Jean-Marc Deichtmann, Maire von Basels kleiner elsässischer Nachbarstadt Huningue, brachte es auf den Punkt: «Jahrzehntelang hat der Rhein uns getrennt, jetzt verbindet er uns immer besser. Das Projekt 3Land ist dabei keine Vision, sondern ein Beginn.»

Wie weit die Planungen an dem gemeinsamen Raumkonzept der drei Städte Weil am Rhein, Basel und Huningue bisher gediehen sind, zeigt eine Ausstellung mit einem grossen Modell, die bis zum 22. Mai im Lichthof des Bau- und Verkehrsdepartements in Basel zu sehen ist (siehe Foto oben rechts). Weiss steht dabei für bestehende Gebäude, rot für diejenigen, die erhalten werden sollen oder müssen und blau für mögliche neue Bausteine.

Jobs und Wohnungen für 20 000

Die Planungsvereinbarung für das Vorhaben stammt von 2012. Betroffen ist ein trinationales Gebiet von 430 Hektaren, das im Norden von der Palmrainbrücke bis im Süden zur Dreirosenbrücke reicht. Auf 82 Hektaren, das entspricht 120 Fussballfeldern, sollen Arbeitsplätze und Wohnungen für 20 000 Personen entstehen.

Als nächsten Schritt wird es jetzt darum gehen, im Rahmen von Interreg V, das von 2014 bis 2020 läuft, neue Gelder zu beantragen. «Im Mittelpunkt stehen dabei zwei neue Brücken: vom Dreiländereck nach Deutschland und bei der Wiesemündung von Kleinhüningen nach Huningue. Hierüber könnte das 11er-Tram von Frankreich nach Kleinhüningen und Weil am Rhein fahren», erklärte der Basler Planer Thomas Waltert im Gespräch mit der bz.

Die Ausstellung war kürzlich im Rahmen einer Vernissage im Lichthof eingeweiht worden. Nele Vesta Zareh erläuterte im Namen der Stadtplaner von «LIN Architekten Urbanisten» das Raumkonzept 3Land, an dem das Büro ein Jahr lang intensiv gearbeitet hat. Sie zeigte sich dabei überzeugt davon, dass das trinationale Vorhaben für Europa ein Pilotprojekt werde.

«Wir müssen den Rhein ins Zentrum holen, die Ufer für Velofahrer und Fussgänger öffnen und den motorisierten Individualverkehr schliessen. Auch braucht es Platz für neue Grünflächen», sagte Zareh. Die bereits erwähnte Brücke zwischen Kleinhüningen und Huningue solle ein neuer Verkehrsknotenpunkt für Bus und Tram und später auch die S-Bahn werden. Die Strassen in den Quartieren müssten zudem neu hierarchisiert werden. Neben Wohnen und neuer Industrie sieht das Konzept in Huningue einen trinationalen Bildungscampus vor.

Kleine nummerierte Fähnchen auf dem Modell verweisen auf die dazugehörenden Informationsstellwände. Ausserdem liegt als Zeitung eine ausführliche Dokumentation zu 3Land aus. Darin erfährt man zum Beispiel, dass der Rheinpark beim Rheincenter in Weil am Rhein erweitert werden soll, die Weiler Hafennutzung nach Norden verschoben wird, wodurch ein neues Veranstaltungszentrum und ein Kanal-Quartier direkt am Rhein entstehen sollen.

Ziel 2000-Watt-Gesellschaft

Für die Basler Seite sieht das Raumkonzept auf den heutigen Hafenarealen ein neues Quartier entstehen. So heisst es in der Dokumentation: «Dieses könnte durchmischte Nutzungen mit Wohnen und Arbeiten, mit vielfältigen wirtschaftlichen Nutzungen, Kultur und Freizeit umfassen. Eine dichtere Bebauung ermöglicht grosszügig öffentliche Freiflächen. Die Entwicklung soll sich an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft orientieren.»

Der Basler Regierungsrat und Baudirektor Hans-Peter Wessels betonte in seiner Ansprache, dass das Projekt sicherlich nicht so umgesetzt werde, wie dies derzeit im Modell zu sehen sei. Um so wichtiger sei es, den Diskussionsprozess aufrechtzuerhalten. «Es handelt sich um sehr lange Planungshorizonte. Da fliesst noch sehr viel Wasser den Rhein herunter. Beim neuen Erlenmattquartier hat die Deutsche Bahn dem Kanton vor 31 Jahren mitgeteilt, dass sie das Areal nicht mehr benötigt.»

Hintergrund der Bemerkungen Wessels war, dass die Klybeckinsel in einer ersten Visualisierung mit zahlreichen Hochhäusern bebaut war, was zu massivem Widerstand gegen das sogenannte «Rheinhattan» geführt hatte. So setzt sich seit 2012 die IG Greenhattan für ein grünes Klybeckquai ein, bei dem auch Wohnen und Arbeiten nicht zu kurz kommen und ökologische Anliegen berücksichtigt werden sollen – ganz ähnliche Ziele, wie Zareh sie formulierte.

Klare Landschaftsstruktur

Noch weitaus radikaler waren die Arbeiten von Studenten, die Christophe Girot, Professor für Architektur am Institute of Landscape Architecture an der ETH-Zürich, im Rahmen der Vernissage vorstellte (siehe Text rechts). Dabei war ihm natürlich klar, dass die Vorschläge Aufsehen erregen würden. Er hatte die Studenten Alternativen für die Nutzung der Klybeckinsel erarbeiten lassen. «Rheinhattan hat mich schockiert. Sie haben hier ein fantastisches Potenzial mit dem Fluss als einheitliches Element, der das Rückgrat des Projekts bleiben sollte. Basel braucht eine klare Landschaftsstruktur statt weiterer Türme», kritisierte Girot das alte Hochhausprojekt.

Raumkonzept 3Land, Drei Städte – eine Zukunft. Lichthof des Bau- und Verkehrsdepartements, Basel, Münsterplatz 11. Bis 22. Mai, Mo–Fr 8–18 Uhr

www.3-land.net