Hotelier des Jahres
Raphael Wyniger: «Wir sind also eigentlich Basel unter einem Dach»

Seit sechs Jahren ist Raphael Wyniger der Patron des Gast- und Kulturhauses Teufelhof in Basel. Ende November wurde er mit dem Titel «Hotelier des Jahres» ausgezeichnet. Im Interview mit der bz gibt er einen Einblick in seinen Beruf.

Sydney Karolewski
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Raphael Wyniger wurde aufgrund seiner Risikobereitschaft und der Innovationskraft, ein künstlerisch wertvolles Konzept ständig und erfolgreich weiterzuentwickeln, zum Hotelier des Jahres gekürt.

Raphael Wyniger wurde aufgrund seiner Risikobereitschaft und der Innovationskraft, ein künstlerisch wertvolles Konzept ständig und erfolgreich weiterzuentwickeln, zum Hotelier des Jahres gekürt.

Martin Töngi

Herr Wyniger, wie würden Sie das Geheimnis Ihres Erfolgs umschreiben?

Raphael Wyniger: Ich denke, er kommt daher, dass ich ein Konzept bzw. eine Idee konsequent und mit einem sturen Kopf umgesetzt habe. Das Zweite ist, dass das Ganze auf eine natürliche Art geschehen soll.

Sind Sie ehrgeizig?

Ich bin schon ziemlich ehrgeizig, dabei geht es aber immer um den Teufelhof und nicht um mich. Ich möchte dieses Haus gerne weiterentwickeln und weiterbringen. Zudem will ich auch immer etwas Neues probieren, am Puls bleiben und dabei gerne selber dazulernen. Da gehört gesunder Ehrgeiz schon dazu.

Hotelier zu sein, hat viele schöne Seiten. Was macht Ihnen dabei besonders Spass?

Verschiedene Sachen. Was mir gefällt, ist, dass man wahnsinnig nah beim Menschen ist. Sei es bei den Mitarbeitern oder bei den Gästen. Man ist direkt im Kontakt. Das gefällt mir und fasziniert mich. Zudem ist es unglaublich konkret und ehrlich. Man bekommt unmittelbar eine Rückmeldung auf alles, was man macht. Die Zufriedenheit im Allgemeinen ist im Gegenzug ein schöner Lohn. Zudem handeln wir eigentlich mit dem Essen, dem Trinken und dem Schlafen. Und das sind doch Sachen, die wir alle gerne machen.

Dieser Beruf bringt aber auch negative Aspekte mit sich. Kann man Beruf und Familie miteinander vereinbaren?

Jeder Beruf hat seine Herausforderungen. Ich sage nicht, dass Hotelier ein schwierigerer Beruf ist als ein anderer. Dieser Beruf ist einfach ein bisschen anders konzipiert. Wir arbeiten dann, wenn die Leute frei haben. Die Tage sind lang, die Wochenenden sind besetzt. Mit der Familie ist es eine Herausforderung. Es geht nur, wenn man ein grosses Verständnis hat.

Würden Sie mir zustimmen, wenn ich sage, Hotelier ist der schönste Beruf?

Ich würde Ihnen absolut zustimmen.

Würden Sie sich heute wieder für diesen Beruf entscheiden?

Ja, das ist das, was ich gerne mache. Ich wollte schon als kleiner Junge Hotelier werden. Mein Grossvater hat mich dazu inspiriert. Er war in der Parahotellerie tätig.

Die neusten Zahlen zeigen, dass weniger Europäer in die Schweiz kommen, dafür mehr Schweizer im eigenen Lande die Hotelbetten belegen. Was denken Sie, woran das liegt?

Ich denke, da ist vielleicht doch auch ein Solidaritätsgedanke dahinter. Wenn man liest, dass die heimische Hotellerie etwas leidet, möchte man versuchen, das Ganze ein bisschen zu stützen. Vielleicht ist es auch ein Trend: weg von den Fernreisen und in der Nähe bleiben. Es kann aber auch eine Kombination von beidem sein.

Vielleicht setzt man auch wieder mehr auf Qualität?

Vielleicht. Wobei ich nicht sagen möchte, dass die Qualität im Ausland nicht vorhanden ist.

Teurer Franken, hohe Löhne und hohe Einkaufspreise, leicht haben Sie es derzeit nicht als Hotelier.

Die Rahmenbedingungen sind vor allem in den Bergregionen schwierig. Hier in der Stadt profitieren wir, in einem übertragen Sinn gemeint, noch von einem guten Wind aufgrund einer starken Wirtschaft. In der Stadt sind wir also privilegierter. Noch müssen wir nur das Segel richtig halten und das Schiff fährt. In den Bergen jedoch bläst der Wind zurzeit sehr schwach. Da kann man das Segel noch so lang richtig halten, das Schiff bewegt sich kaum. Unbestritten ist aber auch hier, die Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden.

Hat das Arbeiten in der Hotelbranche Ihren Blick auf Menschen generell verändert?

Ja, schon. Wenn man tagtäglich mit ganz unterschiedlichen Menschen und Kulturen zu tun hat, dann prägt einen das – und zwar im positiven Sinn. Ich denke, man wird in vielerlei Hinsicht sanfter und verständnisvoller.

Denken Sie, die Erwartungen und Bedürfnisse der Hotelgäste haben sich in den letzten Jahren geändert?

Absolut. Schon das Reiseverhalten ist ganz anders als früher. Die Gäste möchten immer mehr als Individuum gesehen werden. Das wird immer wichtiger. Keine Nummer, sondern ein Name.

