Radio Energy Basel räumt auf. Das zeigen Recherchen des «Sonntags». Diese Woche wurden die vier Gesellschaften des Basler Radiosenders zusammengelegt, wie Auszüge des Handelsregisters belegen. Darauf ist ersichtlich, dass per Ende 2011 in der Gruppe grosse Verluste steckten. Alleine die Betreiberfirma Radio Basel AG war mit 3,3 Millionen Franken überschuldet. Insgesamt fehlten in den drei Tochtergesellschaften 5,3 Millionen Franken.

Nach dem Austritt von Radiogründer Christian Heeb im September wurden die Bücher des Radiosenders gründlich überarbeitet. Das zeigt der Geschäftsbericht der Radio Basel AG, welcher dem «Sonntag» vorliegt. In dieser Firma wurden Vermögenswerte von 4,8 Millionen Franken abgeschrieben, die sich offenbar als nicht werthaltig erwiesen hatten (siehe auch Interview). Es resultiert ein Reinverlust von 6,7 Millionen Franken. Abschreiber gab es zudem auch in den anderen Gesellschaften. Die ganze Gruppe hat 2011 offenbar einen Verlust von 10 Millionen Franken gemacht.

Bedingung: Bilanz sanieren

Anfang Jahr stieg der Verlag Ringier mit zehn Prozent beim Sender ein, seither firmiert dieser als Energy Basel. Sprecher Edi Estermann sagt, Ringier habe die Aktien nur unter der Bedingung gekauft, dass die Bilanz zuvor saniert werde. Offenbar hatten sich die Radiobetreiber in der Vergangenheit eines buchhalterischen Kniffs bedient, um Verluste zu minimieren: Mehrfach waren Kosten als Investitionen verbucht («aktiviert») worden. Das bestätigen gegenüber dem «Sonntag» alle Beteiligten. Thomas Recher, letzter Geschäftsführer unter Heeb, nennt als Beispiele die Kosten für das Erlangen der Konzession oder Sanierungskosten nach dem Kauf des Senders.

Umstritten ist, ob diese Werte abgeschrieben werden mussten. «Die Konzession hat ihren Wert», betont Recher. Heeb argumentiert, er habe nicht anders bilanziert, als das andere Radiounternehmer auch täten. Mit übertrieben hohen Abschreibungen werde nun die alte Geschäftsführung schlecht dargestellt, um den neuen Leuten einen einfachen Start zu ermöglichen, so Heeb.

Nur ein Monat kostendeckend

Auch über die Höhe der Verluste von Radio Basel wird gestritten. Im Umfeld des Senders spricht man von 300000 Franken, die Hauptaktionär Karlheinz Kögel monatlich eingeschossen habe, um den Betrieb am Laufen zu halten. Der Geschäftsbericht 2011 (über 18 Monate) weist einen operativen Verlust von vier Millionen Franken aus. Man sei zwar unterwegs zur Besserung gewesen, sagt Recher. Wirklich kostendeckend habe man 2011 aber nur in einem Monat gearbeitet. Anders sieht das Heeb: Zuletzt habe der Sender «operativ schwarz» gearbeitet.

Der Geschäftsbericht belegt, dass die Aktionäre viel Geld einschossen. Vor der Sanierung hatte Hauptaktionär Kögel zuletzt Forderungen im Umfang von 13 Millionen Franken, wie aus einem internen Papier hervorgeht. Teil der Deals mit Ringiers war denn auch, dass Kögel gegenüber dem Sender auf 6,1 Millionen Franken verzichtete. Weitere 900000 Franken Unterdeckung wurden beseitigt, indem das Aktienkapital der nach der Fusion verbleibenden Firma Media Clearing Center AG aufs gesetzliche Minimum reduziert wurde. Danach verblieben in der Bilanz mehrheitlich Schulden gegenüber den eigenen Aktionären, wie Kögel ausrichten lässt. Seine Forderungen im Umfang von sieben Millionen stellt Kögel gegenüber anderen Gläubigern zurück («Rangrücktritt»). So verhindert er den Gang zum Konkursrichter.

Heute sei die Ertragslage stabil, sagt Hans Knobloch, Geschäftsführer von Radio Energy Basel. Man sei «auf gutem Weg», in den kommenden Monaten in die schwarzen Zahlen zu kommen. Im Gegensatz zu früher ist das Geschäft berechenbarer geworden. Nicht nur wurden die Kosten über zahlreiche Entlassungen gesenkt. Das wirtschaftliche Risiko der volatilen Werbeeinnahmen wurde zudem ausgelagert an die Energy Media AG, welche zu 65 Prozent Ringier gehört. Diese garantiert der Redaktion ein festes Budget und besitzt dafür einen exklusives Vermarktungsrecht für Werbung auf dem Basler Radiosender.