Verkehr
Rasende E-Bikefahrer machen Kleinbasel unsicher

Etliche Fussgänger fühlen sich in Basel durch E-Biker bedroht. Die Polizei weiss davon.

Martina Rutschmann
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Fussgänger ärgern sich über rücksichtslose E-Bike-Fahrer. (Symbolbild)

Fussgänger ärgern sich über rücksichtslose E-Bike-Fahrer. (Symbolbild)

KEYSTONE

Fussgänger haben in Tempo-20-Zonen Vortritt. Eigentlich. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus: Etliche Verkehrsteilnehmer, was in der autofreien Innenstadt meist Velos sind, beanspruchen die Strassen für sich. Ob aus Gewohnheit oder wider besseren Wissens ist unklar.

Gewiss ist: Fussgänger nerven sich inzwischen so sehr über rasende Velofahrer, dass sie ihrem Unmut öffentlich Luft machen: «Gerade ist wieder so ein A**** in Anzug mit einem Elektrovelo in einem irren Tempo am Oberen Rheinweg an mir durchgerast. Ich hab mich total erschrocken (...)», schreibt der Kleinbasler Fotograf Otto Böhne auf Facebook – und erhält in kurzer Zeit Zustimmung von etlichen Leuten.

Tino Krattiger etwa schreibt: «In Holland, dem Veloland schlechthin, gibt es das nicht. Da nimmt jeder auf jeden Rücksicht, vielleicht weil man sich und das Leben mag.» Krattiger macht die Politik für die vielen Beinahe-Unfälle verantwortlich, die er schon beobachtet hat: «Das ist ein bewusst einkalkuliertes Politikversagen.»

Die gross angekündigten «Begegnungszonen», unter anderem in der Rheingasse, entpuppten sich als «reine Velorennstrecken», schreibt Krattiger, der selber einmal im Grossen Rat sass und sich jetzt für eine Belebung des Kleinbasels einsetzt.

Fahrverbot beliebte Velostrecke

Der Polizei ist das Problem bekannt. Entsprechend aktiv sei sie in diesem Bereich, «sowohl repressiv als auch präventiv», sagt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Aber: «Darüber, dass E-Bikefahrer unter den Zweiradfahrern übermässig für dieses Gefährdungsgefühl verantwortlich wären, hat die Kantonspolizei keine Erkenntnisse.»

Es sei allerdings schon so, dass die Geschwindigkeit der E-Bikefahrer von den Fahrern selbst und anderen Verkehrsteilnehmern häufig unterschätzt werde. «Das kann zu gefährlichen Situationen führen.» Reklamationen von Fussgängern wegen Velofahrern gäbe es aber, wenn überhaupt, vor allem, wenn diese auf dem Trottoir fahren oder bei öV-Haltestellen.

Otto Böhne reklamiert nicht nur auf den sozialen Medien, sondern auch live. «Ich habe Sicherheitsdirektor Baschi Dürr am Rheinbord angesprochen und ihm gesagt, dass der Ort eine Rennstrecke sei.»

Genaue Zahlen zu Unfällen nennt die Polizei keine. Nur das: «Grob geschätzt entsprechen die Unfallzahlen der E-Bikes ihrer Verbreitung im Strassenverkehr. Genauere Angaben lässt die Statistik nicht zu.» E-Bikefahrer würden, wie alle Verkehrsteilnehmer, kontrolliert. Zu den «Spitzenreitern» zählten das Missachten von Fahrverboten, das Fahren auf Trottoirs oder das Ignorieren von Rotlichtern.