Ein altes Gebiss, ein 100 000 Jahre altes Fleischmesser und eine Sonnenbrille, der ein Glas fehlt, haben nichts gemeinsam? Oh doch, denn sie alle wurden aus dem Rhein gefischt. Die Ausstellung «Aufgetaucht» im historischen Museum beschäftig sich mit skurrilen, schrecklichen und lustigen Dingen, die über Jahrzehnte aus dem Rhein geholt wurden. Von Hobbyfischern, Bauarbeitern oder durch Zufälle. Zu Tage befördert werden nämlich nicht nur alte Velos und Einkaufswagen.

Die Ausstellung beginnt mit den Funden der letzten Rhybutzete. Diese wurden erst nach einer Trocknungsphase in die Ausstellung integriert, da ihr Geruch sonst nicht erträglich gewesen wäre. Neben diversen Feuerzeugen und Flaschendeckeln schaut ein buntes Sparschwein keck aus der Vitrine heraus. Dutzende Handys sind aufgereiht, in ihrer Mitte ein hellblauer Nuggi. Neben einem Aftershave, ein Playmobil Töffli und daneben wiederrum mehrere Kreditkarten und Pässe.

Schon aufgegeben

Pia Kamber, Kuratorin für Archäologie im historischen Museum, sagt, dass man schon einige wichtige Dokumente an ihren Besitzer zurückgeben konnte, der diese schon aufgegeben hatte. Kamber hatte die Idee für die Ausstellung und war damit die erste und einzige in der Region.

«Das Wasser wertet nicht, deshalb haben auch viele Leute ihre Geschichten dem Rhein anvertraut», erklärt Kamber ihr Interesse für die Geheimnisse, die der Boden des Flusses birgt.

Das Team hinter der Ausstellung bat die Basler Bevölkerung, ihre Geschichten über Dinge, die sie im Rhein verschwinden liessen, zu teilen. Ein Raum im Untergeschoss des Museums beschäftigt sich nun mit diesen, natürlich anonym.

Ein Mann erzählt von seinem Ehering, den er nach der Trennung von seiner Frau gemeinsam mit seinen Kindern und seiner Mutter in den Rhein warf. Ein anderer berichtet von seiner Kindheit, als er mit Kollegen einen Beutel mit einem Stein und einer toten Katze am Rheinufer fand. Das Messer, mit welchem er den Beutel aufgeschnitten hatte, warf er samt der Katze wieder ins Wasser zurück, da er Angst hatte, es sei nun verflucht.

Während man die verschiedenen Geschichten liest, ist das Rauschen des Rheins zu hören, was eine Installation der Künstlerin Christina Kubisch möglich macht.

Waffen und eine Kanonenkugel

«Hier ist auch unsere Gigampfi-Wasserstampfi zu finden», sagt Kamber mit einem Schmunzeln. Damit ist eine Wippe gemeint, in deren Mitte Wasser hin und her schwappt, falls man sich darauf niederlässt. Im Untergeschoss ist abgesehen von diesem Raum auch noch viel anderes zu sehen.

Waffen, die nach einem Verbrechen im Wasser entsorgt wurden, eine Kanonenkugel aus dem 16. Jahrhundert. Oder eines der ältesten Stücke der Ausstellung, dem Stück einer Palme, das 25 Millionen Jahre alt ist und zeigt, dass sich das Klima in der Schweiz mit den Gezeiten verändert hat.

In einer Vitrine sind Dinge zu finden, die extra in den Rhein geworfen wurden. Opfergaben sozusagen. Beispielsweise die altbekannten Liebesschlösschen, deren Schlüssel zu hunderten unter der mittleren Brücke gefunden wurden.

Marc Fehlmann, Direktor des historischen Museums, fasst zusammen: «Bei den Funden, die aus dem Rhein gefischt wurden, ist eigentlich für jeden etwas interessantes dabei, ob man sich nun für Geschichte im Allgemeinen, Waffen oder Archäologie interessiert.»

«Aufgetaucht»: Bis am 04. März 2018.

Weitere Infos unter: www.hmb.ch