Am 31. Januar steigt am Basler Bahnhof SBB der letzte Qualm in die Luft. Denn ab 1. Februar herrscht im ganzen Bahnhof Rauchverbot. Und zwar komplett: Auf der Passerelle, auf den Perrons, in den Hallen, überall. Dafür scheiden die SBB zwei Raucherzonen an der Nord- und Südseite aus: An der Ecke vor dem Ostflügel beim Centralbahnplatz und im Süden beim Meret Oppenheim-Platz.

Der Erlass geht auf ein Begehren der Plattform petitio.ch dieser Zeitung zurück, wo ein Leser auf den Fahrplanwechsel hin gefordert hatte, ein Rauchverbot an Bahnhöfen umzusetzen. Auf den Fahrplanwechsel im Dezember hat es den SBB nicht gereicht, jetzt aber steht der Anfangstermin dieses «Pilotversuchs» fest.

Petitio: Rauchfreier Bahnhof SBB

Betroffen sind neben Basel die Bahnhöfe Bellinzona, Chur, Neuchâtel, Nyon und Zürich Stadelhofen. Nur in Basel, Nyon und Stadelhofen sind auch die Perrons von den Rauchverboten betroffen. An den anderen Bahnhöfen werden dort immerhin noch spezielle Raucherzonen eingerichtet.

Bussen? Fehlanzeige

Wer gegen das Rauchverbot verstösst, wird allerdings nicht gebüsst. Denn die SBB haben noch gar keine rechtliche Handhabe. Wie SBB-Sprecher Reto Schärli auf Anfrage sagt, würden während dieses Pilotversuchs noch diverse Abklärungen getätigt. Unter anderem auch, wie die Bussen geregelt würden.

Denn die SBB selbst dürften dahingehend noch keine Bussen aussprechen, das sei Sache der Justiz beziehungsweise der Strafverfolgungsbehörden. Wer also trotz Rauchverbot genüsslich oder gestresst an der Kippe zieht, muss zwar mit einem harschen Hinweis auf die neue Regelung rechnen, kommt aber straffrei davon. Für die Hinweise sind die Sicherheitsangestellten der SBB zuständig. Allerdings dürfte auch die soziale Kontrolle eine Rolle spielen.

Die Raucherei an den Bahnhöfen störe die «gefühlte» Aufenthaltsqualität der Fahrgäste, schreiben die SBB, und belaste zudem die Umwelt. Regelmässig fischen die Angestellten der SBB kiloweise Zigarettenstummel zwischen den Gleisen hervor.

Augenmass soll vorerst genügen

Raucher und Nichtraucher an einem Bahnhof: Dies ergäbe «potentiell heikle Situationen mit Zigaretten und Kunden in deren Umfeld in Bezug auf Kleider, Haare und Haut», wie es in der Medienmitteilung umständlich formuliert ist. Klar aber ist, dass die SBB mit dieser Massnahme die Abfallbelastung durch Zigarettenreste an den Bahnhöfen massgeblich reduzieren können.
Der Versuch an den Schweizer Testbahnhöfen dauert mehrere Monate. Danach wollen die SBB ein schweizweit einheitliches System im Umgang mit Rauchern und deren Abfällen vorlegen. Bis dahin soll auch eine mögliche Bussenregelung vorliegen.

«Wir setzen derzeit auf gesunden Menschenverstand und Augenmass», sagt SBB-Sprecher Schärli zu Umsetzung und Kontrollen während der Testphase. So kommt Basel in den Genuss des ersten komplett rauchfreien Bahnhofs der Schweiz – noch ohne sich vor hohen Bussen fürchten zu müssen.