Gaspar Noé macht Kinobesucher zu Junkies. Auf der Suche nach neuem Stoff und auf der Flucht vor der Polizei müssen sie in den Strassen von Tokio ums Überleben kämpfen. Realität, Halluzinationen und Backflashs vermischen sich. Die Betrachter stürzen in einen neonfarbigen Abgrund. Ein über zweistündiger Trip beginnt. «Enter The Void» des in Frankreich tätigen Skandalregisseurs Noé ist ein mitreissendes Erlebnis.

Im Zentrum der Handlung steht der drogensüchtige Oscar, dessen Leben aus den Fugen gerät. Gezeigt wird das auch durch die Darstellung seiner verzerrten Wahrnehmung. Jeder Wimpern- und Herzschlag des Protagonisten erleben die Zuschauer in subjektiven Einstellungen hautnah mit.

Enter The Void - Official Trailer

Enter The Void - Official Trailer

Strategien des Rausches

Gezeigt wird Noés aufwühlendes Drama im Rahmen des Kinoprojekts Chacun son Cinéma. Die dreiteilige Reihe widmet sich diesen Frühling menschlichen Grenzerfahrungen. Zusammen mit «Performance» aus dem Jahr 1970 und dem mexikanischen «La Montaña Sagrada» von 1973 führt sie Filminteressierte an erweiterte Wahrnehmungsformen heran.

Inspiration und Name für die Reihe gab der Dokumentarfilm «Gambling, Gods & LSD» von Peter Mettler. Er zeigt darin das Spektrum menschlicher Strategien auf, Rauschzustände zu erlangen. Die Portraitierten begeben sich auf Sinnsuche. Wahlweise sollen ihnen Glücksspiel, religiöse Rituale oder chemische Substanzen Antworten auf die grossen Fragen liefern.

«Sinneserweiterung und Ekstase sind ein Thema, zu dem jede und jeder einen Bezug hat», sagt Sebastian Siegrist, einer der Mitbegründer der Kinoreihe. So sollen sich laut den Veranstalterinnen auch nicht in erster Linie Cinephile und Filmstudierende vom Angebot angesprochen fühlen. Zur Einordnung der Filme geben Expertinnen und Experten eine Einführung in den Abend.

Zu «Enter The Void» übernimmt dies Jeanine Reutemann von der Hochschule für Gestaltung und Kunst. Im Anschluss an den Film besteht die Möglichkeit, mit ihr und dem Publikum über das Gesehene zu diskutieren.

Plattform für Diskussionen

Die Idee für das Projekt entstand unter Studierenden der Medienwissenschaft. Heute sind auch Studierende der Kunstgeschichte eng beteiligt. «Chacun son Cinéma soll eine Plattform bieten für Filme, die man sonst nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Wir möchten zeigen, dass Kino mehr sein kann als simple Unterhaltung», sagt Sebastian Siegrist. Damit bieten die Abende einen Zugang zu Filmtheorie, mit der ausserhalb von Universitäten nur wenige in Kontakt kommen.

Ein Konzept, das Anklang findet. Die Studierenden veranstalten die Filmreihe bereits zum dritten Mal im Stadtkino. Zuletzt zeigte Chacun son Cinéma Filme, die sich mit dystopischen Gesellschaftsvisionen beschäftigen. Rege Diskussionen im Anschluss an die Vorstellungen sind die Regel. Längst nicht nur Studierende beteiligen sich daran.

Die aktuelle Filmauswahl soll nun zeigen, wie sich Rausch, Ekstase und Transzendenzerfahrungen kinematografisch abbilden lassen. «La Montaña Sagrada» von Alejandro Jodorowski tut dies mit bizarren Bildwelten. Eine Gruppe von religiösen Fanatikern sucht auf ihrer Reise zum «heiligen Berg» nach Erleuchtung. Donald Cammells «Performance» hinterfragt Identität und Verstand seiner Protagonisten. Mick Jagger versucht sich dabei in einer Doppelrolle als Schauspieler.

Vorstellungen: «Enter The Void», Dienstag, 14.März , 19:30 Uhr. «Performance», 4. April; «La Montaña Sagrada», 9. Mai; jeweils um 20 Uhr im Stadtkino, Basel. Eintritt: 5 Franken.