Freitag Mittag kurz vor zwölf auf dem Basler Centralbahnplatz. Mitten durch das ewige Chaos aus heranbrausenden Trams, Bussen, Velokurieren, Fussgängern, Schulklassen und Strassenmusikanten, schlendert ruhig eine kleine ältere Dame. Sie unterhält sich entspannt mit einem auch schon etwas älteren aber durchtrainierten Mann: Er trägt am Ohr ein Mikrofonkabel und am Revers des Jacketts einen Pin mit der amerikanischen Flagge. Hinter den zwei folgt ein weiterer ähnlich aussehender und gleich gewandeter Mann.

Kleine Frau, zwei «Men in Black»

Die zwei sehen aus wie Agenten des US Secret Service, wie man sie aus Serien wie «House of Cards» kennt. Doch wen bewachen sie? Wer ist die nette alte Dame, die nun aus dem UBS-Bancomaten zwischen Café Bachmann und BVB- Bushaltestelle Geld bezieht? Dem zufällig anwesenden bz-Redaktor fällt es wie Schuppen von den Augen: Es ist Janet Yellen, von US-Präsident Obama ernannte Präsidentin der Präsidentin des Federal Reserve Board (FED), der amerikanischen Zentralbank. Offenbar kommt sie direkt aus dem Basler BIZ-Turm.

Basel im Fokus der ganzen Welt

Dort kommen an diesem schicksalhaften Tag die Notenbankpräsidenten der ganzen Welt zusammen: Die Bank der Zentralbanken, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich auch genannt wird, hält an diesem Wochenende ihre jährliche Generalversammlung ab. Man kann davon ausgehen, dass der Brexit auch unter den Notenbankern ein Riesenthema ist. Aber die BIZ hat noch nie direkt politische Themen kommentiert, und das ist auch dieses Mal so. Auch die grossen Weltkonzerne der Region äussern sich relativ zurückhaltend (siehe Seiten 5/6). Hingegen schlagen kleine und mittelgrosse Firmen teils klare Töne an.

Arbeitsplätze verlagern?

Für Teddy Burckhardt, Chef und Eigentümer des gleichnamigen Basler Maschinenbau-Unternehmens, ist der Wechselkurs das grosse Thema im Zusammenhang mit dem Brexit. Eine weitere Aufwertung würden die Auslagerungen in seiner Branche beschleunigen. Auch er selber müsste sich ernsthaft überlegen, bei einer Franken-Euro-Parität sein Unternehmen in den süddeutschen Raum zu verlagern: «Ein Grossteil der Belegschaft stammt ohnehin aus Südbaden und dem Elsass.» Als in Basel tief verwurzelter Unternehmer würde ihm dieser Schritt freilich äusserst schwerfallen.

«Unsicherheit ist nie gut»

«Der Brexit bedeutet zunächst einmal Unsicherheit, und Unsicherheit ist nie gut für unser Geschäft», sagt Luc Schultheiss, Finanzchef des Reinacher Messgeräte-Herstellers Endress+Hauser. Kurzfristig würden dem Unternehmen wohl die Währungsturbulenzen am meisten zu schaffen machen. Die langfristigen Folgen würden davon abhängen, wie Europa und wie Grossbritannien mit der neuen Situation umgehen. Schultheiss fügt an: «Der freie Waren- und Personenverkehr ist eine Grundlage des wirtschaftlichen Wohlstands in Europa. Jeder Rückschritt gefährdet diesen Wohlstand.» Der Geschäftsführer des Vereins Pro Innerstadt Basel, Mathias F. Böhm, hat den Entscheid der Briten nicht erwartet: «Es ist schon etwas überraschend, dass es passiert ist.» Die Schwächung des Britischen Pfunds und die erneute Aufwertung des Schweizer Frankens könnten dem Einkaufstourismus ins nahe Ausland erneuten Schub verleihen. Böhm glaubt aber, der Markt und der Wechselkurs würden sich in kurzer Zeit wieder beruhigen: «Solche Einzelereignisse wie das 8er-Tram oder der Brexit haben relativ wenig Auswirkung auf die grosse Entwicklung im Einkaufsverhalten.»

Ratlosigkeit dominiert

Auch David Weber, Sprecher des Basler Gewerbeverbands, ist überrascht vom Resultat: «Im Moment dominieren Ratlosigkeit und Unsicherheit. Es gilt, Ruhe zu bewahren und zu beobachten, wie sich die Sache entwickelt.» Eine verzögerte Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative sei ein Problem – Basel mit etwa 67 000 Grenzgängern aus Südbaden und aus dem Elsass brauche auch hier möglichst schnell Planungssicherheit. «Wichtig ist, dass die Wettbewerbsbedingungen weiter verbessert werden für die Basler KMU.» Auch Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel, sieht diesen grossen Unsicherheitsfaktor. Als gefährdet erachtet er zudem das Forschungsabkommen Horizon 2020, wenn die Schweiz ein unilaterales Vorgehen gegenüber der EU wählen muss.

Region Basel trotzdem stark

Der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler meint: «Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar 2015 hat aber bereits gezeigt: Basel war davon weniger betroffen als andere Schweizer Regionen». Hier sind Branchen wie etwa die Life Sciences stark, in denen der Wechselkurs die geringere Rolle spielt als die zuletzt hohe strukturelle Nachfrage.