Yvonne Hunkeler, Verwaltungsrätin der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB), hat ihre Ankündigung für einmal wahr gemacht, als sie eine «schnelle Lösung» für die Neubesetzung der Direktion versprach. Nur gerade zwei Wochen nach der fluchtartigen Demission von Erich Lagler hat der Verwaltungsrat das bisherige Geschäftsleitungsmitglied Bruno Stehrenberger zum neuen Direktor ernannt. Ohne Stellenausschreibung, per sofort und nicht bloss interimistisch.

Der Entscheid kommt selbst bei den grössten BVB-Kritikern der vergangenen Wochen gut an. Toya Krummenacher, SP-Grossrätin und VPOD-Gewerkschafterin, setzt grosse Hoffnungen und Erwartungen in ihn. Mit seiner ehrlichen Art habe sich Stehrenberger besonders beim Personal des Fahrdienstes und der Infrastruktur Respekt verschafft. Sie sagt: «Der VPOD durfte ihn als harten, aber fairen und ehrlichen Verhandlungspartner kennenlernen.» Diesen Ruf hatte der heute 53-Jährige auch bei der Belegschaft der SBB Cargo, als er diese restrukturierte, bevor er sich eine Auszeit nahm und sich auf eine Weltreise begab.

«Intensives Verfahren» dauerte zwei Wochen

Michael Wüthrich, Verkehrsexperte und ehemaliger Präsident der Umwelt- und Verkehrskommission, sagt: «Der Entscheid ist ein Lichtblick für dieses Unternehmen und für die Stadt Basel.» Stehrenberger geniesse beim Personal grossen Rückhalt. Er erhoffe sich, dass er nicht nur für eine bessere Personalzufriedenheit sorge, sondern auch den Schienen- und Netzservice verbessere. Überrascht ist Wüthrich, dass der Verwaltungsrat keine Interimslösung wählte. Damit verzichtet er darauf, eine breite Auslegeordnung vorzunehmen. Eine solche hat die Ex-BVB-Verwaltungsrätin und FDP-Regierungsratskandidatin Nadine Gautschi gefordert.

Die BVB behaupten auf Anfrage, der Verwaltungsrat habe für die Nachfolge des Direktors «in einem intensiven und seriösen Verfahren mehrere Lösungen geprüft – sowohl intern, extern wie auch ad interim». Wie dies innerhalb von zwei Wochen möglich war, bleibt das Geheimnis der BVB, wie die Zahl der Treffen, an denen sich das Gremium zu diesem Traktandum getroffen hat. Entsprechende Fragen wurden von Hunkeler nicht beantwortet.

Als interne Lösung gab es für den Verwaltungsrat keine Alternative zu Stehrenberger. Im September 2016 stiess er als Leiter «Verkehr» zu den BVB. Seither ist er in der formellen wie informellen BVB-Hierarchie stetig aufgestiegen, was nicht unbemerkt blieb. So wurde er intern schon vor dem verheerenden Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) und Laglers Demission als dessen Nachfolger gehandelt. Mit der Ernennung zum Direktor werde er nun auch seinen Lebensmittelpunkt nach Basel verschieben, erklären die BVB.

Dass Vizedirektor Stefan Popp als enger Lagler-Gefährte auch nur interimistisch die BVB führen könnte, galt als ausgeschlossen. Popp wird als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung gesehen. Wüthrich sagt, er gehe davon aus, dass Stehrenberger gute Leute in die Direktion bringen könne; «sicher ausgewechselt werden muss Vize-Direktor Stefan Popp».

Zum zweiten Mal wird der Vizedirektor übergangen

Es ist nicht das erste Mal, dass die BVB nach einem Eklat einen Mann aus der zweiten Reihe nach oben befördern. Als der vorherige BVB-Direktor Jürg Baumgartner untragbar geworden war, da er Mitarbeiterinnen belästigt hatte, setzte der damalige BVB-Verwaltungsratspräsident Paul Blumenthal den Bereichsleiter Infrastruktur, Michael Bont, als interimistischen Direktor ein.

Auch damals wurde der amtierende Vize übergangen, der eng mit Baumgartner verbandelt war; er verliess kurze Zeit später das Unternehmen. Bont durfte für zehn Monate an der BVB-Spitze bleiben – seine Bewerbung, definitiv zum Direktor gewählt zu werden, fand keine Unterstützung.

Verwaltungsrat gibt Verantwortung ab

Blumenthal berief als externen Kandidaten seinen ehemaligen SBB-Vertrauten Erich Lagler zum Direktor, der seine Crew mitbrachte. Bont war noch kurze Monate Vizedirektor, bis ihn Lagler zum Austritt brachte. Bont war der erste von zahlreichen langjährigen BVB-Kadern, die seither aus dem Unternehmen gedrängt wurden. Der letzte in dieser Reihe war Marcel Kuttler, der im Zusammenhang mit angeblichen Wartungsmängeln beim Rollmaterial und den damit verbundenen Gleisschäden freigestellt wurde.

Langjährige BVB-Kader mit Fähigkeit und Ambitionen auf Managementpositionen finden sich nicht mehr im öV-Betrieb. Auch Stehrenberger war von Lagler zu den BVB geholt worden. Für Verwaltungsratspräsidentin Hunkeler, die nach politischem Druck auf Blumental in diese Position rutschte, ist er dadurch eine Idealbesetzung: Einerseits geniesst er das Vertrauen der Belegschaft, andererseits kann Hunkeler ihrer Erzählung treu bleiben, Lagler und die BVB würden zu Unrecht von Medien und Politik kritisiert. Schliesslich hat sie nun mit Stehrenberger einen Lagler-Mann als dessen Nachfolger installiert.

Der Verwaltungsrat kann sich damit in den Sommer verabschieden, er steht nicht mehr im Fokus des öffentlichen Interesses. Allerdings nur auf Zeit. Denn die politische Aufbereitung des GPK-Berichts steht erst in den Anfängen. Daran ändert auch die rasche Berufung eines neuen Direktors nichts.