Kriminalität

Raubzug an der Klybeckstrasse: Einbrecher plündern rund ein Dutzend Lokale in nur einer Nacht

Die Kleinbasler Beizenmeile an der Klybeckstrasse wurde in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von einem Raubzug heimgesucht. Unbekannte brachen in rund ein Dutzend ansässige Lokale ein.

Es war in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag, als sich die Täter an den Lokalen im Geviert um die Klybeckstrasse zu schaffen machten – und das nicht zu knapp: Innert wenigen Stunden klapperten die Einbrecher gleich mehrere Lokale rund um die Strasse ab, hebelten Türen auf und versuchten, sich möglichst viel Bargeld zu verschaffen. Im Traditions-Café Ticino an der Oetlingerstrasse knackten sie ohne grosse Umschweife die Haupttüre auf, wie Wirtin Charlotte Kempf am nächsten Tag feststellen musste. «Die Tücher waren am Boden verteilt, die Schubladen des Buffets standen weit offen», sagt sie.

Auch bei Kempfs Nachbarn vom Café Frühling an der Klybeckstrasse stiegen die Einbrecher ein. Wie Benjamin Hohlmann vom Café sagt, habe es die Täterschaft auf Bargeld abgesehen; Maschinen und iPads hätten die Einbrecher stehengelassen. Die Spur der Einbrecher liess sich auch an anderen Lokalen in der Klybeckstrasse nachverfolgen.

«Ticino»-Wirtin Kempf schätzt, dass es die Täter vor allem auf Liegenschaften mit grösseren Schaufenstern abgesehen hatten. Der Mann vom Schlüsseldienst jedenfalls habe ihr tags darauf gesagt, dass er in diesem Zusammenhang auch das Türschloss eines Kindergartens ersetzen musste. Anderswo wurde eine Glasscheibe eingeschlagen. Die Wirte an der Klybeckstrasse zählten zusammen rund ein Dutzend Lokale zwischen den Tramhaltestellen Kaserne und Bläsiring auf, die vom nächtlichen Raubzug betroffen waren.

Behörden bestätigen die Vorfälle

Die Basler Staatsanwaltschaft bestätigt, dass es «ums vergangene Wochenende herum» zu mehreren Einbrüchen «im Geviert Klybeckstrasse und Umgebung» gekommen sei. Wie viele Einbrüche es genau gewesen waren und in welchen Liegenschaften, sagt die Staatsanwaltschaft nicht, denn einzelne Einbrüche kommentiere man nicht, erklärte deren Sprecher Peter Gill auf Anfrage der bz. Er verweist dabei auf die Halbjahres-Kriminalstatistik, an der jeweils Trends zu den Einbrüchen im Kanton bekannt gegeben werden. Die Zahlen der kürzlich publizierten Basler Kriminalstatistik 2018 hätten für die vergangenen Jahre zumindest einen deutlichen Rückgang bei den Einbrüchen ergeben.

Das hindert Einbrecherbanden allerdings nicht daran, weiter zuzuschlagen, teils auch mehrmals. Charlotte Kempf kennt sich damit aus: Als sie das Lokal 1995 übernommen hatte, gab es gleich eine ganze Reihe von Einbrüchen im «Ticino». Seither bewahre sie kein Geld mehr im Café auf. Entsprechend war für die Einbrecher in der Nacht auf Freitag auch nichts zu holen. Seit den unruhigen Zeiten in den Neunzigerjahren habe sie wieder Ruhe vor Einbrechern gehabt – bis jetzt. Während ihrer Zeit als Wirtin des «Ticino» sei das nun schon der achte Einbruch gewesen.

LDP fordert Kameras für Basel

Einer der Gründe, die zum in der Kriminalstatistik aufgeführten Rückgang der Einbrüche geführt habe, sei die Zunahme an Überwachungskameras in Basel gewesen, teilte die Staatsanwaltschaft bereits im März mit. Kurz darauf kündigte die Basler LDP eine Volksinitiative an, die an sogenannten «Hotspots» im Kanton eine öffentliche Videoüberwachung fordern soll.

Die Idee ist nicht neu, bereits vor acht Jahren lehnte das Parlament eine entsprechende Vorlage des damaligen FDP-Sicherheitsdirektors Hanspeter Gass ab. Er wollte 72 Kameras zwischen Bahnhof SBB und Messeplatz installieren lassen. Die LDP sucht nun politische Partner für die Neuauflage der Idee.

Charlotte Kempf hingegen verzichtet auf die Installation von Kameras. «Die Einbrecher wissen jetzt, dass es bei mir nichts zu holen gibt, das spricht sich dort auch herum», meint sie. Zudem wolle sie das kleine «Ticino» mit Ursprungsjahr 1934 nicht zu einer vollüberwachten Kammer umgestalten. Was sie aber reut, ist der Ersatz der Türfalle und des Schlosses. Denn obwohl die Einbrecher beim Raubzug kaum fündig geworden seien, bleibt an den Wirten doch der Schaden hängen, den die Täter verursacht haben.

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