Schule
Quote für Deutschsprachige an Basler Schulen wird kaum Chancen haben

Der Vorstoss von Sibylle Benz Hübner (SP), der eine Quote von 30 Prozent deutschsprachiger Kinder in den Basler Schulklassen fordert, wird am Mittwoch im Parlament behandelt. Erfolgschancen hat er kaum, wie eine Umfrage bei den Parteien zeigt. Die SP fühlt sich falsch verstanden.

Pascale Hofmeier
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Die Basler Primarschülerinnen und -schüler werden weiterhin im eigenen Quartier zur Schule gehen.

Die Basler Primarschülerinnen und -schüler werden weiterhin im eigenen Quartier zur Schule gehen.

BZ-Archiv

Mindestens 30 Prozent deutschsprachige Kinder pro Primarschulklasse und nicht mehr als 30 Prozent mit der gleichen Fremdsprache: Der Anzug von Grossrätin Sibylle Benz Hübner (SP) hat Wellen geworfen - und wird es heute im Parlament trotzdem schwer haben. Den Vorstoss, die sprachliche Durchmischung der Primarschulklassen durch eine «Flexibilisierung der Quartiergrenzen» und «mit einer geschickten Zuteilung der Lernenden» zu verbessern, haben zwar Räte und Rätinnen von links bis rechts unterzeichnet. Aber eine Umfrage bei den Parteien zeigt: Ausser der SP steht keine Fraktion dahinter.

Grenzen diskutieren, nicht «Quote»

«Es geht nicht um Sprachquoten», betont SP-Fraktionspräsidentin Tanja Soland auf Anfrage leicht genervt. Und es gehe auch nicht darum, Kinder vom Bruderholz ins Kleinbasel zu chauffieren. Soland betont, der Anzug fokussiere darauf, die Schulkreise und deren Grenzen neu zu diskutieren. Dazu sei ein geeigneter Zeitpunkt, weil mit der Schulharmonisierung die Primarschule um zwei Jahre verlängert wird und neue Standorte hinzukommen. Es sei störend, dass der Anzug auf den einen Satz mit der Sprachquote reduziert werde. Ihre Parteikollegin Franziska Roth - sie wird heute im Rat die Fraktionsposition vortragen - betont: «Das Wort Quote steht nirgends in diesem Anzug.» Sie sei über die «heftigen Interpretationen» erstaunt. Und räumt ein: «Wahrscheinlich kommt der Vorstoss im Rat nicht durch.

Quote wird abgelehnt

Allerdings ist es genau die Quote, an der sich in anderen Fraktionen die Geister scheiden und die auf Ablehnung stösst. Zum Beispiel beim Grünen Bündnis, das sich nicht auf eine Empfehlung geeinigt hat. «Der Knackpunkt ist der letzte Satz mit der Forderung nach einer Quote», sagt Mirjam Ballmer, Co-Präsidentin der Grünen, auf Anfrage. «In der Fraktion sehen wir die Probleme, die entstehen, wenn eine Klasse nicht durchmischt ist», sagt Ballmer. Flexiblere Quartiergrenzen hält sie grundsätzlich für eine prüfenswerte Idee. Aber: «Die Quartierschulen sind ein gutes Modell, das sich bewährt hat», sagt Ballmer. Nur im eigenen Quartier könnten Primarschüler innerhalb ihres sozialen Umfeldes zur Schule gehen und den Schulweg alleine bewältigen.

Auch die FDP lehnt den Anzug ab, obwohl sie das Anliegen nicht grundsätzlich falsch findet. Aber: «Man hat den Eindruck, die Schweizer Kinder müssten eine Integrationsaufgabe übernehmen», sagt Fraktionschef Andreas Zappalà. Es sei zu befürchten, dass bei einer Umverteilung Familien aus der Stadt wegzögen oder ihre Kinder in Privatschulen schickten.

Quartiergedanke geht verloren

«Absolut» gegen den Vorstoss ist die CVP/EVP-Fraktion - wegen der Quote: «Das ist kontraproduktiv», sagt Fraktionspräsident Remo Gallacchi (CVP). Die Idee gehe aus seiner Sicht in Richtung Zwangsumsiedlung. «Der Quartiergedanke geht verloren und das soziale Zusammenleben wird gestört.» Den Einwand, man wolle die Zuteilungen prüfen, lässt er nicht gelten: «Der Vorstoss zielt auf Quoten ab, die Schulzuteilung ist schon heute kein Wunschkonzert.» Sprachliche Frühförderung vor dem Kindergarten sei sinnvoller als Vorgaben, wie viele Kinder pro Klasse welche Muttersprache sprechen sollen. Die Empörung über eine Äusserung von Regierungsrat Christoph Eymann, man werden den Anzug, sofern er denn überwiesen würde, abhängen lassen, findet Gallacchi übertrieben. «Eymann hat lediglich ausgesprochen, was täglich passiert. Will die Regierung einen Vorstoss nicht, beantwortet sie ihn erst nach zwei Jahren.»

Nein zur Quote sagt auch die SVP, die den Anzug ebenfalls ablehnt - auch wegen der Befürchtung, Kinder würden quer durch die Stadt transportiert. Ja sagen wird hingegen Joël Thüring (SVP), der den Anzug mitunterzeichnet hat. Er betont indes eine völlig andere Passage als die SP: «Mir geht es um die Begrenzung einer Sprachgruppe. Das ist wichtig für die Integration.»