. Vorschläge für Einsparungen hat Stephan Fricker nicht parat. Die Privatspitäler wollen aus purem Eigeninteresse die universitäre Medizin schwächen und nehmen damit Nachteile für die Patientinnen und Patienten und für die Bevölkerung der Region in Kauf: Höhere Kosten, schlechtere universitäre Gesundheitsversorgung, die Verlagerung von hochspezialisierten Behandlungen und Eingriffen nach Zürich oder Bern, eine Schwächung der medizinischen Fakultät und der klinischen Forschung. Um das zu verhindern, setzt sich ein Komitee von über 100 praktizierenden Ärztinnen und Ärzten und Spitalärztinnen und Spitalärzten der Region für das Gelingen des Zusammenschlusses des Universitätsspitals Basel mit dem Kantonsspital Baselland zum Universitätsspital Nordwest ein.