Basel
Rathausjubiläum: Historiker fragen nach der Zukunft

Die Universität Basel organisiert eine öffentliche Tagung zum diesjährigen Rathausjubiläum. Ein breites Publikum soll angesprochen werden. Es gehe um die Identität der Stadt und um die gesellschaftliche Bedeutung von Zentren.

Annika Bangerter
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Heute beginnt die Tagung «Kreise des Öffentlichen». Der Geschichtsprofessor Lucas Burkart hat sie mitorganisiert.

Heute beginnt die Tagung «Kreise des Öffentlichen». Der Geschichtsprofessor Lucas Burkart hat sie mitorganisiert.

Martin Töngi

Das Rathaus feiert seinen 500. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum widmet ihm die Universität Basel eine dreitägige Tagung unter dem Titel «Kreise des Öffentlichen». Dabei diskutieren eingeladene Gäste aus Politik, Wissenschaft, Architektur und Denkmalpflege über den Bau und die Funktion des Basler Rathauses.

«Das Rathaus ist ein historisch bedeutendes Gebäude. Seine Geschichte ist extrem vielschichtig, da es nicht aus einem Guss gebaut ist», sagt Lucas Burkart. Der Professor für Geschichte hat gemeinsam mit den beiden Kunsthistorikern Axel Gampp und Barbara Schellewald das Programm auf die Beine gestellt. Dabei wird nicht nur die Vergangenheit thematisiert. «Uns ist wichtig, gegenwärtige und künftige Fragen zu thematisieren», betont Burkart.

Es gehe um die Identität der Stadt, die politische Teilhabe von verschiedenen Bevölkerungskreisen, aber auch um die gesellschaftliche Bedeutung von Zentren als gedachte und gebaute Orte.

Basel global und lokal

Das Organisationsteam will mit der Tagung ein breites Publikum ansprechen. «Es sind Veranstaltungen abseits des Elfenbeinturms. Die Wissenschaft hat auch die Aufgabe, ihre Ergebnisse einem grösseren Publikum verständlich zu vermitteln», sagt Burkart. Damit der Fachjargon aufgebrochen wird, haben die Organisationen bewusst verschiedene Formate an unterschiedlichen Orten gewählt.

Die Tagung findet im Theater Basel, im Rathaus selber und in der Universität statt. Holbeins verschwundene Wandbilder im Grossratsaal werden dabei ebenso unter die Lupe genommen wie die politische Kultur der Stadtbürger im Mittelalter. Auf einer übergeordneten Ebene reflektieren eingeladene Gäste über dir Rolle und Herausforderungen von Basel auf lokaler wie globaler Ebene. «Wir erwarten Beiträge, die Gespräche auslösen», sagt Lucas Burkart. Aufsehen erregt haben die Organisationen bereits mit zwei ausserordentlich prominenten Gästen: den Soziologen Richard Sennett und Saskia Sassen.

Die beiden Wissenschafter sind eigentliche Koryphäen ihres Fachs und geniessen ein entsprechend internationales Renommee. Ihren Dialogvortrag unter dem Titel «The open city» halten sie am Donnerstagabend um 18.30 Uhr in der Aula der Universität. «Basel identifiziert sich stark mit seiner Geschichte.

Gleichzeitig versteht sich die Stadt mit ihren Akteuren in Wirtschaft und Kunst nicht als lokal abgeschlossener Ort. Globalität und Migration prägen sie schon seit Jahrhunderten», sagt Burkard. Für dieses Spannungsfeld und den daraus resultierenden Fragen seien die beiden Soziologen Sassen und Sennett die idealen Experten. Denn sie formulieren aktuelle gesellschaftliche Fragen nicht nur für die Gegenwart, sondern auch für die Zukunft.

IBA 2020 auch an der Tagung

Das Organisationsteam hat die beiden Soziologen lediglich per Mail angefragt. «Wir wussten von ihnen, sie wohl nicht von uns. Eventuell war es für sie interessant, bei einem Projekt mitzuwirken, in dem Geschichte so intensiv auf die Gegenwart hin gedacht wird», lächelt Burkart. Mehr will er nicht dazu sagen, wie das Organisationsteam die beiden Persönlichkeiten nach Basel brachte. Über die Landesgrenzen und in die Zukunft schauen aber auch andere Gäste.

Vor diesem Hintergrund sei insbesondere die Kooperation der Internationalen Bauausstellung IBA 2020 wichtig, erläutert Burkart. Diese will mit Projekten in Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung sowie Kultur die Entwicklung des trinationalen Raums Basel vorantreiben. An der Tagung stellt die neue Geschäftsführerin, Monica Linder-Guarnaccia, die IBA 2020 vor und spricht über mögliche Entwicklungsszenarien des Dreiländerecks.

Das Organisationsteam selber ist gespannt, bei wem die Tagung auf Interesse stösst. «Es ist wie eine Blackbox. Wir sind sehr gespannt, was für ein Publikum kommt», so Burkart.

Die Tagung «Kreise des Öffentlichen» findet vom 20. bis 22. August statt. Alle Veranstaltungen sind öffentlich und kostenlos.