Gericht
Rebgasse-Schläger stehen vor Gericht

Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen die brutalen Rebgasse-Schläger. Die Anklage lautet auf versuchten Mord.

Yen Duong
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Nicole Nars-Zimmer

Ab übermorgen müssen sich drei junge Männer vor dem Basler Strafgericht für eine Tat verantworten, die wegen ihrer Brutalität für Entsetzen in der Region sorgte. Die Männer Anfang 20 schlugen vor einem Jahr in der Kleinbasler Rebgasse drei Personen heftig nieder. Die Opfer kamen mit schweren Verletzungen davon, hätten laut der Anklageschrift der Basler Staatsanwaltschaft jedoch genauso gut sterben können. Die Anklage lautet denn auch auf versuchten Mord.

Rückblende: Es ist Freitagnacht, 20. November 2009. Die drei Angeklagten feiern in der Disco Fame am Claraplatz. Der Alkohol fliesst, die Stimmung ist gut. Das Blatt wendet sich jedoch beim heute 21-jährigen Roman S. (Name der Redaktion bekannt), als er seine Ex-Freundin im Club antrifft. Die Männer beschliessen, nach Hause zu gehen und verlassen die Disco nach 4 Uhr früh via Rebgasse in Richtung Wettsteinplatz. Begleitet wird das Trio von einem weiteren jungen Mann und zwei Frauen.

Grundlos zugeschlagen

Denselben Weg nimmt zu dieser Zeit auch ein Paar, das ein Konzert im «Culturium» besuchte und anschliessend im Restaurant Zum Schiefen Eck mit Freunden anstösst. Auf der Höhe der Liegenschaft 39 beginnt der Albtraum für das Paar: Roman S. rennt laut Anklageschrift grundlos auf den heute 54-jährigen Mann zu und schlägt auf ihn ein. Der Bruder von Roman S. (23) und sein Kollege (22) sehen zuerst kurz zu, machen dann mit. Als der Mann schliesslich zu Boden geht, verpassen sie ihm Fusstritte gegen den Kopf und Oberkörper.

Die Frau (56) muss zusehen, wie ihr Partner gnadenlos verprügelt wird. Sie fängt an zu schreien. Darauf lassen zwei der Täter den Mann los und attackieren die Frau. Sie verpassen ihr Faustschläge gegen den Kopf. Erst als auch sie am Boden liegt, setzen die Schläger ihren Weg in Richtung Wettsteinplatz fort.

Ein Augenzeuge (24) ruft den drei Tätern «Hey, hey» zu und will den Verletzten helfen. Währenddessen rappelt sich das 54-jährige Opfer auf, versucht das Trio zu verfolgen und beschimpft es. Die drei Männer kehren um und greifen den Mann derart an, bis er mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlägt.

Auch auf den Zeugen schlagen sie rigoros ein. Als dieser am Boden liegt, verpassen sie ihm Schläge und Tritte ins Gesicht, in den Bauch und gegen den Rücken. Erst als sich der Helfer bewusstlos stellt, lassen sie ihn in Ruhe. Obwohl Roman S. sieht, dass das andere Opfer – der 54-jährige Mann – ebenfalls reglos am Boden liegt, schlägt er weiter auf ihn ein und verpasst ihm Fusstritte. Danach rennt die Gruppe definitiv in Richtung Wettsteinplatz.

Der Spuk ist für den 24-jährigen Helfer, der sich nun auf den Heimweg macht, noch nicht vorbei. Beim Wettsteinplatz sieht er die Schläger erneut und ruft der Gruppe offenbar etwas zu. Danach rennt er in Richtung Grenzacherstrasse davon. Das Trio verfolgt ihn, kann ihn einholen und schlägt laut Staatsanwalt erneut «in blindem Vernichtungswahn» auf den Mann ein. Erst als ein Stadtreiniger ihm zur Hilfe eilt, lassen sie von ihm ab und flüchten. Die Basler Polizei kann die Täter später jedoch verhaften.

Bei den drei Angeklagten handelt es sich um Schweizer, die in der Region geboren wurden – sie wuchsen auch grösstenteils hier auf. In der Tatnacht hatten sie zwischen 0,9 bis 1,8 Promille Alkohol im Blut. Einer der Täter habe zusätzlich Kokain konsumiert, schreibt die Staatsanwaltschaft. Roman S. hatte laut eigenen Angaben eine «strube Kindheit». Seine Eltern lebten getrennt, waren beide Alkoholiker. Er wuchs nicht mit seinem Bruder auf, der Bankkaufmann ist. So lebte Roman S. ab dem 15. Lebensjahr in einer Aussenwohngruppe des Waisenhauses.

Absicht: Leben auslöschen

Sein Vater ist derweil tot, zu seiner Mutter habe er eine oberflächliche Beziehung. Eine Lehre bei einer Versicherung brach Roman S. nach einem halben Jahr ab und ist heute arbeitslos. Gemäss eigenen Angaben litt er in der Tatnacht unter der Trennung seiner Ex-Freundin und unter seiner erfolglosen Karriere. Der Freund von Roman S., der zweite Angeklagte, hatte offenbar mit einem gewalttätigen Vater zu kämpfen.

Die drei Personen, mit denen die Schläger den Club Fame verliessen, hatten die Attacken miterlebt. Scheinbar versuchten sie, ihre Kollegen davon abzuhalten – jedoch erfolglos. Für die Staatsanwaltschaft ist offenbar klar: Die Männer haben so brutal auf ihre Opfer eingeschlagen, dass dahinter eine Absicht bestanden habe, das Leben dieser auszulöschen. Der Prozess gegen die drei Schläger dauert insgesamt fünfeinhalb Tage.