Zünfte

Raoul Furlano: «Ich bewerbe mich ja auch nicht im Frauenturnverein»

Die SP fordert, dass auch Frauen in die Basler Zünfte eintreten dürfen. Raoul Furlano hält dies für wenig sinnvoll.

Die SP fordert, dass auch Frauen in die Basler Zünfte eintreten dürfen. Raoul Furlano hält dies für wenig sinnvoll.

Der Chef der Basler Zünfte hält nicht viel von der SP Forderung, dass Zünfte künftig auch Frauen aufnehmen sollen.

Der Chef der Basler Zünfte ist der Vorsitzende Meister des Fünferausschusses des Meisterbotts. Und mit diesem etwas umständlichen Titel darf sich Raoul Furlano schmücken, LDP-Grossrat, Kinderarzt und Meister E.E. Zunft zum goldenen Stern. Derzeit hat Furlano noch eine weitere Funktion, die «den Ball flach zu halten», wie er selbst sagt.

Denn im Rahmen des Bürgergemeinderatswahlkampfs hat SP-Wahlkampfleiterin Sarah Wyss eine provokante Forderung lanciert: Die Bürgergemeinde, die die Oberaufsicht über die Basler Zünfte hat, solle diese reinen Männergesellschaften dazu zwingen, Frauen aufzunehmen. Furlano meint dazu: «Wenn eine Frau in eine Zunft aufgenommen werden will, dann soll sie einen Antrag stellen. Darüber entscheidet dann der Vorstand. Es gibt ja nicht ein explizites Frauenverbot in den Zünften.»

Damit tönt auch an, dass es für die Bürgergemeinde nicht ganz so einfach werden könnte, die Zünfte zur Frauenfreundlichkeit zu zwingen. Denn diese sind als Vereine konstituiert und damit hat der Vorstand die abschliessende Macht über Aufnahme oder Nicht-Aufnahme eines Neumitglieds. Als Grund für eine Ablehnung dürfte dann einfach nicht das Geschlecht genannt werden.

Dass eine Frau den Beitritt in eine der Männergesellschaften juristisch erzwinge, erachtet Furlano für wenig sinnvoll: «Ich könnte ja auch einen Antrag auf Aufnahme in einen Frauenturnverein stellen, wenn ich das wollte. Aber ich glaube nicht, dass ich da viel Freude hätte, selbst wenn ich aufgenommen würde.»

Der Oberzünfter sieht hinter der ganzen Debatte sowieso weniger die Sehnsucht einiger linker Frauen – Kreise, in denen eine Zunftzugehörigkeit ohnehin traditionell eher verpönt ist – sondern ein politisches Problem: «Der Vorstoss zeigt, dass die SP offensichtlich auf der Suche nach einem Thema für den Wahlkampf ist und sonst keine essentiellen Themen finden konnte». (dre)

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