«Dank Ihnen konnte der Täter seine Waffe beim Überfall sogar kurz auf den Tresen legen», sagte Gerichtspräsident Marc Oser gestern dem 30-jährigen Mann. Für die fünf Richter war klar, dass der Koch seinem Freund dabei geholfen hatte, im April 2013 die Raiffeisenbank in Riehen auszurauben. Die Zeugenaussagen und die Bilder der Überwachungskameras würden dies klar belegen – ebenso die SMS der beiden Männer vor dem Überfall.

Das Gericht sprach eine Verurteilung wegen Mittäterschaft an dem Raub aus, ging aber entgegen der Staatsanwaltschaft nicht von einem bandenmässigen Vorgehen aus. Eine gewisse Organisation sei zwar erkennbar gewesen, doch ein klarer Zusammenschluss für künftige Taten sei zumindest zweifelhaft. Auch einen schweren, sogenannt qualifizierten Raub sah das Gericht nicht: Die verwendete Schreckschusspistole sei keine Waffe im Sinne des Gesetzes.

Mittäter bringt sich um

Dennoch sah das Gericht ein schweres Verschulden des Mannes, zumal er mit dem deutlich jüngeren Freund wenige Monate später bei der gemeinsamen Arbeitgeberin auch einen 310 Kilogramm schweren Tresor gestohlen hat. Das Strafmass lautet drei Jahre und neun Monate, der Staatsanwalt hatte ein Jahr mehr verlangt.

Ironischerweise gelang der Banküberfall, die Polizei fasste die beiden Täter erst nach dem Tresorklau. In einem Arlesheimer Industriegebiet versuchten sie mit grossem Aufwand vergeblich, den Tresor zu öffnen. Der 20-jährige Mittäter hatte auf seinem Mobiltelefon mehrmals Begriffe wie «Tresor öffnen» gegoogelt.

Er brachte sich wenige Wochen nach seiner Festnahme um, das Gericht sah den 30-Jährigen als führende Person bei dem Diebstahl an. «Du hast mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben», hatte ihm der 20-Jährige geschrieben. Der Verurteilte wie auch die Staatsanwaltschaft kann das Urteil noch weiterziehen.

Auch Freundin wird verdächtigt

Wie an der Verhandlung bekannt wurde, läuft seit wenigen Wochen auch ein Verfahren gegen die damalige Freundin des Verstorbenen. Sie war in der Wohngemeinschaft der beiden Männer regelmässig zu Besuch, und im November 2013 fand die Staatsanwaltschaft in der dazugehörigen Tiefgarage offenbar DNA-Spuren an einem Rucksack, die mit DNA-Spuren auf einem Schirm übereinstimmen. Just diesen Schirm hatte der 20-Jährige bei dem Überfall verwendet, damit sein Gesicht nicht auf den Überwachungskameras zu sehen ist.

Was es mit der späten Beweissuche auf sich hat, blieb unklar, bislang wurde gegen die Frau noch keine Anklage erhoben. Ihr Alibi scheint wasserdicht: Während des Überfalls war sie auf einer Weltreise.