Was wäre die Basler Fasnacht ohne Schnitzelbängg? Ganz einfach: keine richtige Fasnacht. Die über 70 Bängg, die während der «drey scheenschte Dääg» Cliquenkeller, Beizen oder das Theater Basel aufsuchen, sind ein beliebter Teil, dem jeder Fasnachtsfreund so oft wie möglich begegnen möchte. Wenn nicht in der Stadt, dann zumindest im Radio oder Fernsehen. Deswegen verärgert es die Obmänner der Schnitzelbank-Gesellschaften, dass Radio Basilisk ausschliesslich aus dem Theater Basel live sendet, wo nur die Bängg des Schnitzelbank-Comités auftreten. Die Bänggler, die für die BSG, VSG, Bängg fir Basel, Bebbi-Bangg und das Comité 1914 unterwegs sind, werden von Basels grösstem Privatsender übergangen.

Mächtige Stellung des Comités

«Die Kooperation mit dem Schnitzelbank-Comité verstehen wir nicht und finden wir den Gipfel», ist Thommy Wöhrle von den Bängg fir Basel erzürnt. Das habe nichts mit Medienvielfalt zu tun. Und der Obmann des Comités 1941, Richard Hubler, doppelt nach, mit solch einem Verhalten finde eine Wettbewerbsverzerrung statt. Es stellt sich die Frage, ob diese Verzerrung mutwillig herbeigeführt wurde und ob der Obmann des Schnitzelbank-Comités dahinterstecke. Fakt ist: «Das Schnitzelbank-Comité hat in Basel eine marktmächtige Stellung und lässt keine Gelegenheit aus, diese auszunutzen.» Durch die Kooperation mit Radio Basilisk geniesse der Sender Exklusivität.

Der angegriffene Walo Niedermann weist die Vorwürfe zurück. Er führt aus, dass ihn Basilisk zum ersten Mal Ende 2013 angefragt habe, ob der Sender am Montag- und Mittwochabend aus dem Theater die Bängg des Schnitzelbank-Comités übertragen darf. Bis anhin hatte der Sender an beiden Abenden aus dem Café Spitz berichtet. «Ich sah und sehe keinen Grund, der dagegen spricht. Wir haben nicht mehr Geld verlangt», betont Niedermann.

Hubler vom Comité 1914 jedoch ist der Meinung, Niedermann und Radio Basilisk schafften «Seilschaften». «Falls sich die Geschichte bestätigt, unterstelle ich Niedermann, sein Schnitzelbank-Comité medial unlauter zu einem Monopol machen zu wollen.» Das Problem dabei sei, dass nun neue junge Schnitzelbänggler so das Gefühl haben, sie müssen bei den Comité-Schnitzelbängg dabei sein, damit sie eine mediale Plattform bekommen und die freie Wahl der Zugehörigkeit so unterbunden wird.

Andri Riesen, Programmleiter beim Radio Basilisk, begründet die alleinige Übertragung aus dem Theater damit, dass das Radio bisher noch nie eine so breite Abdeckung der Basler Fasnacht auf dem Programm hatte. «Wir berichten vom Cortège, der Kinderfasnacht, vom Gässle. Deswegen übertragen wir die Schnitzelbängg punktuell von nur einem Ort aus.» Er könne den Unmut der Obmänner anderer Schnitzelbank-Gesellschaften verstehen. «Aber unsere Redaktoren werden diese Bänggler mit Reportage-Berichten berücksichtigen. Zum Beispiel beim Warten vor der Beiz. Auf diese Weise zeigen wir, dass auch sie Grosses leisten.»