Wieso würden Sie einem jungen Menschen trotz der Strapazen raten, in die Gastronomie einzusteigen?

Jeder Beruf bringt Strapazen mit sich. Unser Produkt ist das Essen, das Schlafen und das Trinken. Sachen, mit denen sich jeder identifiziert. Das kann unglaublich motivierend sein. Die Perspektiven sind toll. Wenn man Biss hat, kann man sich auch gut weiterentwickeln. Die Welt steht einem offen – und die ist gross. Man kann aber auch seinen eigenen Weg gehen wie ich. Ich komme nicht aus einer Hotel-Familie und bin schlussendlich mit meinem eigenen Betrieb erfolgreich geworden. Das zeigt, dass dieser Beruf wirklich alles bietet.

Wie sieht es denn mit dem einheimischen Nachwuchs aus? Immer mehr junge Leute möchten im gastronomischen Bereich tätig sein. Haben sich die Vorstellungen des Berufs verändert?

Hotelier war früher sicher ein anders besetzter Begriff als heute. Ich denke, der Begriff entwickelt sich und wird auch immer mehr unternehmerisch abgestützt. Die Kern-Romantik dieses Berufs ist aber trotzdem noch die gleiche.

Was tut ein Hotelier wie Sie, um die Mitarbeiter zu motivieren und zu halten?

Primär versuche ich, den Mitarbeiter als Menschen wahrzunehmen. Das ist mir ganz wichtig. Dass man sie wertschätzt, an ihrer Arbeit und ihrem Leben teilnimmt und sie respektiert. Sie müssen aber auch gefördert und gefordert werden. Somit können sie sich auch weiterentwickeln. Eigentlich ist es keine Hexerei.

Immer mehr neue und innovative Konzepte und Ideen werden in Basel umgesetzt. Haben Sie Angst davor, da mithalten zu müssen?

Ich bin froh, dass sich Basel als Destination so weiterentwickelt hat. Für eine Stadt, die Nachfrage generiert, ist das eine gute Sache. Ich bin überzeugt, dass wir individuell und stabil genug sind, um auch in Zukunft grossen Erfolg zu haben. Darum freue ich mich eher darüber, als dass ich besorgt bin.

Wie würden Sie Ihr Hotel jemandem beschreiben, der noch nie bei Ihnen war?

Wir nennen uns Gast- und Kulturhaus. Das Ganze zieht sich wie ein roter Faden durch das Haus, ergänzt durch eine vielseitige Gastronomie und spannende Geschichte. Wir sind also eigentlich Basel unter einem Dach. Wir sind nicht so leicht austauschbar. Culture unlimited sozusagen (lacht).

Sie haben es geschafft, Gastwirtschaft, Kunst und Kultur unter einen Hut zu bringen. Würden Sie das wieder machen?

Ich denke, jedes Haus braucht ein Profil, sonst wird es austauschbar. Der Teufelhof hat sich für das Kultur-Profil entschieden, und das ist so der richtige Weg.

Sie sind ein Drei-Sterne-Haus. Sind Sie damit zufrieden oder streben Sie einen weiteren Stern an?

Das ist ein bewusster Entscheid. Wir könnten problemlos vier Sterne machen, wenn wir das möchten. Wir erfüllen alle Voraussetzungen bei Hotelleriesuisse, um vier Sterne zu haben. Ich denke einfach, diese drei Sterne entsprechen dem Haus. Sterne haben immer mit Erwartungen zu tun. Und diese sind an einem 3-Sterne-Superior-Hotel anders als bei einem Vier-Sterne-Betrieb. Unser Geschäft ist es, Erwartungen zu übertreffen, und das kann ich mit dieser Positionierung besser.

Im Mai haben Sie zusammen mit Geschäftsführer Fabio Gemperli das «1777» im Schmiedenhof eröffnet und möchten ab 2018 betreute Apartments anbieten.

Ja, es kommen weitere Projekte. Wir müssen uns weiterentwickeln, das ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Wir wünschen uns eine Erweiterung der Hotelkapazität. Da ist aber weder spruchreif noch im Detail kommunizierbar. Was momentan läuft, ist das generelle Baubegehren, wo wir uns die Antwort der Machbarkeit erhoffen. Danach können wir anfangen, zu planen. Zudem sind wir daran interessiert, unsere Restauration weiterzuentwickeln. Was auch immer das heisst.

Fragen an den Basler Tourismus-Direktor Daniel Egloff

Mit Raphael Wyniger ging der erste Titel als «Hotelier des Jahres» an einen Basler. «Ich kenne seine Qualitäten bestens und bin daher kein bisschen überrascht, dass er als bester Hotelier der Schweiz ausgezeichnet wurde.» Ende letzten Jahres wurde Peter Knogl als Koch des Jahres 2015 gekürt und erhielt einen dritten Michelin-Stern. Auszeichnungen, die Basel als Gourmetstadt auszeichnen. «Dank solchen Persönlichkeiten können wir seit Jahren stark an Logiernächten zulegen.» Vermarktet werden aber mehrheitlich Messen und andere Veranstaltungen. «Unser wichtigstes Marketingargument ist das vielfältige Kulturangebot und selbstverständlich fällt darunter auch die Gastronomie.» Im Ausland wird die Destination Basel gemeinsam mit dem Elsass und dem badischen Raum regelmässig als Hochburg für Feinschmecker kommuniziert. «Man könnte gar von der grössten Gourmetregion Europas sprechen.»