Bereits im September 2013 ordnete das Basler Strafgericht eine stationäre Massnahme wegen Brandstiftung an, und gestern Donnerstag kam dasselbe Gericht zum gleichen Schluss: Damals gab es zwei Jahre, nun drei Jahre, doch die Freiheitsstrafe wird zugunsten einer Therapie in einer geschlossenen Klinik aufgeschoben. Der Fall des 23-jährigen Brandstifters zeigt deutlich, wie gross die Probleme in der Schweiz beim Massnahmenvollzug sind.

Im September 2011 wurde der Mann vom Jugendgericht in Zürich wegen einer Brandstiftung verurteilt und in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen. Die Tat geschah vor seinem 18. Lebensjahr. Das Jugendgericht befand damals, der Mann sei massiv therapiebedürftig. Doch laut seinem Verteidiger verstrich die Zeit ungenutzt, wobei er einräumte, dass sein Mandant wohl sicher ein schwieriger Fall gewesen sei.

Aus Sicherheitsgründen isoliert

Später landete der Mann in den Basler Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK), auch hier kam man nicht weiter: Lange wurde der Mann gar aus Sicherheitsgründen von den anderen Patienten in der Forensischen Abteilung isoliert. Eine Brandstiftung in seinem Zimmer setzte auch diesem Aufenthalt ein Ende, als Erwachsener wurde er dann im September 2013 vom Basler Strafgericht zum ersten Mal verurteilt und in eine stationäre Massnahme geschickt.

Doch im Sommer 2014 sass der Mann noch immer ohne Therapie in einer Zelle im Waaghof, denn sämtliche Massnahmezentren hatten entweder keine Plätze frei oder wollten den Mann nicht aufnehmen. Darüber völlig frustriert kaufte der Mann bei seinen Gefangenenbetreuern Feuerzeug und Zigaretten. Gegen vier Uhr morgens schichtete er schliesslich Zeitschriften und Kleider auf seiner Matratze und zündete das Ganze an.

«Ich muss es tun»

Wegen der Rauchentwicklung musste man die gesamte Etage evakuieren, die Feuerwehr rückte schliesslich mit Atemschutzgeräten an, um den Brand zu löschen. «Es tut mir leid, ich muss es tun», hatte er zuvor auf ein Papier geschrieben und an die Zellentüre geklebt.

«Damals im Waaghof war ich ziemlich verzweifelt. Das schlägt dann in Selbsthass um. Ich wusste nicht, ob und wie es weitergeht», meinte der 23-Jährige dazu gestern Donnerstag vor Gericht. «Ich habe das einfach gemacht. Es war mir zu diesem Zeitpunkt egal, ob ich daran gestorben wäre.» Dass er als Nichtraucher und verurteilter Brandstifter einfach so an ein Feuerzeug gekommen ist, sorgte nicht nur beim Verteidiger für Kritik. «Da ist im Gefängnis etwas gewaltig schiefgegangen», kommentierte Gerichtspräsident Marc Oser.

Inzwischen hat der Mann einen Massnahmenplatz im Kanton Bern erhalten, ein aktueller Bericht spricht von einer «durchzogenen Bilanz». Der Mann selber sagte dazu indes, die Therapie sei «intensiv, aber gut». Die Dauer der Massnahme ist auf fünf Jahre beschränkt, sie kann allerdings beliebig oft verlängert werden. Der Staatsanwalt attestierte dem Mann, im Gegensatz zu früher sei er heute durchaus motiviert, an sich zu arbeiten. Der Verteidiger war mit der Massnahme einverstanden, hatte aber ein tieferes Strafmass gefordert. Er kann das Urteil noch weiterziehen.