Marcel Rünzi ist enttäuscht. Massiv enttäuscht. Am 26. April eröffnete Scientology im Iselin-Quartier ihre neue «Ideal Org», ihr neues Zentrum. Damals versprachen die Scientologen in diversen Medien, dass trotz des neuen Hauptsitzes im Quartier nicht missioniert, sondern nur gearbeitet werde.

Wie der «Blick» am Dienstag schrieb, wird aber genau das gemacht. Es gäbe sogar Video-Aufnahmen, die zeigen würden, wie die Scientologen an der Burgfelderstrasse versuchen, Mitglieder anzuwerben, schreibt die Zeitung. «Wir sind massiv enttäuscht, dass sich die Scientologen nicht an ihr Versprechen halten», sagt Rünzi, Präsident des Neutralen Quartiervereins Kannenfeld. «Sie haben ausdrücklich und mehrfach versprochen, dass sie nicht im Quartier missionieren werden. Von unserer Seite ist Bedauern und Entsetzen da.»

Scientologen missionieren in Basel

Und nicht nur der «Blick» berichtet von den Aktionen rund um den neuen Hauptsitz. Auch auf der Facebook-Seite «Gewaltfreie Aktion gegen eine Scientology-Zentrale in Basel», die nach Bekanntwerden der Eröffnung des neuen Zentrums gegründet wurde, wird vor der Vorgehensweise der Scientologen gewarnt, die angeblich gar Kinder auf der Strasse ansprechen würden, um sie anzuwerben. Diese Vorwürfe streitet Annette Löffler, Sprecherin der Scientology Kirche Basel, jedoch ab: «Uns ist nicht bekannt, dass unsere Mitglieder in ihrer Funktion als Vertreter der Kirche Kinder ansprechen. Auch bei einer Überprüfung konnten wir nicht feststellen, dass dies geschieht.»

Polizei prüft Meldungen

Weder der Quartierverein, noch die Polizei sind bisher gegen die angeblichen Anwerbungen vorgegangen. Während Rünzi sagt, sie würden die Situation weiter beobachten, ist Polizei schon einen Schritt weiter. Nachdem sich seit der Eröffnung des Zentrum bereits fünf Personen gemeldet hätten, die sich durch Scientologen gestört fühlten, seien Abklärungen im Gange. «Die Kantonspolizei Basel-Stadt klärt nun ab, ob es sich bei diesen Vorkommnissen um Verstösse gegen Paragraf 23a des kantonalen Übertretungsstrafgesetzes handelt», sagt Martin Schütz, Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. Dieser Paragraf betrifft das Anwerben auf der Allmend.

Das momentane Vorgehen sei jedoch rechtskonform, soweit keine Passantinnen und Passanten bedrängt würden: «Personen auf der Strasse anzusprechen, Flyer zu verteilen oder religiöse Schriften zu verbreiten, ist nicht verboten», so Schütz. Und auch das Missionieren an sich ist gemäss Schütz «Bestandteil der Religionsfreiheit».

Doch genau bei diesem Punkt sieht Rünzi das Problem: «Scientology ist ein Gewerbe. Ein rein kommerzielles Unternehmen, und keine Kirche. Ganz sicher keine Kirche!». Scientology selbst bezeichnet sich jedoch konsequent als Kirche. Mit dem Missionieren auf offener Strasse konfrontiert, antwortet Annette Löffler – auf Wunsch nur schriftlich – auf unsere Anfrage: «Das Anliegen der Scientology Kirche Basel ist, den eigenen Mitgliedern Dienste zu geben und die Öffentlichkeit über Scientology und was Scientologen tun zu informieren.» Hierzu würde schon seit Jahren die Bevölkerung mittels Flugblättern, an Infoständen und auch durch persönliche Ansprache in der Innenstadt angesprochen. Namentlich nennt sie dabei nur den Claraplatz.

Sollte das Missionieren rund um die «Ideal Org» so weiter gehen, will Rünzi «allenfalls Schritte einleiten, weil wir diesen Zustand nicht gut finden.» Es sei bereits eine Veranstaltung geplant, bei der die Leute gewarnt werden sollen. Es sei aber eine reine Informationsvermittlung, die verhindern soll, dass jemand auf Werbeaktionen herein fällt. «Der laute Weg in Form einer Protestaktion», sagt Rünzi, «ist nicht unser Stil.»