Basel-Guide
¡Qué lástima! Basel Tourismus kann auch kein Spanisch

Basel Tourismus sorgte mit ihrer schlecht übersetzten Englisch-Broschüre für den Lacher des Tages. Direktor Daniel Egloff gab dies unumwunden zu. Doch es bleibt nicht bei diesem Lapsus. Auch die spanische Version beinhaltet einige Übersetzungs-Stilblüten.

Yannette Meshesha und Nicolas Drechsler
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Die spanische Version der Tourismus-Broschüre macht aus Munatius Plancus eine Frau namens Basilea.

Die spanische Version der Tourismus-Broschüre macht aus Munatius Plancus eine Frau namens Basilea.

Roland Schmid

Eines muss man Basel Tourismus lassen: Sie beweisen Humor. Seit die bz am Dienstag publik machte, dass die englische Touristen-Broschüre «Your Guide to Basel» voller Germanismen und Übersetzungsfehler ist, übertrumpfen sich Redaktoren und Leser auf diversen Kanälen gegenseitig mit spöttischen Kommentaren à la «That’s a thick dog» oder «That’s not the yellow of the egg». Obwohl Direktor Daniel Egloff über die virale Verbreitung der Angelegenheit nicht gerade erfreut ist, räumte er gegenüber «Telebasel» ein, dass Basel Tourismus «den Lacher des Tages» geliefert habe, auch wenn das Ganze «schlicht und einfach peinlich und ärgerlich» sei.

Too many cooks...

Ausserdem unerfreulich für Basel Tourismus ist, dass auch die englische Version der Website basel.com sprachliche Unstimmigkeiten enthält. Unter anderem, weil die gleichen Texte wie in der Broschüre verwendet wurden. Weitere Stilblüten wie «Basel’s residents see every-thing through red-blue-tinted spectacles» lassen einen schmunzeln. Ein kleiner Hinweis auf diese suboptimale Formulierung gegenüber der Geschäftsleitung hatte gestern bereits eine Korrektur zur Folge. Nun liest man: «Basel’s residents see everything red-blue.» Ein Schritt in die richtige Richtung.

Egloff und sein Team sind indes der Ursache für die Fehler auf die Spur gegangen. Fazit: «Die Broschüre wurde nicht von A bis Z von der gleichen Agentur übersetzt. Die Headlines und fetten Überschriften von einer, der Kleintext von einer anderen und gewisse Texte haben wir von einer alten Broschüre übernommen», erklärt Daniel Egloff. Insgesamt seien also drei Agenturen beteiligt gewesen. Die stilistischen Mängel führt er darauf zurück, dass «gewisse Textblöcke sozusagen eins zu eins, also isoliert übersetzt wurden, ohne auf den Kontext zu achten.»

Hauptsache praktisch

Was Egloff zu bedenken gibt: «Wir haben bis dato noch keine einzige negative Reaktion seitens unserer Gäste erhalten.» Man erhalte im Gegenteil sehr positive Rückmeldungen, «weil die Broschüre attraktiv bebildert erscheint, Lust auf Basel macht, relevante Tipps bereit hält, gute Pläne und Adressen beinhaltet – und das alles in praktischer Einsteck-Grösse». Dank des Formats würde auch das Marketingbudget nicht zu stark belastet. Es seien ja auch keine «Bücher für die Ewigkeit», sondern Booklets, welche praktische Informationen schnell abrufbar machen müssen. «Entsprechend freut uns auch die Rückmeldung des Englischlehrers, dass er keine eigentlichen Fehler, sondern ‹nur› Unstimmigkeiten gefunden hat», sagt Egloff.

Die spanische Broschüre

Wenn der Fährimaa zweimal klingelt

Während die englische Version vor allem holprig und voll der Helvetismen daherkommt, ist die spanische insbesondere inhaltlich fehlerhaft. Doch auch Antonio de Nebrija, der Begründer der spanischen Grammatik, rotiert im Grabe.

Wussten Sie zum Beispiel, dass im Hof des Rathauses eine Statue der «Basilea» steht? Nein? Nun in der deutschen Version ist es auch der legendäre Stadtgründer Munatius Plancus. In der spanischen dann eben die «Basilea», die wohl bärtigste Baslerin aller Zeiten.

Auf den Fähri-Stegen warten wohl auch spanischsprachige Touristen darauf, dass, wie im Flyer angekündigt, der Fährimaa kommt und die Glocke läutet, um sich anzukündigen. Könnten sie Deutsch, wüssten sie, dass sie die Glocke läuten müssen, um den Fährimaa zu rufen. Beim Warten könnten sie zum Zeitvertreib die zahlreichen fehlenden Wörter in der Broschüre ergänzen. Oder jene, die zuviel sind, streichen. (dre)

Sorgfältige Prüfung

Konsequenzen könnte die Geschichte allerdings für die involvierten Agenturen haben. Basel Tourismus will die Zusammenarbeit mit ihnen prüfen, wie Egloff ankündigt. «Wir werden alle vier Sprachversionen prüfen lassen und bei der nächsten Auflage im 2018 komplett überarbeitet präsentieren.» Auch der Web-Auftritt werde einer sorgfältigen Prüfung unterzogen. Ein kurzer Blick der bz-Redaktion in die anderen Sprachversionen zeigt: Die französische Broschüre hält der Prüfung stand, während die spanische Ausgabe dringend überarbeitet werden muss (siehe Box).

Die italienische Broschüre «La vostra Guida per Basilea» ist ebenfalls überarbeitungswürdig. Sie weist kleinere Schnitzer auf, zum Beispiel falsche Satzstellungen wie «una interessante visita» statt «una visita interessante». Und dass auf der ersten Seite der Ausdruck «Erholungs- und Genusserlebnisse» mit dem Anglizismus «relax» übersetzt wird, ist nicht ganz nachvollziehbar, hat doch die italienische Sprache den wohl schönsten Ausdruck dafür – nämlich «dolce far niente» – hervorgebracht. Die beauftragte Agentur scheint nicht allzu fantasievoll mit der Sprache umzugehen. Wo man Daniel Egloff zu guter Letzt aber sicher Recht geben muss: «Das Ziel, Gäste für Basel zu gewinnen und Gäste in Basel zu informieren wird wegen der stilistischen Schnitzer nicht verfehlt.» Well roared, lion.