Sozialbericht
Rechnung geht nicht auf: Mehr neue Wohnungen für noch mehr neue Einwohner

Das umfassende Statistikwerk der Verwaltung zeigt klar: Es gibt immer weniger freie Wohnungen, aber immer mehr Einwohner. Ein Zustand, der die Wohnungen immer teurer werden lassen.

Nicolas Drechsler
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In Basel immer noch zu selten zu sehen: Tännchen an der Aufrichtefeier eines Wohnhauses.

In Basel immer noch zu selten zu sehen: Tännchen an der Aufrichtefeier eines Wohnhauses.

Walter Schwager

Alles ist in den letzten zehn Jahren teurer geworden. Das zeigt nicht nur der subjektive Blick ins Portemonnaie, sondern auch der objektive auf den Index der Basler Konsumentenpreise. Vor allem aber haben die Mietpreise angezogen, das zeigt der Mietpreisindex. Die Mieten sind wesentlich stärker gestiegen als die übrigen Ausgabenposten.

Der gestern erschienene Basler Sozialbericht widmet sich in einem Schwerpunktthema dem Wohnen. Und bestätigt in vielen Punkten, was auf der politischen Ebene und in einzelnen Statistiken immer wieder behauptet wurde: Der Leerwohnungsstand in Basel-Stadt ist stetig im Sinken begriffen. Die eineinhalbtausend Wohnungen, die im Kanton in den letzten zehn Jahren neu gebaut wurden, waren nicht genug, um das Bevölkerungswachstum von 2,8 Prozent aufzunehmen.

193'396 Menschen lebten Ende 2012 in Basel. Und das in knapp 106'000 Wohnungen. Dabei ist der Leerwohnungsstand von 1,4 Prozent auf 0,5 Prozent gesungen. Diese Quote ist immer noch leicht zu hoch, um von einer «echten» Wohnungsnot sprechen zu können, trotzdem ist sie sehr tief.

«Verschärfte Lage»

Die Lage in Zürich und Genf sei noch schlimmer, schreibt Sozialdirektor Christoph Brutschin (SP) in der Einführung, dennoch habe sich die Lage klar verschärft: «Die gesunkene Leerstandsquote und das steigende Mietpreisniveau machen deutlich, dass mehr Wohnraum benötigt wird.»

Eine Aufschlüsselung nach Quartieren zeigt, dass sich deren Eigenheiten durch die Lage auf dem Wohnungsmarkt weiter akzentuieren: Im eher dünn besiedelten Hirzbrunnenquartier nahm die Bevölkerung um 2,9 Prozent ab. Und auch der Wohnungsbestand ist rückläufig, 0,9 Prozent weniger Wohnungen standen im Hirzbrunnen Ende 2012 zur Verfügung als zehn Jahre zuvor.

Dagegen ist im dicht besiedelten Rosental die Lage langsam aber sicher kritisch: Einem Bevölkerungswachstum von 15,4 Prozent steht lediglich eine Zunahme um 9,2 Prozent der Wohnungen gegenüber.

Mieten steigen rapide an

Die Verknappung eines Gutes führt zu steigenden Preisen - das gilt auch für den Wohnungsmarkt. Dabei ist auffällig, dass die Mieten nicht für alle Wohnungstypen gleich stark angestiegen sind. Die 3- und 4-Zimmerwohnungen, die am stärksten nachgefragt werden, haben sich am meisten verteuert.

Ob die verstärkte Bautätigkeit im Bereich der grösseren Familienwohnungen dazu beigetragen hat, dass deren Preise minim weniger stark anstiegen, war bei den Statistikern nicht in Erfahrung zu bringen. Zu klein sei das Segment. Denn den Löwenanteil der Wohnungen in Basel machen die 1- bis 3-Zimmerwohnungen aus, sie decken 71 Prozent des Marktes ab.

Notwohnungen am Anschlag

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt zeigt auch Konsequenzen bei den Notwohnungen des Kantons: Diese Liegenschaften, die der Kanton an Bedürftige vermietet, sind in den letzten Jahren an ihre Kapazitätsgrenzen gestossen. Der Auslastungsgrad lag 2012 bei gut 94 Prozent. Das ist eine Steigerung um 35 Prozentpunkte innert drei Jahren.

Das heisst vor allen Dingen, dass von den 100 Wohnungen, die der Kanton für diese kurzfristige Unterbringungsart zur Verfügung hat, nur noch sechs Wohnungen frei standen. Diese hohe Auslastung war mit ein Grund, weshalb die kantonale Asylkoordinatorin in Erwägung gezogen hatte, Asylanten auf einem Schiff unterzubringen. Der Kanton konnte keine Notwohnungen mehr zur Unterbringung von Nicht-Einwohnern zur Verfügung stellen.

Eine positiver Nebeneffekt der hohen Auslastung ist das finanzielle Ergebnis: Das Defizit der Notwohnungen betrug 2012 nur noch 0,8 Millionen Franken gegenüber einem Fehlbetrag von 2,6 Millionen im Jahr 2009. Konstant blieb die Auslastung der Notschlafstelle, in der Obdachlose für einige Nächte unterkommen. Sie betrug 2012 57 Prozent, was rund 16'000 Übernachtungen entspricht.