Mehr Junge, mehr Identifikation und mehr Emotionen.» So lautete das Antritts-Versprechen des neuen sportlichen Leiters Marco Streller. Grund genug, der FCB-Nachwuchsabteilung detailliert auf die Finger zu schauen – zwei Jahre, nachdem die bz den fahrlässigen Umgang der Juniorenabteilung mit dem sogenannten Relative Age Effect aufgezeigt hat.

Dabei zeigt sich: Die Verantwortlichen haben grosse Fortschritte gemacht. Das vom damaligen Nachwuchsverantwortlichen Adrian Knup geforderte «Umdenken auch bei Juniorentrainern und Scouts» hat stattgefunden. Waren vor zwei Jahren noch 12 der 14 F- und G-Junioren im FCB-Kader Januar- oder Februarkinder, gibt es heute Nachwuchsteams wie die aktuelle U14 mit einer beinahe normalen Geburtstags-Verteilung.

Verband hat Quote eingeführt

Nebst dem wachsenden Bewusstsein, dass früh im Jahrgang geborene Kinder ihren Jahrgangsgspänli gegenüber einen unfairen Vorteil haben – weil sie ihnen einzig ihres Alters wegen in ihrer Entwicklung körperlich und geistig überlegen sind – haben auch neue Regelungen des Verbands einen Einfluss. So schreibt seit zwei Jahren für Juniorenteams eine Quote vor, dass mindestens ein Viertel des Kaders im zweiten Halbjahr geboren sein muss.

Und es gibt die Möglichkeit, spät im Jahr geborene Kinder zu retardieren, also eine Stufe zurückzuversetzen. Während Benjamin Müller, Leiter Préformation, von Quoten wenig hält, lobt er letztere Möglichkeit sehr. «Gerade wenn die Jugendlichen in die Pubertät kommen, schiessen die früh Entwickelten regelrecht in die Höhe, und die später Geborenen haben keine Chance mehr gegen die körperlich Weiterentwickelten», sagt er.

Diese «Türme», wie sie Müller auch nennt, sind es allerdings, die dann wieder zum Zuge kommen, wenn es ab der U15 eine Nationalmannschaft gibt und scheinbar nur noch Resultate zählen. So gibt es im 22-köpfigen U15-Nati-Kader aktuell nur drei Spieler, die im zweiten Halbjahr geboren sind. Bei der U16 sieht es ähnlich aus. Und auch bei den Juniorenteams aus der Region mit mehreren, nach Leistung aufgeteilten Mannschaften spielen hauptsächlich Januar- und Februarkinder gegen den FCB.

Die aktuelle U14-Mannschaft des FC Basel: Die Geburtstage der Nachwuchsspieler sind fast gleichmässig über die einzelnen Quartale verteilt – der Relative Age Effect scheint ausgemerzt.

Die aktuelle U14-Mannschaft des FC Basel: Die Geburtstage der Nachwuchsspieler sind fast gleichmässig über die einzelnen Quartale verteilt – der Relative Age Effect scheint ausgemerzt.

«Wir haben das Glück, dass wir nicht unbedingt in jeder Altersstufe immer den Titel gewinnen müssen», sagt Müller. Das sei bereits unter der alten Clubleitung so gewesen und habe sich bisher nicht verändert. «Unser oberstes Ziel ist es, Kinder zu holen, die möglichst lange beim FCB bleiben und eine reelle Chance haben, nach dem Durchlaufen der Juniorenabteilung auch Profi zu werden.»

Dass dies längst nicht bei allen der Fall sein kann, sei klar – aber ein überdurchschnittlich talentierter, jedoch kurzfristig körperlich unterlegener Spieler habe die gleich grossen Chancen dazu. «Schon bei den Jüngsten gilt deshalb bei uns die eiserne Regel: Alle spielen auf allen Positionen und erhalten gleich viel Einsatzzeit», fügt Joachim Eble, Leiter der Fussballschule Bebbi, an. «Bei der Selektion ist unser oberstes Ziel deshalb, möglichst jene Spieler zu uns zu holen, die das grösste Potenzial mit sich bringen.»

Ausgeklügelte Selektion

Die Auswahlverfahren, mit denen 700 bis 800 regionale Nachwuchsspieler pro Jahrgang ein Plätzli im FCB-Campus erhalten, werden deshalb ständig optimiert. Das neuste Projekt heisst «Tschudimatte» und findet jeweils mittwochs auf der gleichnamigen Matte beim St. Johanns-Schulhaus statt. Die Nachwuchstrainer nutzen den Anlass, der allen Kindern ab vier Jahren offen steht, um bisher unentdeckte Talente zu finden und in ein Probetraining einzuladen.

«Wenn uns dort ein Ausnahmetalent auffällt, dann kann er sich bei weiteren Sichtungen zum FCB spielen. Ruft hingegen irgend ein Trainer an und schwärmt von einem angeblichen Superstar, dann muss der durch genau das gleiche Auswahlverfahren – was übrigens auch für die Söhne ehemaliger Fussballprofis gilt», sagt Eble.