Strafgericht

Räuber vergisst sein Mobiltelefon und läuft der Polizei in die Arme

Mit Sehschlitzen in der Wollmütze, schwarzen Lederhandschuhen, einer leeren Plastiktüte und einer Schreckschusspistole ging der heute 25-jährige Mann im November 2012 in die Tankstelle beim St. Alban-Tor und fuchtelte mit seiner Waffe herum. (Symbolbild).

Mit Sehschlitzen in der Wollmütze, schwarzen Lederhandschuhen, einer leeren Plastiktüte und einer Schreckschusspistole ging der heute 25-jährige Mann im November 2012 in die Tankstelle beim St. Alban-Tor und fuchtelte mit seiner Waffe herum. (Symbolbild).

Nach einem erfolgreichen Überfall auf eine Basler Tankstelle tappt ein junger Mann in die Falle: Er vergisst sein Telefon bei der versteckten Beute und läuft dann mit Patronen in der Jackentasche der Polizei in die Arme.

Es sollte eigentlich ein glatt ablaufender Raubüberfall werden: Mit Sehschlitzen in der Wollmütze, schwarzen Lederhandschuhen, einer leeren Plastiktüte und einer Schreckschusspistole ging der heute 25-jährige Mann im November 2012 in die Tankstelle beim St. Alban-Tor und fuchtelte mit seiner Waffe herum. Verletzt wurde dabei niemand, der Angestellte wie auch die Kunden kamen mit dem Schrecken davon.

Rund 1400 Franken sowie einige Reka-Checks erbeutete der Mann; wie geplant versteckte er eine Armeetasche mit dem Geld in einem Gebüsch im St. Alban-Tal. Vor dem Überfall hatte er sich dort umgezogen, und danach wechselte er erneut rasch die Kleider, deponierte seine Beute im Gebüsch und zog Leine.

Zu nah am Tatort

Wie er am Mittwoch vor Gericht sagte, wollte er danach in der Nähe bleiben, bis die Luft rein war: Mit anderen Kleidern und ohne Beute würde er nicht auffallen, so zumindest hatte er sich das gedacht. Die mit Blaulicht anrückende Polizei brachte ihn daher auch nicht aus der Ruhe.

Doch plötzlich fiel ihm ein, dass er in der versteckten Tasche sein Mobiltelefon vergessen hatte. Er näherte sich und wollte die Suchaktion der Polizei etwas genauer beobachten, da fiel er auch schon den Polizisten auf und wurde prompt kontrolliert: Aus seiner Jackentasche purzelten Platzpatronen. Die nächsten drei Wochen sass er in Untersuchungshaft.

Den Wollschal erhält der Mann zurück

Das Gericht liess Milde walten: Einzelrichterin Susanne Nese sprach von einem Verschulden, das «nicht zu bagatellisieren» sei, was die übliche Umschreibung dafür ist, dass man sich beim Strafrahmen am untersten Limit bewegt. Für Raub ist eine Geldstrafe ab 180 Tagessätzen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe möglich, das Gericht verhängte 270 Tagessätze zu 10 Franken bedingt.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine bedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten gefordert. Der Verurteilte muss auch die Verfahrenskosten von rund 4000 Franken übernehmen. Das Urteil kann noch weitergezogen werden.

Nese betonte, der Mann habe keine Vorstrafen und sei von Beginn weg geständig gewesen. Auch habe die Untersuchungshaft offenbar Eindruck gemacht, eine bedingte Geldstrafe genüge in diesem Fall.

Allerdings sei er durchaus geplant vorgegangen. Seine Kapuzenjacke sowie die Wollmütze werden vernichtet, weil er damit das Delikt begangen hat. Seinen Wollschal hingegen erhält der Mann wieder zurück.

«Der Überfall tut mir leid»

Die eingezogene Schreckschusspistole wie auch die Munition hat sich der 25-Jährige einige Jahre zuvor in Deutschland besorgt. Drei Wochen vor dem Überfall ist sein Vater verstorben, er sei dadurch wegen der Mietkosten plötzlich in eine finanzielle Notlage geraten. «Der Überfall tut mir leid. Das Schlimmste an der Sache ist wohl, dass ich dem Verkäufer einen solchen Schrecken eingejagt habe», meinte er. Überfälle will er keine mehr verüben: Im Juli tritt er eine Lehrstelle an.

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