Strafzettel

QR-Codes bei Parkbussen sorgen für Stirnrunzeln

Die neusten Smartphones können QR-Codes mit der normalen Fotofunktion scannen. Wer das jedoch nicht weiss; oder wer ein älteres Modell besitzt, muss eine spezielle App herunterladen.

Seit mehr als einem Jahr verteilt die Basler Polizei Bussenzettel zum Selberscannen. Ob sie auch genutzt werden, wird nicht gesagt.

Die Strafzettel der Basler Polizei kommen seit November 2017 mit QR-Code statt Informationen zum tatsächlichen Vergehen daher. Wer wissen will, für was er gebüsst wird und wie teuer es wird, muss das Smartphone zücken, eine QR-Code-Scann-App installieren und erfährt dann all jene Details, die bis zur Umstellung auf dem Bussenzettel enthalten waren.

Ort und Zeit der Kontrolle, Art des Vergehens, Kosten. Als Alternative wird eine Online-Adresse angegeben, unter dieser ein 13-stelliger Code eingegeben werden muss, um an dieselben Informationen zu kommen. Dass irgendwann ein Einzahlungsschein kommt, wenn nicht reagiert wird, oder dass die Busse auch direkt auf dem Claraposten mit Bargeld oder Karte bezahlt werden kann, steht nicht auf dem Bussen-Zettel.

Der Unmut in der Bevölkerung über das neue System scheint gross. Der bz sind mehrere Personen bekannt, die beim Bezahlen der Busse überfordert waren. Und selbst in Online-Kommentaren zum Basler Bussensystem, wo sich eigentlich Menschen mit einer gewissen Affinität zu Computer und Smartphones tummeln, wird kein gutes Haar an den QR-Codes gelassen.

«Alles was mit QR Code unterm Scheibenwischer hängt, wird sofort entsorgt. Ich hab kein Mobiltelefon und werd mir auch wegen einem Bussenzettel keines erwerben», schreibt stellvertretend ein «Regionaljournal»-Hörer unter einen entsprechenden Onlinebeitrag.

Auf alle Fragen, die darauf abzielen, ob die neuen Bussenzettel auch tatsächlich benutzt werden, weicht die Polizei aus. Und zwar seit über einem Jahr. Als nämlich SVP-Grossrat Alexander Gröflin im Januar 2018 per Interpellation wissen wollte, wie viele Bussen seit der Einführung des neuen Zettels nicht bezahlt worden sind, antwortete das Justiz- und Sicherheitsdepartement nicht. Begründung: Das System sei noch zu neu, um bereits Aussagen machen zu können.

Als die Schweiz am Wochenende diese Woche, also ein Jahr später, dieselben Fragen nochmals via Medianabteilung stellte, lautete die Antwort verblüffenderweise, dass auch jetzt noch keine statistisch signifikante Aussage möglich sei, weil die QR-Bussenzettel «noch kein ganzes Jahr flächendeckend eingesetzt» würden.

Vorsicht vor QR-Code-Apps

Die neusten Smartphones können QR-Codes mit der normalen Fotofunktion scannen. Wer das jedoch nicht weiss; oder wer ein älteres Modell besitzt, muss eine spezielle App herunterladen. Und da beginnt der Spiessrutenlauf. Alleine für Android-Geräte existieren mehrere hundert QR-Code-Apps. Die meisten von ihnen sind kostenlos und platzieren entsprechend viel Werbung, um Einnahmen zu erzielen. Die EU-Sicherheitsagentur «BEE Secure» warnt sogar explizit davor, nicht die erstebeste Applikation im App- oder Play-Store herunterzuladen, sondern sich vorher schlau zu machen und Bewertungen einzuholen.

Eine Möglichkeit, sich bei digitalen Problemen Hilfe zu holen, bietet die GGG. In der Gundeli-Bibliothek werden täglich zwischen 14 und 17.30 Uhr kostenlose Kurzberatungen bei Problemen mit digitalen Geräten angeboten. Koordinatorin Gabi Mächler sagt, dass die Leute von den QR-Bussen nicht mehr überfordert seien, als sie es in «unseren ‹modern times›» sowieso seien.

«Heute ist man ja allerortens damit konfrontiert, dass gewisse Sachen nur noch digital funktionieren. Darum sind auch alle gefordert, eine Strategie zu haben, wie sie vorgehen, wenn sie irgendwo in der digitalen Welt anstehen.» Ältere hätten vielleicht Verwandte, die sie fragen können, Jüngere seien sich gewohnt, zu googeln. «Oder man geht an einen Ort wie Planet13 oder zum GGG Digi Coach, um sich weiterhelfen zu lassen.»

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