Paula ruft: «Are you ready to rumble?» und die Performance geht los: Die drei älteren Herrschaften beginnen zu beatboxen und Schlagzeug auf den Töpfen und Tellern zu spielen. Sie geben alles, um ihren Freund Leopold Vonder Mühll gebührend zu feiern. Es ist sein achtzigster Geburtstag.

Einst war Vonder Mühll (Urs Bihler) Direktor einer Eliteschule, heute ist er pensioniert und wohnt in der Basler Seniorenresidenz «Zem goldige Herbscht». Was nach Lebensabend und Kreuzworträtsel klingt, ist in der Inszenierung «Jetzt oder nie!» von Martin Schurr alles andere als langweilig. Vor allem nicht seit Paula (Smadar Goldberger) da ist. Die junge Mutter liefert Vonder Mühll sein sonntägliches Spezialessen. Anfangs waren sich die beiden nicht ganz grün. Sie kommt aus schwierigen familiären Verhältnissen, der Zugang zu Bildung blieb ihr lange verwehrt. Er hingegen ist ein alternder, etwas sturer Intellektueller. Doch als sie beginnen, zusammen für Paulas Prüfungen zu lernen, entwickelt sich eine bereichernde Freundschaft.

Dunkle Vergangenheit

Von dieser Freundschaft, die die Brücke zwischen Alt und Jung schlägt, und von aufgebrochenen Barrieren und Hoffnung, die immer wieder aufblüht, erzählt die diesjährige Eigenproduktion des Fauteuils «Jetzt oder nie!». Heute feiert die Inszenierung Premiere. Die bz durfte im Vorfeld eine Probe des Ensembles besuchen.

In der Seniorenresidenz hat sich Vonder Mühll mit dem pensionierten Drämmler Max Brogli (Willi Schraner) und dem Ostschweizer «Mostindianer» Alfred Eberhardt (Urs Bosshardt) angefreundet. Die beiden machen ihrem Klischee alle Ehre und lassen im Gespräch immer wieder spitze und witzige Sprüche fallen. Gemeinsam machen die störrischen Pensionäre der Pflegerin, Schwester Helga (Stefanie Verkerk) das Leben schwer. Aber sie nimmt es mit Humor. Jeden Sonntag treffen sich die drei Senioren, um gemeinsam Trivial-Pursuit zu spielen. Dann ist auch die gutherzige Elisabeth Kerr (Charlotte Heinimann) dabei. Sie bringt etwas Harmonie und Besonnenheit in die Männergruppe, und scheint aussergewöhnlich gerne Zeit mit Vonder Mühll zu verbringen.

Das ist auch Paula aufgefallen. Bei den Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier schwärmt sie von Vonder Mühll und ermuntert Elisabeth, auf ihn zuzugehen. «Heutzutage sind die Männer alle scheisse und lassen dich sitzen. Gäbe es doch nur Männer in meinem Alter, die so ermunternd sind wie Leopold». Doch mitten in ihren Schwärmereien wird Paula von Elisabeth unterbrochen und mit der dunklen Vergangenheit Vonder Mühlls konfrontiert. Auch er hat seine Familie im Stich gelassen und Dinge getan, die er Paula bisher verschwiegen hat. Paula ist entsetzt und kann nicht glauben, dass ihr Idol eine so unmoralische Vergangenheit hat.

In ihrem intimen Gespräch über die Liebe und das Leben harmonieren Smadar Goldberger und Charlotte Heinimann wunderbar. Auch wenn viele Jahre zwischen ihnen liegen, scheinen die beiden Figuren auf eine authentische Weise eine gemeinsame Ebene zu finden.

Die geplante Geburtstagsparty findet trotz allem statt. Es wird ausgiebig gefeiert, gelacht und getanzt. Der einstudierte Geburtstags-Rapp ist gelungen. Paula beendet den Sprechgesang mit den Worten: «Leopold Vonder Mühll, in seinem Kopf ist noch lang kein Müll» und der pensionierte Drämmler Max Brogli sagt: «Das war eine super Party. Viel besser als der 95. vom Huber Fritz letztens.»

Doch nach dem Geburtstag nimmt das Stück eine dramatische Wendung. Spannend bleibt es bis zum Schluss.